Kirchenpatrone

Namensgeber der Gotteshäuser in Dorsten und in der früheren Herrlichkeit

Mit der Benennung der katholischen Kirchen stellten sich viele Gemeinden unter den Schutz von Heiligen, Märtyrern und Nothelfern, andere wiederum bekannten sich zu kirchlicher Symbolik. Die meisten der früher selbstständigen Herrlichkeitsdörfer gehören heute als Stadtteile zu Dorsten.

Hl. Agatha

Heilige Agatha, Gemälde von Caravaggio

St. Agathakirche Stadt: Ursprünglich war die Stadtpfarrkirche von Dorsten St. Johannes und St. Nikolaus geweiht. Aber bereits in einer Urkunde von 1359 heißt es, dass die Patrone der Pfarrkirche Johannes der Täufer und die Jungfrau Agatha seien. Offensichtlich hatten die Dorstener wegen der vielen Brände in der Stadt ihre Zuflucht zu St. Agatha gesucht. Danach und nach den großen Bränden von 1704, 1706 und 1761 entstanden der besondere Agatha-Kult und die Feiern der Agatha-Andachten in der Pfarrkirche. – Agatha, griechisch „Die Gute“, war eine sizilianische Märtyrerin und starb in der Zeit des Decius zwischen 249 und 251; ihr Tag ist der 5. Februar.

St. Johanneskirche: Mitte der 1950er Jahre im Stadtfeld erbaut. – Johannes der Täufer war Bußprediger, Sohn des Priesters Zacharias, trat um das Jahr 28 erstmals öffentlich auf und rief angesichts des nahe bevorstehenden Reiches Gottes zur „Umkehr“ (Buße) auf. Er taufte als Zeichen der Sündenvergebung; wird im NT als Vorläufer Jesu dargestellt, den er taufte. Johannes wurde nach Mk 6, 17-29 auf Wunsch von Herodes Antipas’ Frau Herodias und deren Tochter Salome enthauptet; sein Tag ist der 24. Juni

St. Nikolauskirche Hardt: Erbaut 1964 im Stadtteil Hardt. – Nikolaus war Bischof von Myra (Klein Asien) und starb mit 65 Jahren am 2. Dezember 345 oder 351. In Nicäa nahm er 325 am Konzil teil. Um seine Gestalt ranken sich viele Legenden. In der katholischen Kirche ist er einer der am meisten verehrten Heiligen und Schutzpatron zahlreicher Berufsgruppen wie Bäcker, Bauern, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Kaufleute; sein Tag ist der 6. Dezember (Nikolaustag).

Hl. Laurentius

Heiliger Laurentius

St. Laurentiuskirche in Lembeck: Die Pfarrei „Lembecke“ ist wohl die älteste in der Herrlichkeit, hatte die größte Ausdehnung durch die Standesherrschaft auf Schloss Lembeck und somit auch die größte Bedeutung. Die Benennung nach dem Heiligen Laurentius weist überdies auf das hohe Alter der Pfarrei hin. Von jeher stand dieser Kirchenpatron in hohem Ansehen. Der Bischof selbst hatte hier als Inhaber des Besitzrechts das Recht, den Kirchenpatron zu bestimmen. Er mag ihn zum einen wegen der großen Bedeutung des Heiligen gewählt haben und zum anderen auch wegen der Nähe zu der St. Sixtuskirche in Haltern. Sixtus stand in enger Beziehung zu Laurentius, der Sixtus’ Diakon war, und dem er unmittelbar vor seinem Tod das Martyrium vorhergesagt hatte: „Nach drei Tagen wirst du mir folgen im Martertod, dem Priester der Bischof.“ – Laurentius war Diakon in Rom und Märtyrer. Er starb im Jahr 258 nach der Legende auf einem glühenden Rost. Er ist Patron der mit Feuer beschäftigten Berufe (z. B. Feuerwehrleute), der Bibliothekare und Verwalter; sein Tag ist der 10. August.

