Polizeiwesen II (Essay)

Turbulente Nachkriegszeit und eine immer technisiertere Gegenwart

Gemeinsame Autokontrolle 1946: britischer Militär- und deutscher Hilfspolizist

Gemeinsame Autokontrolle 1946: britischer Militär- und deutscher Hilfspolizist

Von Wolf Stegemann – Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten die englischen Militärbehörden den Polizeiabschnitt C, die „Regierungspolizei Münster“, zu der neben den Städten Recklinghausen, Gladbeck, Bottrop auch der ehemalige Präsidialbezirk Herten, Waltrop, Datteln, Marl und Westerholt sowie die früheren Gendarmeriebezirke des RP Münster, darunter Dorsten, gehörten. 1953 bekam die Polizei in Recklinghausen einen Polizeipräsidenten an die Spitze der Kreispolizeibehörde. In Dorsten wurde 1959 das 7. Polizeirevier als „Wache“ der „Hauptwache“ in Marl zugeteilt. Kommissar Ludger Stegemann wurde 1964 Leiter der Dorstener Kriminalpolizei. Ein Jahr später wurde Oberkommissar Richard Albrecht Polizeichef, der von Herne nach Dorsten versetzt wurde. 1979 erhielt die Dorstener Polizei ein neues Gebäude an der Borkener Straße und 1983 als Hauptwache einen eigenen Schutzbereich. Die Dorstener Hauptwache hat 2009 ein neues Gebäude innenstadtnah zwischen der evangelischen Kirche und dem jüdischen Museum (ehemaliges Kolping-Haus-Areal) bezogen. Das Gebäude kostete 12,6 Mio. Euro.

Polizeiwache in Wulfen verrichtete rund um die Uhr Dienst

Wulfener Wache-Schild

Wulfener Wache-Schild

1976 erhielt Wulfen eine ständige Polizeiwache an der Dimker Allee, die 1984 in ein anderes Gebäude – ebenfalls in der Dimker Allee – umzog und Rund-um-Dienst verrichtete. 1993 wechselte die Wache in ein eigenes Gebäude an der Markthalle. Die Wulfener Wache ist zuständig für alle Stadtteile ohne Innenstadt. Anfang 2001 wurde die Polizei neu strukturiert. Demnach ist die Wulfener Wache weiterhin 24-stündig besetzt; mehr Beamte sind im Außendienst tätig. Von dort werden aber keine Einsätze mehr gefahren. Durch eine weitere Reform hat Dorsten eines der vier Regional-Kriminal-Kommissariate erhalten, von der aus Wulfen mit bedient wird. Dagegen sind die Verkehrskommissariate Dorsten und Wulfen entfallen und in Gladbeck gebündelt. Als Anlaufstelle für Drogenkriminalität gilt nur noch Recklinghausen. Für die Sicherheit der Bürger ist ab 2011 auch das Team des Bezirksbeamten-Dienstes in allen Stadtteilen im Einsatz. Die Beamten des Teams sind den Einwohnern schon längst nicht nur „Freund und Helfer“ sondern Vertrauenspersonen geworden. Mitte 2011 löste Wolfgang Pluta seinen Amtsvorgänger Norbert Jendriak als Dorstener Wachleiter ab. Jendriak ging in den Ruhestand. Erst 2017 haben zwei neue Bezirksbeamte, Rüdiger Ostwald in Hervest und Kurt Riße in Lembeck/Rhade, ihren Dienst angetreten. Peter Hesse ist für Altstadt, Altendorf-Ulfkotte und Feldmark zuständig, Andreas Müller für Hardt/Östrich, Ursula Sommer für Holsterhausen, Jürgen Strauß für Barkenberg und Michael Weßeling für Wulfen/Deuten.

