Haus Hall

Stiftung baut in Hervest ein Wohnhaus für 24 Geistigbehinderte

Kirchbaumeister Manfred Wrobel (r.) erläutert dem Stiftungsdirektor Dr. Thomas Bröcheler und Pfarrer M. Laage. wo das Haus gebaut wird; Foto: Endé Elschenbroich

M. Wrobel (r.) erläutert dem Stiftungsdirektor Dr. Bröcheler und Pfarrer M. Laage den Bauplatz; Foto: André Elschenbroich

Geplant wurde das Wohnheim in Hervest-Dorsten von der in Gescher ansässigen katholischen „Stiftung Haus Hall“ schon 2008, denn es mangelte in Dorsten an heimatnahen Betreuungsplätzen für erwachsene Menschen mit schweren geistigen Behinderungen. Im Mai 2014 fand Richtfest statt. Im Januar 2015 werden 24 Bewohner in das neue Gebäude an der Glück-Auf-Straße in Hervest-Dorsten einziehen können. Die Stadtverwaltung vermittelte die Bauherren aus Gescher an die Evangelische Kirche in Hervest. Zu ihr gehörte zwischen Gemeindesaal, Kreuzkirche, Bildungsstätte und dem altem Pfarrhaus noch eine Brachfläche in einer Größe von 2.400 Quadratmetern.

Bau und Einrichtung des Wohnheims kosten 2,1 Millionen Euro

Das Wohnheim mit gut 1.100 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche wurde vom Architekturbüro Roebrock aus Bocholt entworfen. Bau und Einrichtung sollen 2,1 Millionen Euro kosten, Zuschüsse dazu gewähren die Stiftung Mensch (250.000 Euro) und die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW (340.000 Euro). Es gibt eine eigene Hausleitung vor Ort. Unterstützt wird das Team durch Fachdienste vom Stammsitz Gescher.
Errichtet wurde an der Glückauf-Straße ein zweigeschossiger Bau mit einem leichten „Knick“ in der Mitte: Das ist der zentrale Eingangsbereich. In beiden Flügeln und auf beiden Etagen entstand jeweils eine Wohngruppe („Tischgemeinschaften“) mit sechs Einzelzimmern, Küche und Gemeinschaftsraum, zusammen also 24 Plätze, vollständig barrierefrei ausgebaut für Menschen mit geistiger oder schwerst mehrfacher Behinderung. Im Mai 2014 konnte Richtfest gefeiert und das Haus im Mai 2015 von 24 Behinderten bezogen werden. Die Dorstener Einrichtung erhielt den Namen „Haus Tisa“, benannt nach der verstorbenen Dorstener Ursuline und Künstlerin Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula). Die Bewohner im Alter zwischen 20 und 63 Jahren leben in vier betreuten Wohngemeinschaften. Gründungsleiterin ist Beate Schroff.

Heimatnahe Einrichtungen im Sinne von Dezentralisierung

Haus Hall ist ein ehemaliges Rittergut in Gescher (Westfalen). Seit der Gründung der Stiftung im Jahr 1855 bis etwa 1930 wurde verwahrlosten Knaben Betreuung, Wohnung und Arbeit vorwiegend in der Landwirtschaft geboten. Seit 1930 ist die Stiftung eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und für Senioren. Sie ist dem Caritasverband Münster als Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege angeschlossen. Die Firmenbezeichnung lautet: „Bischöfliche Stiftung Haus Hall – Einrichtungen für Menschen mit Behinderung“.

Die Stiftung bietet an verschiedenen Standorten im westlichen Münsterland 2.000 ambulante und stationäre Plätze für Menschen mit Behinderung in Wohnbereichen und Werkstätten, in Frühförder- und Beratungsstellen, in einer integrativen Kindertageseinrichtung, einer Förderschule für geistige Entwicklung und andere Familien unterstützende Dienste. Darüber hinaus sind der Stiftung Haus Hall stationäre Angebote der Altenhilfe angeschlossen. Am Hauptstandort in Gescher gibt es Freizeit- und Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Behinderung, ein Schwimmbad, eine Reithalle, eine Kirche und ein Friedhof. Auf dem privaten Stiftungsgelände der früheren Anstalt lebten bis in die 1980er-Jahre etwa 500 behinderte Menschen. 2013 leben in dezentralen stationären Wohnbereichen ca. 640 Menschen mit einer geistigen Behinderung. Seit den 1970er-Jahren wurden Außenwohngruppen in Familien ähnlichen Strukturen errichtet, um den Menschen mit Behinderung ein möglichst normales und gemeindenahes Leben zu ermöglichen. Im Sinne von Ambulantisierung und Dezentralisierung wurden weitere dezentrale Außenwohngruppen und Wohnstätten im westlichen Münsterland errichtet. In ambulant betreuten Wohnformen werden rund 160 Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung begleitet. Die Werkstätten für Menschen mit Behinderung an fünf Standorten wurden im Jahr 2005 in eine gemeinnützige Tochtergesellschaft ausgegliedert und als GmbH geführt. Dort arbeiten etwa. 1.050 Menschen mit geistiger Behinderung.

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