St. Paulus in Hervest: Der Gründung der Pfarrei Lembeck folgte die von „Hervorste“. Der hl. Ludgerus, Gründer der Pfarrei Hervest, verlieh der Kirche den Namen des Schutzheiligen Paulus, dem er auch seine Kathedrale in Münster anvertraute. Jahrhundertelang war die Kirche in Hervest die einzige Pauluskirche in der Diözese und feiert als Patronsfest den Gedenktag „Pauli Bekehrung“. – Paulus, jüdischer Name Saul, war christlicher Missionar („Apostel der Heiden“) und Theologe. Er ist Anfang des 1. Jahrhunderts in Tarsus geboren und im Jahr 60 oder 62 in Rom gestorben. Ob er Märtyrer gewesen ist, steht nicht fest. Er entstammte einer strengen jüdischen Familie, besaß das römische Bürgerrecht, war hellenistisch gebildet und hatte eine pharisäisch-theologische Ausbildung. Von Beruf war er Zeltmacher. Vor Damaskus erlebte er im Jahr 30 eine Christusvision, die er als seine persönliche Berufung auffasste. In der Folge begründete er die christliche Heidenmission in Antiochia und legte den Grund für die christliche Mission im römischen Reich. In Jerusalem wurde er 57/58 verhaftet und als römischer Bürger nach Rom überstellt, wo er vermutlich unter Nero den Märtyrertod starb. Seine Kennzeichen sind das Buch und das Schwert; sein Tag ist der 29. Juni (zusammen mit Petrus); „Pauli Bekehrung“ ist am 25. Januar,

Evangelist Matthäus, Gemälde von Tizian

Evangelist Matthäus, Gemälde von Tizian

St. Matthäus in Wulfen: Patron der Kirche ist der Evangelist Matthäus. Apostelkirchen sind immer ein Zeichen dafür, dass man es mit einer alten Gründung zu tun hat. Es gibt zwei Erklärungsvarianten, wie der Name zur Wulfener Kirche kam: Der Vogt des Klosters zu Kappenberg, Graf von Altena, war zugleich auch Vogt der Abtei Werden. Diese besaß in Wulfen viele Güter, so dass der Vogt häufig in Wulfen zu tun hatte. Seine Schlosskirche war dem Matthäus geweiht. So könnte es sein, dass der Vogt Einfluss auf die Namensgebung ausübte. Eine andere Erklärung weist auf Pilgerreisen hin, welche die Ritter jener Zeit nach Rom führten. Im 12. Jahrhundert holte Papst Gregor VII. den Leichnam des hl. Matthäus nach Salerno und ließ ihn feierlich beisetzen. Damals versäumte es kein Pilger, an jenem Grab in Salerno zu beten. So könnte es sein, dass ein Ritter aus dem Hause Hervorste den Namen des Apostels mit nach Wulfen brachte. – Matthäus ist einer der zwölf Apostel Jesu, Zöllner, und wird in der kirchlichen Tradition mit Levi identifiziert. Er gilt als „Verfasser“ des Matthäusevangeliums, das allerdings erst zwischen 70 und 90 in Syrien von einem hellenistischen Judenchristen unter Hinzuziehung von hebräischen und aramäischen Quellen verfasst wurde. Matthäus wirkte nach der Legende in Äthiopien, Parthien (Kaspische Meer) und Persien, wo er den Märtyrertod erlitt. Er ist Schutzpatron der Finanz-, Steuer- und Zollbeamten; sein Tag ist der 21. September.

Antonius von Padua

Heiliger Antonius von Padua

Antoniuskirchen in Holsterhausen: Die Kirche war eine Filiale von Hervest. In der Urkunde von 1443, als sich Holsterhausen von der Mutterpfarrei abpfarrte (ein Begriff im Kirchenjargon, der nicht im Duden steht), ist kein Patron genannt. Das ist unüblich. Pfarrer Vissing aus Hervest meinte in seinem Beitrag im HK von 1931, dass es bei der Trennung eine Auseinandersetzung gegeben haben musste, und sich Holsterhausen durch Nichtbenennung in der Urkunde den Patron der seit langem bestehenden Friedhofskapelle wählen wollte, nämlich den hl. Antonius Abbas, der als großer Wundertäter galt. So kam es auch. – Antonius wurde 1195 in Lissabon geboren und starb am 13. Juni 1231 bei Padua. Der Kirchenlehrer war Franziskaner und ist Schutzheiliger der Ehe, Bäcker, Bergleute, Pferde und verlorener Sachen; sein Tag ist er 13. Juni

