Baumhaus

Früheres Bibliotheksgebäude Lern- und Kreativort nicht nur für Kinder

Cornalia Funke vor "ihrem" Baumhaus in Dorsten; Foto: westline

Cornalia Funke vor “ihrem” Baumhaus in Dorsten; Foto: westline

Unter dem Projektnamen „Baumhaus“ ist zum einen das Gebäude am Rathaus gemeint, in dem früher die Stadtbibliothek und später die Verwaltungsdruckerei untergebracht waren. Mitte September 2010 entstand ein Trägerverein, zu dessen Gründung vor allem die Dorstener Journalistin Anke Klapsing-Reich beigetragen hatte. „Baumhaus“ wurde als Kreativ- und Lernort für Kinder eröffnet. Initiiert und unterstützt wird das Projekt von der gebürtigen Dorstenerin und heute in den USA lebenden Bestseller-Autorin Cornelia Funke („Tintenherz“), die auch dem Trägerverein ihren Namen gab: „Cornelia Funke Baumhaus“. Der entscheidende Beitrag zur baulichen Realisierung des Projekts kam vom Dorstener Projektentwickler Detlef Bernhard, hinter dem die Industriellen-Familie Stewing stand. Er kaufte das Gebäude der Stadt ab und stattete es für die Vereinszwecke aus. Betrieben wird das „Baumhaus“ von einem Förderverein, der Mitte 2010 auf Initiative von Anke Klapsing-Reich gegründet wurde, um mit Hilfe der prominenten Schriftstellerin eine lebendige und facettenreiche Lese- und Schreibförderung aufzubauen. Unter den Förderern ist auch der ehemalige Dorstener Kulturamtsleiter Ludger Heyming, der für das Programm zuständig ist. Der heutige Rentner Heyming war in gleicher Funktion in Emmerich tätig, hat dort als Fan von Cornelia Funke deren Literatur auf die Bühne gebracht.

Corneilia Funke aus den USA via Bildschirm dabei

Das „Baumhaus“, Foto: JF

Bei der Eröffnungsveranstaltung  2010 im Beisein der Eltern von Cornelia Funke wurde diese via Bildschirm aus den USA zugeschaltet und las aus ihrem gerade neu erschienenen Buch „Reckless“. Am Eröffnungstag führte das Darmstädter „Theater auf Tour“ Funkes „Tintenherz“ auf. Im Jahre 2011 schrieb der Verein „Cornelia Funke Baumhaus“ unter dem Titel „Dorstener Lesezeichen“ erstmals einen Literaturwettbewerb aus. Eine Jury bewertete die Beiträge. Der erste Preis ging an eine Autorin nach Hamburg, der zweite Preis nach Oer-Erkenschwick, der dritte Preis nach München sieben Autorinnen und Autoren teilten sich den vierten Platz. Das nebenstehende Bild zeigt Cornelia Funke.

Vorstand lokalbezogen und hochkarätig besetzt

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Anke Klapsing-Reich

Mit Stand 2016 gehören dem Vorstand des Verein „Cornelia Funke Baumhaus“ an: Lambert Lütkenhorst (Vorsitzender), Anke Klapsing-Reich (stellv. Vorsitzende; Bild), Wolfgang Gorniak (Schatzmeister), Anne Quallo (Schriftführerin) und Ulla Voigt Mackedanz, Ingrid Schröder Mross, Ludger Heyming, Helmi Funke und Klaus Schmidt, Hans-Georg Karl und Klaus-Dieter Krause  (Beisitzer) sowie Birgitt Hülsken (beratendes Mitglied); dem Beirat gehören an: Cornelia Funke als Vorsitzende sowie Christel Briefs (stellv. Bürgermeisterin), Karl Funke, Hildegunde Latsch, Detlef Bernhardt.  Mit der Erinnerung an unvergessene Literaten, die 2014 ein rundes Jubiläum feierten, verabschiedete sich das Baumhaus Mitte 2014 in die Sommerpause. Die folgende Darstellung, welch umfangreiches und qualitativ hochwertiges Programm das „Baumhaus“ professionell angeboten hatte, mag beispielhaft sein für vergangenen und die kommenden Jahre.

