Mercaden III

Nach zwei Jahren ist das Center in einer existenzbedrohenden Krise

Mercaden am Lippetor – wie lange wird es noch bestehen? Foto: Wolf Stegemann

Von Helmut Frenzel. – Es kam wie zu erwarten war. Mit dem Jahreswechsel 2017/18 und dem Beginn der traditionell umsatzschwachen Monate schlossen mehrere Betriebe im Mercaden. Zu schlecht liefen die Geschäfte – da ist dann irgendwann einmal Schluss. Es traf insbesondere das Erdgeschoss mit seinen „Garagenläden“. Die verlassenen Ladenlokale gesellen sich zu den schon vorhandenen Leerständen hinzu und vermitteln insgesamt das hässliche Bild des Misserfolgs. Der Projektentwickler Herbert Krämer, der nach der Eröffnung im März 2016 auch das Center Management übernommen hatte, wurde im Dezember kurzerhand geschasst. Der Investor traute ihm nicht mehr zu, die negative Entwicklung zu drehen. Investor ist die OFB Projektentwicklung GmbH, eine Tochtergesellschaft der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Sie hat die Finanzierung für das Centerprojekt bereitgestellt und als Geldgeberin das letzte Wort. Die schlechte Lage zwang zum Handeln und so beauftragte sie die Koprian iQ Management GmbH mit der Lösung des Problems. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf das Management von Einkaufszentren und auf Revitalisierung. Koprian iQ soll nun schaffen, was Herbert Krämer nicht fertiggebracht hat: das Mercaden auf Erfolgskurs bringen.

Centerkonzept des Herbert Krämer früh gescheitert

Das ist unter den gegebenen Umständen so etwas wie ein Himmelfahrtskommando. Die aktuelle Krise rückt zwar den Misserfolg des Mercaden jetzt in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Gescheitert ist das Projekt aber schon vor seiner Eröffnung. Dazu ein Rückblick. Im Herbst 2015, ein halbes Jahr vor der Eröffnung, wunderten sich Beobachter über einen mehrwöchigen Stillstand der Bauarbeiten. Das war offenbar die Phase, in der die OFB und Herbert Krämer sich eingestehen mussten, dass sie große Anteile der Verkaufsflächen im neuen Einkaufscenter nicht vermietet bekommen.

Tristesse im Erdgeschoss; Foto: Helmut Frenzel

Es ist der Zeitpunkt, an dem das Centerkonzept des Herbert Krämer als gescheitert eingestuft werden musste. Die renommierten Bekleidungsfilialisten zeigten kein Interesse. Dieses Echo war auch ein Urteil des „Marktes“ über die Erfolgsaussichten des Projekts. Als Konsequenz wurde daraufhin der Ausbau des Erdgeschosses zu einer attraktiven Ladenzeile aufgegeben. Noch immer führt die OFB auf ihrer Internetseite das Mercaden mit dem Status „im Bau“ – bis heute, zwei Jahre nach der Eröffnung.

Notlösung mit den „Garagenläden“ führt in die Sackgasse

Gescheitert hin oder her – es gab ja für einen Teil der Verkaufsflächen Mietverträge. Das Center musste eröffnet werden, so oder so. Also machte sich Herbert Krämer auf die Suche nach Mietern, koste es was es wolle, und nahm was er kriegen konnte. Da die großen Handelsketten mit ihren Raumansprüchen nicht zur Verfügung standen, stückelte er die Verkaufsfläche im Erdgeschoss in eine zweistellige Anzahl von kleinen Geschäftslokalen und fand dafür auch Mieter. Die Geschäftsräume sind auf dem denkbar niedrigsten Ausstattungsniveau gestaltet, in letzter Minute zusammengeschustert. Vom gehobenen Standard, den große Einkaufscenter üblicherweise vorweisen, keine Spur. Am Ende fehlte wohl auch das Geld. Immerhin gelang es Herbert Krämer, die Flächen bis zur Eröffnung weitgehend zu füllen. In diese Phase fallen auch die Berichte, Herbert Krämer ziehe durch die Altstadt und versuche, Einzelhändler zum Umzug in das Mercaden zu bewegen, was in Einzelfällen auch gelang. Mit dem so entstandenen Sammelsurium an Geschäften wurde das Mercaden am 3. März 2016 eröffnet. Aber es war kein geplanter Angebotsmix, sondern eine Notlösung. Der Preis für dieses Vorgehen war hoch. Von Beginn an war die „Eigenattraktivität“ des Centers gering – zu gering. Das Einkaufscenter „funktionierte“ nicht. Dazu trug bei, dass zur Eröffnung die Flächen, die inzwischen von TKmaxx und Deichmann belegt sind, leer standen.

Rettungsversuch wird teuer

Vorfreude von 2012 inzwischen vergangen

Jetzt, zwei Jahre nach der Eröffnung, ist die Notlösung mit den „Garagenbetrieben“ im Erdgeschoss implodiert. Die Ansiedlung von TKmaxx, einem Bekleidungsdiscounter, hat zu einer schwerpunktmäßigen Verlagerung des Besucherstroms in das Obergeschoss geführt und den Betrieben im Erdgeschoss endgültig die Luft abgedreht. Herbert Krämer hinterlässt einen Scherbenhaufen. Nun soll es Koprian iQ richten. Welche Optionen hat das Unternehmen für einen Rettungsversuch? Klar dürfte sein, dass man für die verlassenen Geschäftslokale im jetzigen Zuschnitt keine neuen Mieter finden wird. Zu sehr wirkt der Misserfolg der bisherigen Mieter als Abschreckung. Die einzige Lösung besteht darin, überhaupt erst einmal die Vermietbarkeit der Flächen herzustellen durch eine komplette Neugestaltung des Erdgeschosses auf einem entsprechenden Niveau – mit anderen Worten: nachholen, was 2015 unterlassen wurde, und das Center fertigbauen. Dazu wird die OFB noch einmal Geld in die Hand nehmen müssen und da wird es nicht mit Kleingeld getan sein. Aber auch das ist keine Garantie für künftigen Erfolg. Die alles entscheidende Frage lautet: werden sich für die dann neugestalteten Flächen Mieter finden? Die Antwort hängt nicht nur von der Fertigstellung und Neugestaltung des Erdgeschosses ab, sondern auch und vor allem davon, ob die in Frage kommenden Handelsunternehmen die Kaufkraft im Einzugsgebiet für ausreichend halten, um eine langfristige vertragliche Bindung einzugehen. Herbert Krämer hatte etliche Jahre Zeit, solche Interessenten zu finden und von einem Engagement zu überzeugen und ist damit gescheitert. Koprian iQ will sich mehrere Monate Zeit nehmen, um die Lage zu analysieren, und dann einen Vorschlag präsentieren. Man darf gespannt sein, wie das Konzept für einen Rettungsversuch aussieht.

Siehe auch: Mercaden I
Siehe auch: Mercaden II


Entnommen: Online-Magazin „Dorsten-transparent“, 1. März 2018

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone