Pest

Bei Ausbruch der Seuche wurden die Stadttore geschlossen

Pesthaus in Dorsten; entn. Paul Fiege "Dorsten in alten Bildern"

Pesthaus in Dorsten; entnommen Paul Fiege “Dorsten in alten Bildern”

Vermutlich zurückkehrende Kreuzfahrer schleppten den Bazillus der Pest ein, der erst 1894 zeitgleich in der Schweiz und in Japan entdeckt wurde. Überträger ist der Rattenfloh, der unter den hygienischen Bedingungen des Mittelalters sich weit verbreiten konnte. Um seinen Stich bildeten sich auf der Haut schwarze Flecken. Über das Lymphsystem wurde der Bazillus in die Lymphknoten transportiert, wo er sich vermehrte, Kolonien bildete und „Pestbeulen“ entstehen ließ. Wenn sie nach innen aufplatzten, war der Weg des Erregers in die Blutbahn frei und der Tod des Kranken fast sicher. Historiker schätzen, dass etwa 75 Prozent der Infizierten starben. Noch gnadenloser, schneller und sicherer als die Beulenpest tötete die Lungenpest, deren Erreger über den Floh und an der Barriere der Lymphknoten vorbei, durch Tröpfchenübertragung direkt in die Atemwege und Lungen in den Menschen eindrang. Nach Bluthusten war der Patient innerhalb von drei Tagen erstickt.

Die Pest entvölkerte ganze Dörfer, Städte und Landstriche

Pest reitet durch die Gassen der Stadt

Pest reitet durch die Gassen, Gemälde von Arnold Böcklin 1898

1347 bis 1351 tötete die Pest in Mittel- und Westeuropa jeden Dritten der 3,5 Mio. Einwohner. Mancherorts standen ganze Dörfer und Weiler leer, Städte halbleer. Da man die Juden als Urheber der Epidemie verdächtigte, wurde rund Eindrittel der jüdischen Bevölkerung getötet und mehr als 100 jüdische Gemeinden durch Pogrome ausgelöscht, darunter vermutlich auch die frühere Dorstener Gemeinde (siehe Jüdische Gemeinde). Weil Juden durch ihr Glaubensritual sich regelmäßig mit frischem Wasser reinigten, waren sie auf Grund dieser Körperhygiene für die Pestinfizierungen nicht so anfällig wie die Christen, die damals wenig Sinn für Körperhygiene hatten. Zudem verdächtigte man die Juden, die Brunnen vergiftet zu haben und zwang sie, das (saubere) Brunnenwasser zu trinken, während die anderen aus Angst vor dem angeblichen Brunnengift das verseuchte Flusswasser tranken. Wie sich die Pest von 1347 in Dorsten auswirkte, ist nicht bekannt. Überhaupt sind deutschlandweit die Informationen über Verläufe der Pestepidemien auf dem Land sehr spärlich. Aufgrund der auch in Dorsten grassierenden Pest im Jahre 1350 wurde danach die Liebfrauenbruderschaft gegründet, die bis zum Zweiten Weltkrieg bestand.

Hygienisch unzureichende Zustände

Auch im Jahre 1566 brach in Dorsten die Pest aus und verursachte unter der Bevölkerung große Panik. Die Tore wurden geschlossen und Kranke zum Siechenhaus ausgelagert. Nachdem der dortige geistliche Stelleninhaber sein Amt aufgegeben hatte, weil er Protestant wurde, versorgte Agatha-Pfarrer Clamor Middendorp als Seelsorger die Pestkranken mit den Sakramenten. Weitere Pestepidemien brachen 1587, 1589 und 1599 aus und fielen mit der Einquartierung fremder Truppen und Verletzter unter hygienisch unzureichenden Zuständen zusammen. Auch in den Notzeiten des Dreißigjährigen Krieges waren Pestkranke zu verzeichnen, wenngleich in Dorsten keine Epidemie ausbrach. Allerdings hatte die Pest 1618 alle Bewohner des Hofes Middeldorp in der Bauerschaft Leveringshausen, Kirchspiel Waltrop, gänzlich dahingerafft. – Das Dorstener Pesthaus stand an der Ecke Westgraben/Im Kühl und wurde in den Renteibüchern der Stadt 1526 und 1667 erwähnt. 1843 wurde das Haus Vorläufer des Elisabeth-Krankenhauses. Die dort pflegenden Frauen traten später in den Orden der Franziskanerinnen ein.

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