Goethe, Joh. Wolfgang von

Am Dorstener Markt trank er im „Wildeman“ für 28 Stüber Rotwein

Der Dichter reiste am 6. Dezember 1792 durch Dorsten. Er war auf der Rückreise von dem misslungenen Feldzug gegen die französische Revolutionsarmee in der „Champagne“, zu dem die deutschen Fürsten aufgerufen hatten, auch der Herzog von Weimar, der Goethe zur Teilnahme als „Feldpoet“ verpflichtet hatte.

Reiseausgabe, darunter Dorstener Postgeld, "Wein Rothen" und andere Ausgaben

Reiseausgabe, darunter Dorstener Postgeld, „Wein Rothen“ und andere Ausgaben

Goethe reiste von Düsseldorf nach Münster, traf in den Mittagsstunden des 6. Dezember in Dorsten ein, es war regnerisch und kalt. Während seine Kutsche geschmiert wurde, saß er in der Wirtschaft „Wildeman“ am Markt und trank für 28 Stüber Rotwein. Gegessen hat er nichts, vielleicht Mitgebrachtes. Denn erst in Dülmen gab Goethe fünf Silbergroschen für einen Schinken aus. Nachdem Goethes Diener die Bezahlung von Brücken- und Schmiergeld in Dorsten geregelt hatte, reiste der Dichter nach Münster weiter, das er spät in der Nacht erreichte (siehe Lippebrücke). Dort verbrachte er den Rest der Nacht sitzend im überfüllten „Hotel London“ und besuchte anderntags seine Freundin, die Fürstin Galizin. Er hielt sich mehrere Tage in Münster auf. Zur Erinnerung an diesen Aufenthalt setzte die katholische Kirche dem weltberühmten Kirchen-Gegner 1911 ein Denkmal. Es steht am ursprünglichen Eingangstor der Lambertikirche. Goethe steht unter den Aposteln – und ist von ihnen kaum zu unterscheiden. Ihm gegenüber ist auch Schiller zu erkennen.

Rechnungsbuch im Goethe-Schuiller-Literaturarchiv Weimar

Den Nachweis, dass Goethe tatsächlich in Dorsten war, was früher schon mehrmals veröffentlicht aber nie belegt wurde, fand der Kultur-Journalist Wolf Stegemann (Ruhr-Nachrichten) 1984 im Goethe-Schiller-Literaturarchiv in Weimar. Goethes Diener hatte auf den Reisen von Frankreich über Düsseldorf und Dorsten nach Münster ein Büchlein geführt, in das er alle Ausgaben eintrug, auch die in Dorsten. – Am 25. Juni 2000 enthüllte eine Gruppe Dorstener Bürger und Bürgerinnen, die sich „Goethe-Stammtisch“ nannte, am Dorstener Marktbrunnen eine Bronzetafel, die an den kurzen Aufenthalt des Geheimrats in Dorsten erinnert (siehe Goethe-Tafel).


Quelle:
Wolf Stegemann „Facetten der Stadtgeschichte sichtbar machen“ in „Goethe. 1792 in Dorsten“, Goethe-Stammtisch 2000.

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