Gedrath, Julius

Amtgerichtsrat in Dorsten und wiederentdeckter Literat aus Schermbeck

1904 in Schermbeck bis 1993 ebenda; Amtsgerichtsrat und Schriftsteller. – Als Autor ist er eine Wiederentdeckung, auf die der Schermbecker Helmut Scheffler 2015 in der „Dorstener Zeitung“ hinwies und an das literarisch-humorvolle Schaffen des Amtsrichters erinnerte. Scheffler machte sich in den 1980er-Jahren bereits auf die „Wiederentdeckung“ Schermbecker Dichters Gustav Sack verdient.
Julius Gedrath wurde 1904 in Schermbeck geboren und entstammte einer westfälischen Familie, die nach Schermbeck zuzog. Sein Vater war Direktor der damaligen „Schermbecker Thon & Falzziegelei AG“. Nach dem Abitur in Bielefeld absolvierte Julius Gedrath  eine Banklehre in Wesel, studierte Jura  in Münster und Marburg und bestand am Oberlandesgericht Hamm 1933 das erste juristische Examen und 1937 in Düsseldorf das Assessoren-Examen. Danach arbeitete er bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, beim Landgericht Düsseldorf, dem Arbeitsgericht Duisburg-Hamborn und in Dinslaken. 1940 bis 1945 war er Soldat und kehrte nach Entlassung aus der Gefangenschaft 1946 nach Schermbeck zurück und durfte mit Genehmigung der Militärregierung im gehobenen Justizdienst arbeiten. Im selben Jahr kam er zunächst als Rechtspfleger an das  Amtsgericht Dorsten, wurde 1948 Hilfsrichter und war als solcher bis 1951 an den Amtsgerichten Essen, Dorsten, Gladbeck und Marl tätig, danach nur noch in Dorsten, wo er noch 18 Jahre blieb. 1966 wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

Humorvoll Gereimtes in Büchern veröffentlicht

Titel eines Gedrath-Buches

1957/58 war der Richter Schützenkönig der Kiliansgilde Schermbeck, war zudem deren Schriftführer und viele Jahre Vize-Präsident. Jenseits vom Gerichtssaal entdeckte er seine schriftstellerische Neigung und Leidenschaft. Bereits im Krieg hatte er Gedichte geschrieben und unterhielt am Dorstener Amtsgericht seine Kollegen bei festlichen Zusammenkünften mit seinen humorvollen Texten. Etliche Gedichte hatte er zu Büchern zusammengestellt, die von der Schermbecker Druckerei Köster und vom Dorstener Verlag J. Weber (Hülswitt) veröffentlicht wurden, darunter „Schulte-Wackelkamp“, „Konsorten und Kalamitäten. Lustige Begebenheiten in Reimen“ und „Medusa“. In den bis zu 30 Seiten starken Büchern, alle ohne Jahresangaben, erheitert der Autor mit kleinen Alltagserlebnissen in Versform. Über große Persönlichkeiten wie die Preußenherrscher Friedrich Wilhelm I. und den IV., Hindenburg, Bismarck, Richard Wagner und andere schrieb er in „Anekdoten“ ebenfalls Gereimtes in Versform. In seiner Geburtsgemeinde Schermbeck, in der er 1993 mit 89 Jahren starb, wollte man nicht viel um ihren dichtenden Mitbürger wissen. Nur einmal wurde er im damals neuen Heimathaus zur Lesung eingeladen Das war 1988, fünf Jahre vor seinem Tod. Und in der Schermbecker Gemeindebücherei is5t kein Buch Julius Gedarths zu finden. 2015 erinnerte das Dorstener „Cornelia-Funke-Baumhaus“ an den vergessenen Literaten und Juristen.


Quelle: Helmut Scheffler in DZ vom 31. Oktober 2015; obiges Foto: Archiv Helmut Scheffler.

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