Autorennamen von A bis Z (Auswahl)

..... Bücker

Heidrun Bücker

In den vorangegangenen Jahren lasen aus ihren Werke meist Dorstener Autorinnen und Autoren, darunter Marga Belz, Peter Bertram, Klaus Bieder alias Rolf Wartenberg, Heidrun Bücker, Yücel Feyzioglu, Cornelia Funke, Robert Gerling, Ute Heymann gen. Hagedorn, Martina Jansen, Hans-Georg Karl, Rudolf Kowalleck, Hermann Kuhl, Monika Littau, Edelgard Moers, Gaby Poetsch, Ulrich Th. Rath, Jacqueline Reese, Annerose Scheidig, Herbert Somplatzki, Heike Wenig, Sylvia Wenig, Reinhart Zuschlag. – In der Sparte Musik und Gesang waren u. a. zu hören: das Trio „Liederjan“, Ray Cooper, Alan Reid und Rob van Sainte, Black Clover, Eckard Koltermann, Ralf Weihrauch, Maalstroom trifft Jo Freya, Werner Lämmerhirt, Mick Fitzgerald (Irland-Abnd).

Literarische Jubilare: „Zeitlos und unvergessen“

Zum fünfjährigen Geburtstag wurden in der zweiten Häfte 2015 im Baumhaus eine Reihe interessanter Lesungen und Veranstaltungen angboten, darunter eine Erinnerung an bedeutende literarische Jubiläre. Unter dem Titel „Zeitlos und unvergessen“ wurden Matthias Claudius, Kurt Tucholsky, Selma Lagerlöf, Chrtian Fürchtegott Gellert und Agatha Christie vorgestellt.  Weiter steht auf dem Programm 2015: Roland Jankowsky (Wilsberg-Kommissar Overbeck), Marionetten-Theater, Anglizismen in der deutschen Sprache, 40 Jahre Liederjan, eine Weihnachtslesung des Literarischen Arbeitskreises Dorsten u. a.

Zum Thema: Eine Studie der „Stiftung Lesen“, die 2008 veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Deutschen im Untersuchungszeitraum seit 1992 immer weniger lesen. Während im Jahr 2000 fast jeder Dritte zwischen elf und 50 Bücher im Jahr las, schafft heute dieses Pensum nur noch jeder Vierte. Deshalb kann von einem „Verschwinden des klassischen Gelegenheitslesers“ gesprochen werden. Nahezu unverändert bleibt der Studie zufolge die Zahl der Nichtleser: 25 Prozent der Befragten gaben an, nie zu einem Buch zu greifen. Als Vielleser bezeichneten mit mehr als 50 Büchern pro Jahr bezeichnen sich lediglich drei Prozent.
Die Studie gibt auch an, woher die Lesefaulheit rührt: Fehlen entscheidender Impulse in der Kindheit, obwohl immer mehr Menschen das Lesen als „wichtig“ betrachten. 45 Prozent der 14- bis 19-Jährigen gaben an, dass sie als Kind nie ein Buch geschenkt bekamen. 1992 berichteten noch 72 Prozent dieser Altersgruppe von häufigen Buchpräsenten. Die Zahl der Bücher pro Haushalt sinkt nach dieser Studie ebenfalls. Diese Ergebnisse sind besonders bedenklich, da das Lesen mehr als andere Fähigkeiten vom Elternhaus geprägt ist. Die Folgen mangelnder Lesefähigkeit zeigen sich in der Schule in allen Fächern. Spätestens bei dem internationalen Pisa-Vergleich ist bekannt, dass deutsche Schüler vor allem beim Lesen schlecht abschneiden. Jeder fünfte 15-Jährige hat beim Verstehen von texten Probleme.
Die vom Bundesbildungsministerium finanzierte Studie zeichnet erstmals auch ein differenziertes Bild von den Lesegewohnheiten der Migranten – und räumt mit Vorurteilen auf: Migranten nehmen mindestens genauso häufig ein Buch zur Hand wie Deutsche. 36 Prozent der Befragten gaben an, ein- oder mehrmals in der Woche zu lesen, elf Prozent sogar täglich. „Deutsch sprechende Migranten bilden eine neue Lese-Mittelschicht – mit großem bildungspolitischem Potential. Die Autoren der Studie widerlegen außerdem die Annahme, dass die neuen Medien die Lesekultur zerstören. Zwar lesen immer mehr Menschen  am Bildschirm, dennoch möchte die Mehrheit nicht auf gedruckte Bücher verzichten. Printmedien werden weiterhin als besonders glaubwürdig empfunden. Auch bieten sie den Menschen offenbar mehr Orientierungshilfe. 20 Prozent der Befragten beklagten, dass „sie sich auf dem Bildschirm verzetteln“.

Siehe auch: Cornelia Funke
Siehe auch: Netzwerk Dorsten liest vor

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