Oppenheimer, Salomon

Ein glühender deutsch-nationaler Dichter jüdischen Glaubens

1850 in Geseke bis 1932 in Dorsten; Kaufmann und Heimatdichter. – Im April 1961 entdeckte die Polizei auf dem jüdischen Friedhof im Judenbusch, dass das Grab des 1932 verstorbenen Kaufmanns Salomon Oppenheimer über Nacht geöffnet wurde. Über den Grund der Grabschändung lassen sich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht glaubten die bis heute unbekannten Täter, wertvolle Grabbeigaben zu finden.

Grabschändung Oppenheimer

Schändung des Grabs Salomon Oppenheimrrs auif dem jüdischen Friedhof 1961

Schriftführer des Synagogenhauptgemeinde Dorsten

Salomon Oppenheimer war Zeit seines Lebens ein geachteter Mann in Dorsten, der nicht mehr mit ansehen musste, wie ab 1933 Achtung in kühle Ablehnung und Hass gegenüber Juden umschlug. Der Kaufmann betrieb bis zum Tode seiner Frau im Jahre 1929 in der Wiesenstraße und später in der Lippestraße ein Manufakturwarengeschäft. 1902 übernahm Salomon Oppenheimer das Amt des Schriftführers der Synagogenhauptgemeinde Dorsten. Salomon Oppenheimer war durchdrungen vom deutschen Nationalismus. Für die „Dorstener Volkszeitung“ schrieb er patriotische Gedichte – in Hoch- und Plattdeutsch. Beispielsweise erschien 1916 das Gedicht „De dütsche Michel“. Darin forderte er die Leser auf, es auszuschneiden und als Erbauung an die Front und an die Lazarette zu schicken. Andere Gedichte widmete er dem Kaiser und „unseren Kriegern“ sowie den Dorstener Jugendwehren anlässlich einer Gefechtsübung im Jahre 1915. Oppenheimer ließ 1917 sein Gedicht „En betken öwer den Krieg“ auf eine Postkarte drucken und für zehn Pfennige in Dorsten verkaufen. Der Erlös diente „zum Besten der Ludendorffspende“, also für die Fortsetzung des Krieges. Ludendorff war Antisemit und gründete später den „Tannenbergbund“, den Kampfbund gegen „Überstaatliche Mächte“ wie Freimaurer, Juden, Jesuiten und Marxisten.

Von Gestalt war Oppenheimer klein und schmächtig, er hatte ein jugendliches, fast kindliches Gesicht. Auf seiner Nase saß ein Kneifer. Dorstener, die ihn kannten, sagten, er hätte es immer eilig gehabt. Als er wieder einmal zum Amtssekretär ging, um eines seiner Kinder anzumelden, mit dem seine Frau Fanny Rose (gestorben 1929) gerade niedergekommen war, warf ihn der Sekretär im Rathaus mit den Worten hinaus, der Vater müsse selber kommen und könne nicht seinen ältesten Sohn vorbeischicken. Das Ehepaar hatte fünf Kinder: Bertha (1882), Else, Alma, Irma, Bruno (1896). Nach dem Tod des Vaters am 29. Mai 1932 wanderten alle Geschwister nach Amerika aus. Der Sohn Bruno besuchte nach dem Zweiten Weltkrieg als amerikanischer Soldat Dorsten und das Grab des Vaters. – Salomon Oppenheimer widmete dieses in der „Dorstener Volkszeitung“ am 14. April 1915 veröffentlichte Gedicht dem Kommandanten und der Besatzung des Unterseebootes U 29:

Auf Meeresgrund liegt Ihr begraben,
Es will das Meer sein Opfer haben!
Ihr habt es ruhmvoll ihm gebracht,
Gewirkt für uns bei Tag und Nacht;
Ihr starbt als vorbildliche Helden,
Die Nachwelt noch wird`s von Euch melden;
Und müssen Tränen wir vergießen,
Wird Eure Saat für uns ersprießen,
Wir hoffen auf ein Morgenrot,
Das Sühn` uns bringt für Euern Tod.


Siehe auch:
Literaten, verstorben

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