St. Urbanus in Rhade: Die Rhader Kirche ist verhältnismäßig jung, doch besiedelt ist das Gebiet schon von alters her. Bischof Otto I. von Münster schenkte seinem Domkapitel 1124 einen Zehnten zu „Rothe“ in der Gemeinde Lembeck. Die Kirchengemeinde ist erst um 1460 entstanden, als Urban V. Papst war. Ihm zu Ehren wurde sein Namenspatron, der hl. Märtyrer Urban I., zum Kirchenpatron gewählt. Der Name wurde beibehalten, als 250 Jahre später Rhade zur Pfarrei erhoben wurde. – Urban I. war Papst und gebürtiger Römer und starb am 19. oder 25. Mai 230 in Rom. Bestattet ist er vermutlich in den Katakomben. Er gab die Anordnung heraus, dass künftig alle Abendmahlskelche aus reinem Silber oder reinem Gold zu bestehen hatten. In seiner Amtszeit als Bischof gab es eine Kirchenspaltung (Gegenpapst Hippolyt).

Hl. Silvester

Hleiliger Silvester

St. Silvester in Raesfeld-Erle: Merowingische Gräber weisen auf eine frühe Besiedlung des Raumes hin. Vermutet wird, dass das Erler Gebiet schon christianisiert wurde, bevor Ludgerus von der Lippe her in das Gebiet der Herrlichkeit Lembeck kam. Die in Erle entstandene Kirche wurde dem Papst Sylvester geweiht. Das Pontifikat dieses Papstes war für die Kirche jener Zeit bedeutsam (erstes Konzil von Nicäa). Sein Name erfuhr in den folgenden Jahrhunderten größte Verehrung. In der Region Borken fällt auf, dass etliche Kirchen in der Nähe zu Borken Kirchenpatrone haben, die keine Märtyrer waren, wie St. Martin in Raesfeld, St. Walburga in Ramsdorf, St. Ludgerus in Weseke, St. Gordula in Rhede, St. Ottgerus in Stadtlohn. Alle diese Kirchen standen in Beziehung zur Borkener Kirche. – Silvester I. war Papst von 314 bis 335 in Rom und starb am 31. Dezember 335. Er taufte den römischen Kaiser Konstantin den Großen und heilte den Kaiser vom Aussatz. Das bis dahin verfolgte Christentum wurde dadurch Staatsreligion. Durch die in diesem Zusammenhang stehende Legende bzw. Fälschung der so genannten Konstantinischen Schenkung übertrug der Kaiser aus Dankbarkeit dem Papst weitgehende Rechte und Vollmachten; sein Tag ist der 31. Dezember (Silvestertag).

St. Marien in Hervest: Die Pfarrgemeinde S. Marien ist die erste Neugründung im 20. Jahrhundert, dem Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung des Stadtteils. Aus Wertschätzung der marianischen Bruderschaft (bereits 1467 als lange bestehende Einrichtung erwähnt) wurde der Kirche der Name St. Marien gegeben. – Maria war die Mutter Jesu und Frau von Joseph; in der feministischen Theologie ist sie ein angenommenes Symbol für die individuelle wie gesellschaftliche Befreiung der Menschen; ihr Trag ist der 12. September.

St. Josef in Hervest: Bei der Abspaltung einer weiteren Kirche in der Bergbaugemeinde Hervest lag es nahe, diese Kirche dem Mann von Maria, Josef, anzuvertrauen, zumal Josef mit seiner Hände Arbeit sein Brot verdienen musste. Für die rastlos arbeitenden Bergleute sollte Josef ein passendes Vorbild sein. Zu einer weiteren Kirchengründung in Hervest kam es nicht mehr. Dieser wäre der Name „St. Peter“ zugedacht gewesen. – Josef ist im NT der Mann Marias, der Mutter Jesu; nach Mt. 13, 55 war er Zimmermann in Nazareth. Er gilt als Patron der Arbeiter; sein Tag ist der 19. März (auch 1. Mai).