Dorstener Situation: Polizeiwache chronisch unterbesetzt

Polizisten auf Streife 1959: Schulte-Dickhoff und Klingebiel

Polizisten 1959: Schulte-Dickhoff und Klingebiel

„Mehr Polizei zur Sicherheit auf die Straße“ wird immer wieder von Landespolitikern lautstark gerufen, doch den im Parteienstreit gehaltenen Fensterreden folgen kaum Taten. Es gibt zu wenig Polizisten – auch in Dorsten. Dass die Bürger auf der Straße sicher sind, dafür sorgt der chronisch unterbesetzte Wachdienst. Polizisten, die eigentlich dienstfrei haben, springen ein, um die Personalnot zu lindern. Die Gewerkschaft der Polizei berichtet, dass dadurch kreisweit rund 100.000 Überstunden im Wechseldienst entstanden seien. Auch andere Polizei-Bereiche, beispielsweise das Kommissariat Internet-Betrug, ist völlig unterbesetzt. Obwohl nach der Neuorganisation der Polizei der Bezirksschwerpunktdienst personell verdoppelt wurde, gibt es dennoch rund 10 Prozent weniger Polizisten in Dorsten als vor der Neuorganisation. Denn allein die Hälfte der Verdoppelung wird benötigt, um die aufgelöste Wache in Wulfen zu besetzen. Von den Polizisten, die als Verstärkung übrig geblieben waren, wurde wiederum die Hälfte wieder abgezogen. Wenn in Dorsten sichtbar viel Polizei in der Öffentlichkeit bemerkbar ist, dann sind es meist keine hiesigen Einsatzkräfte, sondern im Einsatz befindliche Polizei von außerhalb, beispielsweise bei Großkontrollen am Busbahnhof. Landesweit wurden bis 2008 nur 500 Polizeianwärter jährlich eingestellt. Danach waren es tausend, die allerdings erst ab 2011 zur Verfügung standen. Berechnungen der Polizei-Gewerkschaft ergaben, dass mindesten 2000 Polizeianwärter jährlich eingestellt werden müssen.

Befragung der „Dorstener Zeitung“ zum Sicherheitsgefühl 2011

City-Service; Foto: Stegemann

City-Service (wieder eingestellt)

Zum Sicherheitsgefühl der Bürger befragte die „Dorstener Zeitung“ ihre Leser und veröffentlichte das Ergebnis Anfang 2011. Nur wenige, die sich an der Umfrage beteiligten, fühlen sich in der Stadt „sicher“ (von insgesamt 723 Einsendern nur 45). 468 dagegen fühlten sich „unsicher“, 188 Teilnehmer bescheinigten „wenig“ Sicherheit und 15 Bürger sagten „gar nicht sicher“. Zu den „Angst-Örtlichkeiten“ gehörten die Lippetor-Unterführung und das VHS-Parkhaus. Etliche Beteiligte meinten, dass sich die Sicherheitssituation am Busbahnhof verbessert habe.
Zu der Frage, ob die Frauen und Männer vom City-Service, die im Auftrag der Stadt unterwegs waren, für mehr Sicherheitsgefühl in der Stadt sorgten, meinten gut 50 Prozent: Nein. 32,9 Prozent bekannten, dass der City-Service immerhin „ein wenig“ zu mehr Sicherheit beitrage. Die Bürger wünschen sich ganz eindeutig eine stärkere Präsenz der Polizei im Stadtbild: 559 Teilnehmer (77,3 Prozent) wünschten dies, nur 20,3 Prozent meinten, die Polizeipräsenz sei ausreichend.

Wasserschutzpolizei auf dem Kanal um 1960

Wasserschutzpolizei auf dem Kanal um 1960

Wasserschutzpolizei

Bei der Wachdienstgruppe Dorsten kümmern sich sieben Polizisten bzw. Polizistinnen um den Bereich des Wesel-Datteln-Kanals von Friedrichsfeld bis Ahsen. Für ihre Arbeit nutzen die Beamten die „WSP 19“.

Vom Froschgrün zum Himmelblau

In Dorsten war der erste blaue Wagen der Polizei am 16. April 2009 im Einsatz. Ab Juli 2012 gilt für die Polizei im Kreis Recklinghausen eine neue Kleiderordnung. Weg vom Grün und Beige und hin zum dunklen und hellen Blau. Neben einem modernen und an europäische Polizeiuniformen angeglichenen Design bietet die neue Uniform einen hohen Tragekomfort. Die Umstellung erfolgte in Nordrhein-Westfalen sukzessive, da alle uniformierten Polizeibeamtinnen und -beamten vermessen und die Uniformteile anschließend hergestellt und ausgeliefert werden mussten. Die Dorstener Wache ist zuständig für alle Einsätze im Stadtgebiet. Dagegen wird der Bezirks- und Schwerpunktdienst von der Wulfener Wache in der Marktalle Barkenberg geleitet.

