Klein, Ludwig

Ein bescheidener Mensch und ein fast vergessener Architekt

Agatha-Wiederaufbau-Entwurf von Ludwig Klein

Entwurfszeichnung Ludwig Kleins zum Wiederaufbau der Agathakirche mit drei Türmen

1905 in Düsseldorf bis 1974 in Dorsten; Architekt und Maler. – Er gehört zu den beinahe vergessenen Dorstener Bürgern, die einst öffentlich tätig waren. Manfred Ludes versuchte, den Maler und Architekten Ludwig Klein mit persönlich gehaltenen Erinnerungen an ihn im Heimatkalender 2008 aus der Vergessenheit zu holen. Etliche Gebäude in Dorsten tragen seine Handschrift.

Dazu Manfred Ludes: „Ich sehe ihn noch in seiner typischen, etwas schlaksigen Art auf mich zukommen. Immer mit einem herzlichen Lächeln, oft die Zigarette im Mund, mit wachen Augen, in denen der Schalk hockte, immer bereit zu einem fröhlichen Scherz, zu ernstem Gespräch und helfender Tat. […] Ellenbogen, Zwietracht und Intrigen waren ihm fremd.“
Ludwig Klein studierte an der Akademie in Düsseldorf und an der Folkwangschule Essen, machte 1926 an der Höheren Technischen Lehranstalt das Abschlussexamen und arbeitete anschließend als Architekt und Maler, zuletzt als Entwurfsarchitekt beim Hochbauamt der Amtsverwaltung Hervest-Dorsten. Im Krieg war er zur Ostfront eingezogen. Im Laufe der Jahre hatte er zahlreiche Ausstellungen in verschiedenen Städten und nahm an der Ausstellung „Jung Westfalen“ des Westfälischen KUnstvereins teil. Für den Wettbewrb über bauliche Schönheiten des Kreises Warendorf ergielt er 1950 den 1. Preis. Während seiner Dorstener Tätigkeit nach dem Kriege war Ludwig Klein maßgeblich an der baulichen Entwicklung der Gemeinden beteiligt. 1970 wurde er pensioniert und starb 1974 plötzlich und unerwartet mitten in den Vorbereitungen für eine Ausstellung in Dorsten.

Drei Kirchtürme an St. Agatha scheiterten letztlich am Geld

Vor allem in den Nachkriegsjahren war der stets bescheiden auftretenden Ludwig Klein in der Stadt tätig. Nach einer schweren Krankheit hatte er die Begeisterung für die Malerei wieder entdeckt. Er entwarf Gebäude, die nach der Kriegszerstörung wieder errichtet werden sollten, darunter die St. Agathakirche. Bekannt ist seine Zeichnung, in der er die Stadtkirche mit drei Türmen entwarf. Kostengründe verhinderten dann die Ausführung. Von ihm stammt u. a. der Entwurf, nach dem das Eingangstor zum Friedhof in Hervest-Dorsten geschmiedet wurde und die Astrid-Lindgren-Schule an der Marler Straße bezeugt sein entwerferisches Talent. Ob Rötel, Kohle, Aquarell, Öl oder Bleistift, Ludwig Klein verstand es, in seinen Bildern hinter die Dinge zu schauen. Mit sparsamen Strichen, mit Licht und Schatten fing er Räume ein und machte Bauwerke lebendig. Im Jahre 1975 widmete ihm der Dorstener Kunstverein eine Ausstellung.


Siehe auch:
Künstler, bildende


Quelle:
Manfred Ludes: „Ludwig Klein – Architekt und Maler“ in HK 2008.

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