Drogenszene

Dealer lungerten an Dorsten Schulhöfen und am Kanal herum

Öffentlicher Entsorgungsautomat für Drogenspritzen Klosterstraße/Ecke Westgraben; Foto: Wolf Stegemann

Öffentlicher Entsorgungsautomat für Drogenspritzen Klosterstraße/Ecke Westgraben; Foto: Wolf Stegemann

Von Wolf Stegemann – In den 1970er- und 80er-Jahren baute sich in der Altstadt eine Drogenszene auf. Auch waren Dealer an den Schulhöfen der beiden Gymnasien anzutreffen. Gedealt wurde in den 1990er-Jahren auch rund um das Lippetor und am Kanal (Gerichtsjargon „Kanalsteher-Bande“). Danach hat sich die Szene von der Altstadt weg und massiv nach Wulfen-Barkenberg verlagert.

Der Einstieg in die Drogen beginnt durchschnittlich zwischen 13 und 15 Jahren, was nicht nur mangelnde Sozialisation bzw. Integration in die Gesellschaft mit sich bringt, sondern auch eine reduzierte Schul- und möglicherweise keine Berufsausbildung. Zudem ist das Abgleiten in die Armut und in die Beschaffungskriminalität vorgegeben. 1992 hat sich ein „Arbeitskreis Drogenhilfe“ gegründet. Neben einer akribisch geführten Bestellliste und einem Bündel Geldscheine fand die Polizei außerdem ein Brecheisen, ein Klappmesser und einen Teleskop-Schlagstock. Auf „Drogenhandel mit Waffen“ drohen laut Gesetz besonders harte Strafen.

Dorstener Hoteliersohn und Eventmanager erhielten hohe Haftstrafen

Die Polizei nahm im Mai 2012 den 30-jährigen Dorsten-Lembecker Eventmanager Hendrik H. und den 36-jährigen Hoteliersohn und Koch Kai B. aus Dorsten-Holsterhausen sowie den 27-jährigen holländischen Drogenkurier Sander B. fest. Neben Bargeld wurden auch die Fahrzeuge der mutmaßlichen Drogentäter sichergestellt. In einem PKW und im Keller der Dealer fand die Polizei drei Kilogramm Marihuana aus einer aktuellen Lieferung des Holländers an die beiden Dorstener. Bei Kai B., der im elterlichen Hotel eine Einliegerwohnung hatte, fand die Polizei 2,8 Kilo Kokain sowie ein Gewehr mit Munition, was hm die Anklage wegen „bewaffneten Drogenhandels“ einbrachte. Gegen Kai B. liefen seit 1993 mehrere Strafverfahren. 2009 verurteilte ihn das Amtsgericht Dorsten zu zwei Jahren Haft mit Bewährung wegen Drogenhandel in 252 Fällen.

Eigens Sonderkommission „Kroko“ eingerichtet

Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die beiden Dorstener in den letzten beiden Jahren einen schwunghaften Handel mit 38 Kilo Kokain betrieben hatten. Der Holländer war als Fußball-Fan mehrmals nach Gelsenkirchen gekommen und hatte im Hotel der Eltern von Kai B. am Rand der Dorstener Altstadt übernachtet, wo ihn Kai B. gefragt habe, ob er Marihuana aus Holland mitbringen könne. Daraufhin legte der Holländer in einem Waldstück neben seinem Wohnhaus eine Outdoor-Plantage an. Anfangs bekam er von den Dorstenern 2.800 Euro für ein Kilogramm, zuletzt wegen Steigerung der Qualität  4.700 Euro. Dem Trio auf die Spur kam die Polizei durch einen V-Mann in der Szene. Nach einer längeren Zeit der Überwachung nahm die eigens eingerichtete Sonderkommission er Polizei „Kroko“ die drei fest. Hendrik H. ist kein Unbekannter. Er gilt als einer der Macher der Dorstener Open-Air-Veranstaltung „WDR für eine Stadt“ und war für das Dorstener Stadtmarketing aktiv. Auch als Partymacher soll sein Ruf in Dorsten und Schermbeck legendär sein. – Die VI. Strafkammer beim Landgericht Essen verurteilte Anfang Oktober 2012 den Holländer zu drei Jahren Gefängnis, die geständigen Holsterhausener Koch Kai B. zu fünf Jahren und sechs Monaten und den Lembecker Eventmanager Hendrik H. zu vier Jahren und sechs Monaten. Der neue Porsche Carrera des Eventmanagers Hendrik H. im Wert von 39.000 Euro sowie eom Sparbuch mit Einträgen in Höhe von 8.600 Euro wurden eingezogen.

Indoor-Cannabis-Plantage

Die 9. Strafkammer beim Landgericht Bochum verurteilte im November 2012 drei Männer, die Cannabis-Plantagen in Datteln, Castrop und in Dorsten betrieben hatten. Jeweils zwei Jahre und neun Monate Gefängnis erhielten für zwei Männer (34, 33) aus Dorsten-Rhade und Castrop-Rauxel, der Dritte zwei Jahre Haft auf Bewährung, verbunden einer Geldauflage in Höhe von 3.000 Euro. Alle drei Angeklagten hatten im Prozess Geständnisse abgelegt und geschildert, wie sie auf die Idee zur Aufzucht der Indoor-Drogenplantagen gekommen sind. Die Spur führt zu einem Duo namens „Ruud“ und „Kid“ in die Niederlande.