Friedericke Zurhausen seit 2012 Polizeipräsidentin in Recklinghausen

Ab 1. September 2012 ist die 50-jährige Friedericke Zurhausen Polizeipräsidentin in Recklinghausen, die die Nachfolge von Dr. Katharina Giere antrat. Nach Abschluss ihres Referendariats trat Friederike Zurhausen 1992 in den NRW-Landesdienst ein. Sie begann ihre Laufbahn bei der Bezirksregierung Münster, wo sie unter anderem im Polizeidezernat tätig war. 1999 wechselte sie für zwei Jahre in die Staatskanzlei. Seit März 2001 arbeitete sie im Innenministerium, zunächst als stellvertretende Persönliche Referentin von Minister Dr. Fritz Behrens, anschließend als Referatsleiterin für Kabinett- und Parlamentsangelegenheiten. Hier war sie zuständig für die Vorbereitung der Innenministerkonferenzen mit dem Schwerpunkt auf Fragen der Inneren Sicherheit. Seit 2008 war Friederike Zurhausen Beauftragte für den Haushalt des Innenministeriums und damit auch für die Polizeifinanzen. Sie ist Mitglied im Kuratorium der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Leiter der Polizeiinspektion ist seit 2018 Bernd Vogel. Zur Polizeiinspektion 1 (West) des Polizeipräsidiums Recklinghausen gehören neben Dorsten auch die Städte Bottrop, Gladbeck, Marl und Haltern am See.

Leiter der Dorstener Wache ist seit Ende 2019 Frank Fiege

Leiter der Dorstener Wache war ab 2015 Polizeihauptkommissar Volker Karbowski, ein gebürtiger Dorstener. Ihm folgte Wolfgang Pluta. Nach dessen Pensionierung wurde Ende  2019 der gebürtige Dorstener Frank Fiege Leiter der Dorstener Wache. Der 53-jährige Erste Polizeihauptkommissar ist seit 1982 Polizeibeamter und arbeitete unter anderem zuletzt als Dienstgruppenleiter auf der Leitstelle in Recklinghausen. Neun Jahre war er zudem Zugführer in der Hundertschaft.

Berittene Polizeistreife; Foto: PP Recklinghausen

Seit Oktober 2016 im Kreis auch berittene Polizei auf Streife

Seit Oktober 2016 geht die Polizei im Polizeibezirk Recklinghausen auch mit Pferden auf Streife. Eine erste Bilanz Ende des Jahres fiel gut aus. Die Pferde kommen vor allem im Kampf gegen die gestiegenen Einbruchszahlen zum Einsatz. Und das komme bei vielen Bürgern gut an, sagt Polizeisprecher René Borghoff. Die Polizeipferde werden in allen Städten des Kreises eingesetzt. Sie stammen aus der Polizeireiterstaffel in Bochum.

Verfolgung von Sexualtätern, Hilfe für Opfer von Straftaten

Das Kriminalkommissariat (KK) 12 im Polizeipräsidium Recklinghausen ist als Fachdienststelle zuständig für die Bearbeitung von Sexualstraftaten. Die speziell fortgebildeten und erfahrenen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter sind mit der besonderen Situation von Opfern sexueller Gewalt vertraut. Heute gehört zu den selbstverständlichen Aufgaben der Polizei, sich auch um die Opfer von Straftaten und Unglücksfällen zu kümmern. Das Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz (KK PP/O) berät bei allen diesbezüglichen Fragen, insbesondere bei Gewalt gegen Frauen, Stalking, oder sexuellem Missbrauch. Bei einem Informationsgespräch können indiv8iduelle Bedürfnisse der Betroffenen erkannt und geeignete Hilfe oder Beratung angeboten werden.

