Dahlhaus, Hof

Altendorf-Ulfkotter „Ruhr-Kulturgarten“ wird mit 60.000 Euro wiederbelebt

Im Kulturhauptstadtjahr „Ruhr.2010“ gehörte der Ruhr-Kulturgarten Dahlhaus in Altendorf-Ulfkotte, in dem sich Natur, Kultur und Landwirtschaft vereinten, zu den Sehenswürdigkeiten und Aktionen, mit der sich die Stadt Dorsten an dem überregionalen Kultur-Spektakel beteiligte. Damals hatten „Kulturhauptstadt“-Chef Fritz Pleitgen und der damalige RVR-Geschäftsführer Heinz-Dieter Klink das im Zuge eines Kunstprojekts hergerichtete große Stück Grün in Altendorf-Ulfkotte eröffnet. Die 53 verschiedenen Apfelsorten stellten die Städte des Ruhrgebietes dar – vom „Gewürzluiken“ für Fröndenberg im Osten bis hin zur „Schafsnase“ für Sonsbeck im Westen. Danach kümmerte sich die Stadt nicht mehr um das öffentlich hochgelobte Projekt. Wie so oft in Dorsten.
Bei dem einstigen Vorzeigeprojekt handelt es sich um eine Streuobstwiese mit 53 Apfelbäumen, durch die ein Weg für Fußgänger und Radfahrer führt und wo auch eine Stele des Dorstener Künstlers Ralf Pohlmann zu sehen ist. Dr. Tobias Dahlhaus (Foto), der mit seiner Lebensgefährtin Dr. Tanja Groher den Hof von seinem Vater übernommen hatte, will nun den Ex-„Ruhr-Kulturgarten“ seines Vaters mit Hilfe der Stadt Dorsten und der Biologischen Station Recklinghausen in Lembeck wieder als solchen erblühen lassen. Der Agrarwissenschaftler hat eine Assistenzprofessur an der Universität Wageningen, wo er viel mit Natur- und Klimaschutz zu tun hat. Streuobstwiesen haben nicht nur eine lange Vergangenheit und spielen deshalb eine wichtige Rolle im regionalen Landschaftsbild. Doch wollen Dahlhaus und seine Partnerin nicht nur die alteingesessenen Baumarten fördern, sondern die Ursprungsidee des „Ruhr-Kulturgartens“ zum Comeback verhelfen. Noch heute kommen hier Besucher vorbei – auch wenn sich der Ruhr-Kulturgarten zwischendurch stark vernachlässigt wurde: Wackelnde Sitzbänke, vergilbte Informationstafeln, einige Obstbäume waren eingegangen, die Kunstwerke bis auf die „Heilige Barbara“ im Glaskasten verschwunden. Auf Anregung der SPD stellte die Stadt Dorsten einen Förderantrag beim Land. Für den Ruhr-Kulturgarten wurden knapp 60.000 Euro bewilligt, mit dem das Gelände 2021 auf Vordermann gebracht wird.
Einige der abgestorbenen Städte-Bäume wurden ersetzt – auch der „Freudenberg-Nützling“, der Dorsten repräsentiert hatte. Es wurden 600 Meter Wegstrecke erneuert, sie bilden nicht nur einen Rundweg um den Obsthain, sondern auch eine Verbindung zwischen den Straßen „Achterfeld“ und „Buerelter Weg“. Bodendecker sorgen dafür, dass die Wiese noch artenreicher geworden ist, die Flüsse Rhein, Ruhr und Lippe werden durch blau blühende Pflanzen in Szene gesetzt. Und der Verlauf des Gahlenschen Kohlenwegs wird durch dunkle Basaltsteine angedeutet. Neue Infotafeln und Sitzmöglichkeiten wie eine „Wellenliege“ sind ebenso geplant wie mehr Öffentlichkeitsarbeit.

„Agro-Tourismus“ für Städter aus dem nördlichen Ruhrgebiet ankurbeln

Für Sabine Fischer, Leiterin der Stadtagentur, hat die unmittelbare Umgebung des Ruhr-Kulturgartens eine Menge Potenzial. So auch als Ort für Kunstausstellungen, für kleinere Musikveranstaltungen oder für Lesungen. Auch Hans Rommeswinkel vom Planungsamt der Stadt sieht eine Menge Entwicklungsmöglichkeit für den Ort, ökologisch und ökonomisch. Wegen seiner Lange soll das Hof-Projekt den „Agro-Tourismus“ für Städter aus dem nördlichen Ruhrgebiet ankurbeln. Nach der Corona-Zeit sollen die ersten Kunst-und-Natur-Veranstaltungen stattfinden – und natürlich auch Feste und Feiern. Dann wird auch der gesunde Tropfen kredenzt, den es auch im Altendorf-Ulfkotter Hofladen zu kaufen gibt: die „Achterfelder Appelpulle“. Tobias Dahlhaus: „Ein selbstgemachter und einzigartiger Streuobstwiesenapfelsaft im Geschenkflaschenformat, dessen Einnahmen wir für den Erhalt des Ruhr-Kulturgartens verwenden.“

Ruhr-Kulturgarten mit einer drei Meter hohen Säule bereichert

Drei Meter hoch ist die Säule, die der oben erwähnte Dorstener Künstler Ralf Pohlmann (Foto) mitten im Grün des Ruhr-Kulturgartens erschaffen hat und die Anfang Juni 2021 offiziell eingeweiht wurde. Eine aufragende Landmarke am Wegesrand, wo einstmals unweit entfernt der Gahlensche Kohlenweg das „Transportband“ für das schwarze Gold von der Ruhr hin zur schiffbaren Lippe bildete. Das Grau der Säule erinnert an Kohle und Koks, aber auch an den Grundfarbton im Revier der 1950er- bis 1970er-Jahre. Im oberen Teil setzte Pohlmann ein positives Zeichen: für Dynamik und Entwicklung. „Spitze und Sockel sind bewusst aus Ibbenbürener Sandstein gestaltet worden“, sagt er: „Denn das Deckgebirge bei Kohlevorkommen besteht aus Sandstein.“ Dazu ein Text im Sockel, der an das Anhalten, den Zauber, an die Zerbrechlichkeit gemahnt. Im Oktober 2021 soll der „runderneuerte“ Ruhr-Kulturgarten der Öffentlichkeit vorgestellt werden – und zum Anziehungspunkt für Besucher von nah und fern werden. Heinz Meyer von der Kulturinitiative Emscher-Lippe und damaliger Ideengeber des Ruhr-Kulturgartens brachte dafür die „Lippe-Guides“ ins Spiel, die er an hiesigen Volkshochschulen ausbilden lassen möchte – und die als Kunst- und Landschaftsführer mit ihren Gästen auch dieses Kleinod ansteuern könnten.


Quelle: Nach  „Lange vernachlässigtes Vorzeigeprojekt erblüht zu neuem Leben“ in DZ vom 22. April 2021 und 8. Juni 2021; Foto Pohlmann: Michael Klein (DZ entnommen).

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