Probst, Moritz

Schweizer Ingenieur war in Dorsten an der Industrialisierung beteiligt

1838 in Bern/Schweiz bis 1916 ebd; Maschineningenieur und Brückenkonstrukteur. – In Dorsten wirkte er das erste Mal im Sommer 1865 und dann wieder von 1967 bis 1969 in der Firma seines Freundes Alexander Reischel, Sohn des Fabrikanten August Reischel. Zuvor war Probst in Berlin tätig und verdiente in der Eisengießerei und Maschinenfabrik von L. Schwartzkopff zuerst 30, dann 45 Taler. Maschineningenieure waren damals schlecht bezahlt.

Probst baute die Reichelsche Holzschneide-Mühle auf und leitete sie

Wie viel Moritz Probst in Dorsten verdiente, ist nicht bekannt. Er half seinem Freund Reischel, in Holsterhausen eine große Holzschneide-Mühle mit großem Holzlager aufzubauen, einzurichten und leitete dann deren Betrieb. Er wohnte in der Villa Reischel im heutigen Bereich Maria Lindenhof. Die Villa war 1884 das Gründungsgebäude für die Krankenanstalten Maria Lindenhof (Barmherzige Brüder von Montabaur). Somit gehört der Schweizer Maschineningenieur Moritz Probst in Dorsten zu den Pionieren der Industrialisierung. Leider gibt es keine weiteren Informationen über ihn in seiner Dorstener Zeit außer, dass er auch zu Gesprächen über den Bau von Eisenbahnbrücken und von Dampfbooten hinzugezogen wurde. Von wem und um welche Brücken und warum Dampfboote es sich handelte, ist ebenso unbekannt. Er schrieb die so nebenbei in einem Brief an seinen Vater. Als jedoch um diese Zeit im Kanton Bern die Jura-Gewässer-Korrektion beschlossen wurde, zog ihn 1969 die Erwartung, dort Arbeit zu finden, wieder in die Heimat.

Ein hoch angesehener Brücken-Bauer und Lokalpolitiker

Moriz Probst wuchs in Romainmôtier auf, studierte am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich und erhielt 1861 das Diplom als Maschineningenieur, wurde in die Werkstätten der „Société Centrale de Navigation“ in Yverdon aufgenommen und erhielt u. a. den Auftrag, Pläne für Dampfschiffe auszuarbeiten. 1863 ging er nach Berlin, dann nach Dorsten und arbeitete danach in Bern. 1885 gründete er seine eigne Firma „Probst, Chappuis & Wolf“ in Nidau, die 1907 mit Conrad Zschokke zur Gesellschaft Vereinigte Werkstätten von Nidau und Döttingen vereinigt wurde. Probst baute zahlreiche Eisenbahn- und Straßenbrücken und führte die gelenklosen Eisenbogenbrücken mit großen Spannweiten ein (Javroz bei Charmey, Schwarzwasserbrücke, Kirchenfeldbrücke in Bern). Von 1883 bis 1894 war er freisinniger ehernamtlicher Gemeinderat und Stadtrat in Bern. 1905 verlieh ihm die Universität Zürich den Dr. h. c. In den 1880er-Jahren wirkte Moritz Probst auch im öffentlichen Leben der Stadt Bern mit. Er war Gemeinderat und Stadtrat bis 1895 und nahm regen Anteil an den Arbeiten der Baukommission und der Wasserwerk- sowie der Straßenbahnkommission. – Moritz Probst, der seinen Anteil an der Industrialisierung in Dorsten beigetragen hatte, starb 1916 in seiner Heimatstadt Bern.


Quellen: „Schweizer Bauzeitung“ Nr. 22/1916 über ETH-Bibliothek Zürich. – „Der Bund“ vom 22. Mai 2016. – Wikipedia-ch (Aufruf 2017 Eisenbahnbrücke Mellingen).

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