Wegen steigendem Kindsmissbrauch Verlagerung der Polizeikräfte

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch hat die NRW-Polizei die Zahl der Ermittler mehr als verdoppelt. Dafür gibt es nun aber weniger Personal für die Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen und Straßenkriminalität. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte im Juni 2019 die Kreispolizeibehörden des Landes aufgefordert, die Stellen im Kampf gegen Kindesmissbrauch so schnell wie möglich zu verdoppeln. Das Personal dafür sollte intern gefunden werden, abgezogen aus anderen Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung. Reul erklärte die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie zum kriminalpolitischen Schwerpunkt der Polizei in NRW.  Schon drei Monate später zeigte eine Umfrage bei den Kreispolizeibehörden, dass die Zahl der Ermittler in dem Bereich von rund 105 auf 220 mehr als verdoppelt werden konnte. Darüber hinaus wurden beim Landeskriminalamt (LKA) 24 zusätzliche Stellen für Regierungsbeschäftigte zur Verstärkung der entsprechenden Abteilung eingestellt. Und die Maßnahme zeigt bereits Erfolge im Kampf gegen pädophile Täter: So konnte die Anzahl nicht vollstreckter Durchsuchungsbeschlüsse von 557 auf 428 verringert werden. Zur Bekämpfung der Kinderpornografie sind laut LKA spezielle Kenntnisse erforderlich. Daher wurden möglichst erfahrene Sachbearbeiter in diesem Deliktbereich eingesetzt.
Sexueller Missbrauch an Kindern ist nach Angaben des Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen und Jungen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer oder sprachlicher Unterlegenheit nicht zustimmen können. Jahrelang wurde das Thema in den Kreispolizeibehörden Nordrhein-Westfalens stiefmütterlich behandelt. Erst durch den massenhaften Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz in Lügde änderte sich die Einschätzung. Nach Angaben des Innenministeriums gab es 2016 insgesamt 1025 solcher Verfahren; im Jahr 2017 waren es 1250 und im vergangenen Jahr 1412.

Vermisstenfälle: 21 Personen seit Jahren spurlos verschwunden

Im Kreis Recklinghausen gibt es nach wie vor viele ungeklärte Vermisstenfälle. Mit Strand vom September 2016 waren 21 Personen seit Jahren spurlos verschwunden, wie die Polizei Radio West mitteilte. Einer der bekanntesten Fälle ist das Drama um Annette Lindemann. Sie war vor sechs Jahren verschwunden. Ihr Auto wurde ausgebrannt in Mal gefunden. Die Polizei ist sich sicher, dass sie von ihrem Ehemann getötet wurde. Von ihrer Leiche fehlt aber bis heute jede Spur. Gleiches gilt für den geistig behinderten Pierre Pahlke aus Gladbeck. Er ist seit drei Jahren verschwunden. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei entführt worden. Ebenfalls wie vom Erdboden verschluckt ist ein demenzkranker Mann, der vor zwölf Jahren in einen Bus gestiegen war. Seitdem ist er weg. Die Polizei im Kreis bekommt jedes Jahr 1.300 Vermisstenfälle gemeldet: Die meisten Menschen tauchen allerdings innerhalb weniger Tage wieder auf (Stand März 2017).

