Bahnhof Wulfen

Seit Jahren abbruchreif – doch unter Denkmalschutz

Unter Denkmalschutz: Bahnhof Wulfen; Foto: Wulfen-Wiki

Unter Denkmalschutz: Bahnhof Wulfen; Foto: Wulfen-Wiki

Das Gebäude ist stark heruntergekommen, dem Vandalismus ausgesetzt und abbruchreif. Dennoch umweht es ein Hauch von geschichtsträchtiger Nostalgie, würden die Dichter sagen. Daher kaufte es im Jahr 2000 Ferdinand Graf von Merveldt und ließ es 2007 in die Dorstener Denkmalschutzliste eingetragen, die über die Geschichte dieses Bauwerks Auskunft gibt:

„Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Wulfen liegt an der am 1. Juli 1879 eröffneten ehemaligen Bahnlinie von Oberhausen über Dorsten, Coesfeld, Burgsteinfurt und Rheine nach Quakenbrück. Als Verbindung des Ruhrgebiets mit den Hafenstädten verlief die Strecke Oberhausen – Quakenbrück zusätzlich und parallel zu den Hauptlinien über Münster und Osnabrück. Die Bahnlinie war besonders von Erzen in Richtung Ruhrgebiet stark befahren.
Für die ehemals selbständige und landwirtschaftlich geprägte Gemeinde Wulfen brachte die Bahnlinie vor allem den Anschluss an das Ruhrgebiet und beeinflusste bedeutend die Entwicklung des Ortes. Es handelt sich bei dem Empfangsgebäude um eines jener für das westliche Münsterland typischen Empfangsgebäude, wie sie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. Vielfach waren es Typenentwürfe, die man an einer Strecke in verschiedenen Variationen errichtete. Vergleichbare Bahnhöfe sind bis heute in Bahnhof Reken und Bottrop-Nord erhalten.“

Nachdem der Bahnhof Wulfen 1968 Hauptdienststelle wurde (bis dahin Lembeck) begann dennoch unaufhaltsam, wenn auch in Etappen. 1976 wurde nach 97 Jahren der Fahrkartenverkauf eingestellt, ein Jahr darauf die Güterabfertigung nach Dorsten verlegt, wieder ein Jahr später die Wartehalle geschlossen und im gleichen Jahr der Bahnhofsvorsteher Heinrich Schonebeck in den Ruhestand versetzt.

Jugendliche besetzten den leeren Bahnhof

Als er noch Bahnhof war

Als er noch Bahnhof war

Um 1982 diente das Gebäude für etwa zwei Jahre als selbstverwalteter Jugendtreffpunkt im Bahnhof, der vom Verein „Altes Standesamt“ getragen wurde. Nach zwei Jahren suchten sich die Jugendlichen ein anderes Domizil. Seither steht es leer und ist dem Vandalismus ausgesetzt. Ferdinand Graf von Merveldt, der an dem Gebäude Gefallen gefunden hatte, kaufte das Gebäude im Jahr 2000 und wollte es mit neuem Leben füllen. Er wäre zufrieden gewesen, wenn sich die Kosten lediglich gedeckt hätten. Dafür stellte er den Antrag auf Eintragung in die Denkmalliste (2007), um über eine damit verbundene steuerrechtliche Sonderabschreibung die Kosten für das Projekt niedrig zu halten. Dann beantragte und erhielt er von der Stadt die Baugenehmigung. Danach scheiterte es am Widerstand der Denkmalbehörde der Stadt. Da keine Einigung zu erzielen war, will Graf Merveldt die Bauruine wieder verkaufen. Wie die „Dorstener Zeitung“ den städtischen Pressesprecher zitierte, sei ein Scheitern an den Details der steuerrechtlichen Sonderabschreibung erfolgt, nämlich an der Frage, ob die Sonderabschreibung für das gesamte Gebäude gelte oder nur für die denkmalgeschützten Teile des Hauses. Das wären die Dachkonstruktion, die Fassade und Außenbauteile. Graf Merveldt wollte das Gebäude völlig entkernen und eine n Anbau anfügen. Dafür hatte es keine Sonderabschreibung gegeben, was auch das nordrhein-westfälische Bauministerium als oberste Denkmalbehörde bestätigte. Somit scheiterte das Projekt zum Erhalt des historischen Bahnhofs Wulfen.


Siehe auch:
Bahnhöfe


Quellen:
Wulfen-Wiki (Aufruf 2015). – „Graf will Bahnhof verkaufen“ in „Dorstener Zeitung“ vom 22. Juli 2015.

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