Brotmanns Höhle

Deserteur Werner Kempken versteckte sich über zehn Jahre lang im Wald

Brotmanns Höhle in der Nähe des Freudenbergs, Foto: JF

Inmitten der wieder aufgeforsteten Sandgrube „Im Steinbruch“, in der Nähe des Freudenbergs (B58 / A31) liegt die „Brotmanns Höhle“. Sie ist benannt nach einem jungen Mann, der von 1865 bis 1875 in der Höhle lebte und für einfache Dienste bei den Bauern in der Umgebung Brot bekam. Er hieß Werner Kempken, stammte aus dem Emmelkamp (damals noch Altschermbeck, heute Holsterhausen) und versteckte sich vor dem Militär, dem er bereits zwei Mal entwichen war. Wegen Desertion drohte ihm die Todesstrafe, schließlich lag Deutschland 1870/71 mit Frankreich im Krieg und zuvor mit Österreich. Angeblich kannte nur sein Vater das Versteck, der ihn mit Nahrungsmitteln versorgte. Ihn und sein Versteck mussten aber auch andere gekannt haben, denn sie legten ihm Bot vor die Höhle. Daher hat er im Volksmund den Namen „Brotmann“ erhalten. Nach etwa zehn Jahren Waldeinsamkeit in der später als „Brotmanns Höhle“ bekannten Erdbehausung konnte Werner Kempken während der Auswanderungswellen aus Westfalen nach Amerika entkommen. – Diese Gegend wurde früher als Steinbruch genutzt. Vermutlich stammen die Steine der ehemaligen Dorstener Festungsanlage sowie der Stadtmauer von diesem Steinbruch.


Anmerkung: Über die Geschichte der Brotmanns Höhle und seinem Bewohner gibt es in Veröffentlichungen mehrere unterschiedliche Varianten; einmal wird er als „altes Männlein“ bezeichnet, das um 1900 in der Höhle lebte und irgendwann ins Unbekannt verschwand, dann wird sein Aufenthalt in der Höhle in die Mitte der 1920er-Jahre verlegt und viel über ihn geschrieben, das weder schlüssig noch belegt ist. Wir haben uns hier auf das Wesentliche und Schlüssige der Fakten beschränkt.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone