Ridder, Carl

Liebevoll beschrieb „Carlchen“ das längst Vergangene

1905 in Dorsten bis 1996 in Kiel; Heimatpoet. – Mit schwärmerischer, tief empfundener Heimatliebe schilderte er seine Stadt voller Poesie. Zur 700-Jahrfeier von Dorsten veröffentlichte Carl (Carlchen) Ridder 1951 sein kleines Buch „Die Weise von Hannes und seiner alten Stadt“. In diesem Werk, das längst vergriffen ist, und in seinem darauf folgenden, in dem er seine Gedanken in Versen publizierte, beschreibt er lebendig und humorvoll die Menschen von Dorsten, besonders die Originale aus den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts. Karl RidderCarl Ridder skizzierte trotz aller ihm eigenen Schwülstigkeit liebevoll die engen Gassen und Winkel seiner Stadt, die so nur von ihm entdeckt und gesehen wurden. Denn an ihm, so scheint es, war die neue Zeit unbemerkt vorübergegangen. Ob Kirmes oder Schützenfest, Fronleichnamsprozession oder Erntefest, er bettete sie ein in die einfühlsamen Schilderungen von Natur und Jahreszeiten – deren Wechsel bekanntlich zeitlos sind. Älteren Lesern der „Ruhr-Nachrichten“ (heute „Dorstener Zeitung“) ist Carl Ridder als Kolumnist bekannt geworden. Samstag für Samstag lasen sie seine „Impressionen“, in denen die Vergangenheit der Stadt lebendig wurde. 1976 erschien sein gleichnamiges Buch mit den gesammelten Aufsätzen. Feuerrote Locken und Sommersprossen machten die hagere Gestalt Carl Ridders unverkennbar. Seine Beharrlichkeit machte ihn schwierig. Er war ein künstlerischer Mensch, der sich als Dilettant der Schriftstellerei, Schauspielerei und Malerei hingab. 1993 widmete ihm die Kreissparkasse Recklinghausen, deren Mitarbeiter er als Leiter der Zweigstelle Marl war, in Dorsten eine Ausstellung seiner Landschaftsbilder. Bis zu seinem Tod 1996 erfreute er seine Mitbewohner in dem Kieler Altenheim, in dem er mehr als zehn Jahre lang lebte, mit seinem Klavierspiel. Nach seinem Ableben trat er die letzte Reise in sein geliebtes Dorsten an. Er wurde auf dem Friedhof an der Gladbecker Straße bestattet.

Werke: „Die Weise von Hannes und seiner alten Stadt“ (1951). – „Welt ohne Wunder“, „Impressionen“ (1976).


Siehe auch:
Literaten, verstorben

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