Die Cannabis-Plantagen wurden in einer Wohnung und einem extra angemieteten Haus noch vor der ersten Ernte entdeckt. Der Vermieter des Mietshauses in Datteln war im August 2011 auf dauerhafte Lüftungsgeräusche an seinem Haus aufmerksam geworden. Nachdem er bei einem Blick durch ein Souterrain-Fenster eine verdächtige Ansammlung grüner Pflanzen entdeckt hatte, informierte er die Polizei. Kurz danach folgte der Zugriff und die Plantagen mit insgesamt fast 300 Cannabis-Pflanzen mit bis zu 70 Zentimeter Höhe wurden ausgehoben. Nach Berechnungen von Experten hätte die Jahresernte aus beiden Plantagen bis zu 30 Kilo Marihuana von bester Qualität erbracht.

Rhader Rentner Mitglied eines internationalen Rauschgiftrings

Ein 66-jähriger Rhader musste sich im Dezember 2013 vor dem Essener Landgericht verantworten, weil er trickreich 850 Kilo Kokain- und Amphetamin-Fracht in Hohlräumen von Industriemaschinen versteckt hatte, die er ausgetüftelt hatte. Diese Drogenexporte gingen dann rund um die Welt: Niederlande. Venezuela, Singapur, Australien und zurück. Seit 2006 gehörte der Rhader einen internationalen Rauschgiftring an, der die präparierten Verstecke des Rhaders für den Ex- und Import weitere 629 Kilogramm Kokain nutzten. Am Flughafen in Caracas (Venezuela) fielen die Drogenverstecke auf. Laut Anklageschrift tauchte der Rhader  unter – und machte weiter.
Im August 2014 wurde ein 49-jähriger Dorstener angeklagt, zwischen 2011 udn 2012 an den Geschäften eines internationalen Drogenrings beteiliugt gewesen zu sein. Der LKW-Fahrer soll als Zwischenhändler mehrere Male je ein Kilogramm Marihuana erworben und mit Gewinn weiterverkauft haben. Später wurde das Drogenangebot des Dorsteners, der bis in die Schweiz gereist war, um Kokain erweitert. – Insgesamt über 90 Spezialkrtäfte von mehreren Polizeidienststellen und vom Zoll durchsuchten in einer konztentrieren Aktion im September 2014 Wohnungen von Drogen-Verdächtigen in Gelsenkirchen, Marl, Herten und Dorsten. In der Wohnung eines 35-jährigen Hauptverdächtigen in Dorsten fanden Ermittler 37.000 Euro Bargeld. Er wurde festgenommen und kam ihn U-Haft. Ihm wird vorgeworfen, seit längerem Handel mit Amphetaminen und Canabis in großen Mengen betrieben zu haben. Sichergestellt wurden neben dem Bargeld 20 Kilogramm Amphetamine, eine Schusswaffe, eine Presse zur Herstellung von Ecstasy-Tabletten sowie zwei Fahrzeuge.

Zur Sache: 2015 gab es in der Bundesrepublik 1228 Drogentote. Die Zahl ging in Nordrhein-Westfalen entgegen dem Bundestrend zurück. 2015 sind in NRW 182 Drogentote registriert worden. Im Jahr davor starben 184 Menschen an ihrem Drogenkonsum in NRW. In 135 Fällen konnte der Drogentod durch schnelle Hilfe verhindert werden. Seit 2010  (damals 289 Drogentote) ging die Zahl der Drogentoten um 37 Prozent zurück.
Bundesweit: 2015 hat die Rauschgiftkriminalität in allen Bereichen zugelegt. Mit 1226 gab es fast 20 Prozent mehr Drogentote. Haupttodesursache  waren Opioide/Opiade wie Heroin. Die Einsteigerquote bei Heroin stieg um 15 Prozent, bei Kokain um 7 Prozent.
Die Todesfälle bei der Einnahme von künstlichen Drogen wie Crystal Meth stiegen um 26 Prozent. Weit6 verbreitet ist diese Droge in den östlichen Bundesländern nahe der tschechischen Grenze. Die Drogenfahnder hatten 2015 insgesamt Die sichergestellte Menge an Heroin ging um 73 Prozent zurück, die Menge an sichergestelltem Kokain stieg allerdings auf ein Rekordniveau von mehr als drei Tonnen. 2015 wurden 5,4 Tonnen Cannabis sichergestellt. Insgesamt nahmen die Straftaten in Verbindung mit Rauschgift 2015 um zwei Prozent auf rund 282.6000 Fälle zu (dpa). – Im Bereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen wurde 2015 ein Drogentoter gezählt. Die Zahlen davor: 2014: 1 Toter, 2013: 4 Tote, 2012: 3 Tote, 2011: 2 Tote, 2010: 14 Tote.

Canabis als Arzeimittel auf Rezept ab 2017 erlaubt

Im Januar 2017 beschloss der Bundestag ein Gesetz, nach dem Schwerkranke in Deutschland künftig Canabis auf Rezept verschrieben bekommen können. Der Anbau hierfür soll staatlich geregelt sein. Eingesetzt wird dann die Droge etwa bei Multipler Sklerose, chronischen Schmerzen, schwerer Appetitlosigkeit oder Übelkeit infolge von Chemotherapie. Canabis als Rauschmittel bleibt weiter verboten.

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