Die Suche nach Polizisten wird in NRW immer schwieriger

Für das Einstellungsjahr 2018 haben sich bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen  11.246 Kandidaten für eine Ausbildung beworben. Davon wurden 2300 genommen, darunter 864 Frauen und 1416 Männer. In persönlichen Gesprächen mit den Bewerbern stellte sich bei manchen heraus, dass sie charakterlich nicht geeignet waren für die Polizeiarbeit, so dass man mit Ach und Krach die 2300 für die Ausbildung zusammenbekommen hat, so ein Insider gegenüber der Deutschen Presseagentur. Dem Bericht zufolge wurden bei 198 Bewerbern charakterliche Mängel festgestellt. Bei den Kandidaten soll angeblich auch darauf geachtet werden, dass sie keine Verbindungen zu kriminellen Familienclans haben. „Wir wissen, dass die Clans das versuchen“, erklärt der Insider. Beim LAFP wollte man sich nicht konkret zu Clans äußern, betonte aber, dass die Bewerber genau durchleuchtet werden. Dass aber von den 11.246 bereits viele nicht die einfachsten Anforderungen erfüllt haben, hört man eher selten. Allein 1143 Bewerber schieden aus, weil sie keine Unterlagen eingereicht haben – immerhin rund zehn Prozent. Besonders erschreckend: Gegen 5,5 Prozent der Gesamtbewerber, also rund 620, lagen Ermittlungsverfahren bei der Polizei vor. Das geht aus dem Jahresbericht 2018 des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) zur polizeilichen Einstellungskampagne hervor. Durch den ersten Test fielen dann weitere 1628, 258 bestanden den zweiten Test am Computer nicht. 1424 sortierte der Polizeiarzt anhand der Aktenlage aus: 86 Frauen waren kleiner als die in NRW geforderte Mindestgröße von 1,63 Meter. Bei der ärztlichen Untersuchung erfüllten weitere 737 die Anforderungen nicht. Die übrigen wurden ins Assessment-Center geladen, wo dann weitere 592 aussortiert werden mussten. Dem Bericht des LAFP zufolge ist der durchschnittliche NRW-Polizeischüler (Foto) des 2018er-Jahrgangs zwischen 18 und 23 Jahre alt und hat sich vor allem bei den Ausbildungszentren im Ruhrgebiet und Rheinland beworben. So entfallen 262 der 2300 Polizeischüler auf Dortmund, 235 auf Duisburg und 283 auf Gelsenkirchen. Rund 80 Prozent haben Abitur, knapp 20 Prozent die Fachhochschulreife. Knapp 1000 Bewerbungen gingen auch aus anderen Bundesländern ein.

NRW-Polizei beschlagnahme mehr Geld der organisierten Kriminalität

Die Polizei hat in Nordrhein-Westfalen im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) 2018 fast fünf Mal mehr Geld beschlagnahmt. Das sichergestellte kriminelle Vermögen stieg von 4,6 auf 21,7 Millionen Euro. Hintergrund waren unter anderem die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gegen Spielhallenbetreiber, bei denen alleine 10,2 Millionen Euro abgeschöpft wurden. Diese Zahlen hat das Landeskriminalamt 2019 in seinem neuen Lagebild „Organisierte Kriminalität“ veröffentlicht. Wie aus dem Papier hervor geht, nahmen die Zahlen der „OK“-Verfahren (77) und Tatverdächtigen (1222) im Vergleich zu 2017 ab. Der registrierte kriminelle Profit nahm allerdings gewaltig zu: Von 26,5 Millionen Euro in 2017 versiebenfachte er sich auf 188,5 Millionen Euro in 2018. Der Sprung wurde vor allem durch ein Verfahren verursacht: das Auffliegen einer Kokainschmuggelroute der italienischen Mafia. Sie soll für 120 Millionen Euro Kokain über NRW nach Großbritannien gebracht haben. In fast allen Verfahren setzte die Polizei laut LKA speziell ausgebildete Finanzermittler ein, um „illegal erlangte Vermögenswerte aufzuspüren und Geldwäschehandlungen zu erkennen.“ In 1136 Fällen wurden Telefone abgehört. In neun Verfahren kamen verdeckte Ermittler zum Einsatz. Bei Auseinandersetzungen in der Rocker-Szene seien 2018 eine Reihe von versuchten Tötungsverbrechen begangen worden. Im Visier der „OK“-Ermittler: Clans, Mitglieder der italienischen Mafia, Rocker und albanische Tätergruppen, aber auch lettische und litauische Autoschieberbanden (dpa).

Siehe auch: Polizeiaktion “Gegenwind”
Siehe auch: Polizeiwesen I
Siehe auch: Polizeiwesen III (Essay)
Siehe auch: Polizei / Bürgerbeschwerden 2016
Siehe auch: Polizeiarbeit vor 200 Jahren
Siehe auch: Wasserschutzpolizei
Siehe auch: Polizei-Sondereinsatzkommando
Siehe auch: Polizisten (Artikel-Übersicht)


Quellen:
Wolf Stegemann in „Dorsten nach dem Hakenkreuz“, Bd. 4, 1986. – Wulfen-Wiki Christian Gruber. – „Brunn’sche Chronik der Herrlichkeit Lembeck bis 1880“, hg. vom Heimatverein Wulfen, 1988. – Ludger Böhne „Zehn Prozent weniger Polizei“ in WAZ vom 23. Oktober 2009.

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