Hl. Bonifatius

Heiliger Bonifatius

St. Bonifatius in Holsterhausen: Wie Hervest wuchs durch Bergbau und Industrie auch die Gemeinde Holsterhausen, so dass eine zweite Kirche notwendig wurde. Da keine Kirche auch in der weiteren Umgebung St. Bonifatius zum Namenspatron hatte, wählte man ihn zum Kirchenpatron für die neue Pfarrgemeinde. – Bonifatius, eigentlich Winfried, gilt als der „Apostel der Deutschen“. Er wurde 672/73 in Wessex/England geboren und am 5. Juni 754 bei Dokkum in Friesland erschlagen. Der angelsächsische Benediktinermönch predigte seit 716 das Christentum in Friesland, Hessen, Thüringen und Bayern. In Rom wurde er 722 zum Bischof geweiht; nach erfolgreicher Germanenmission und kirchlicher Aufbauarbeit ernannte ihn der Papst 732 zum Erzbischof und zum Legaten für Deutschland. Er gründete u. a. die Klöster Fritzlar, Tauberbischofsheim, Fulda und die Bistümer Salzburg, Freising, Passau, Regensburg, Erfurt, Würzburg und Eichstätt. 747 übernahm Bonifatius das Bistum Mainz. Sein Grab ist im Dom zu Fulda; sein tag ist der 5. Juni.

Herz-Jesu-Kirche in Deuten: Die anfängliche Rektoratskirche erhielt 1942 den Namen „Herz-Jesu“, weil in der Pfarrei seit den Zeiten Pastor Böckenhofs eine „Herz-Jesu-Bruderschaft“ bestand, und das Herz-Jesu-Fest von der Gemeinde als eines der höchsten Feiertage begangen wurde. – Herz-Jesu-Verehrung gilt in der katholischen Kirche als Ausdruck und Symbol der Liebe Jesu zu den Menschen und seines stellvertretenden Opfers; die Herz-Jesu-Verehrung hat ihre Wurzeln besonders in der Mystik des Mittelalters und breitete sich u. a. seit dem 19. Jahrhundert aus. Papst Pius IX. führte das Herz-Jesu-Fest ein, das am Freitag nach dem 2. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird.

Hl. Barbara

Heilige Barbara

St. Barbara in Wulfen-Barkenberg: Erbaut wurde die Kirche 1967. – Barbara heißt „Die Ausländerin“ (griech.-lat.). Sie lebte im heutigen Izmit (Türkei) und  wurde nach der Legende um 306 von ihrem Vater enthauptet; sie gilt als Märtyrerin und ist die Nothelferin bei Blitzgefahr, Patronin u. a. der Berg- und Bauleute; ihre Kennzeichen sind Turm, Kelch und Schwert.

St. Ludgerus in Altschermbeck: Mit der Pfarrei in Hervest gründete Bischof Ludgerus auch die Gemeinde in Altschermbeck. Die dortige Kirche wurde dem hl. Dionysius geweiht. Da sich der Ort stark vergrößerte, wurde alsbald Chor und  Turm angebaut. Danach wechselte die Kirche aus Verehrung für den Gründerbischof den Namen in St. Ludgerus und bewahrte das Andenken an den hl. Dionysius mit der Stiftung einer Vikarie, die seinen Namen trug. Im Laufe der Jahrhunderte ist die Vikarie verloren gegangen. – Ludgerus (auch Liudger, Ludger) war der erste Bischof von Münster; geboren um 742 bei Utrecht, gestorben am 23. März 809 in Billerbeck. Er wurde von Karl dem Großen mit der Missionierung der Friesen und Sachsen beauftragt. Ludgerus gründete u. a. das Kloster Werden (heute Essen); sein Tag ist der 23. März.


Siehe auch:
Kirchen, kath.

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