Anhalt, Frédéric Prinz von

Errichtung der Ordensdependance in Lembeck war nichts als warme Luft

Ordensmarschall Prof. Klenk, Prinz Frédéric von Anhalt und Michael Vaupel auf der Freitreppe von Schloss Lembeck (v. l.)

Ordensmarschall Prof. Klenk, Prinz von Anhalt und Michael Vaupel  (v. l.) 1985 Schloss Lembeck; Foto: Steffe

Von Wolf Stegemann – Geboren 1944 im Ruhrgebiet; Adoptiv-Aristokrat. – Frédéric Prinz von Anhalt, Herzog zu Sachsen-Engern und Westfalen, Graf von Askanien, schillernd und für die echte Familie zum ständigen Ärgernis geworden, inzwischen „Adoptivvater“ des Wulfener im Liebesgewerbe tätigen „Adoptivsohns“ Markus Prinz von Anhalt, hatte bereits 1985 Schloss Lembeck als eine seiner „Lieblingsresidenzen“ erwählt. Allerdings ohne Wissen und Zustimmung der damaligen Schloss-Eigentümerin Josepha Freifrau von Twickel, die dazu meinte: „Alles Quatsch!“ Denn der Prinz mit dem langen Namen hat mit Schloss Lembeck gar nichts zu schaffen gehabt, sieht man davon ab, dass er am 12. September 1985 in nachgemachter sächsisch-grüner Haus-Uniform derer von Anhalt auf der Freitreppe von Schloss Lembeck stand und sich fotografieren ließ.

Gegen Geld von einer blaublütigen und verarmten Prinzessin adoptiert

Jener ordensgeschmückte Adoptiv-Prinz Frédéric, der sich auch mit Hoheit ansprechen ließ, ist eigentlich der Dortmunder Bankkaufmann Robert Lichtenberg, der sich von einer echten Prinzessin für 2.000 DM Monatsrente adoptieren ließ. Seine echt-blaublütige Adoptivmutter war Prinzessin Marie, die verarmte Schwiegertochter Kaiser Wilhelm II. 789-frederic-von-anhalt-will-arnold-schwarzenegger-beerbenDer neue Sohn brauchte nicht lange Rente zahlen, denn sie starb bald nach der Adoption, noch bevor die echte Familie von Anhalt die Annahme an Sohnes statt anfechten konnte. Nun hatte er einen klangvollen Namen, mit dem er in dem adelsehrfürchtigen Amerika nicht nur die Altdiva Zsa Zsa Gabor zur Prinzessin, sondern auch viel Geld machte. Und das nach fünf vorangegangenen Ehen mit reichen Erbinnen, die ihm, dem falschen Prinzen den Abschied aus den Ehen mit teils millionenschweren Abfindungen versüßten. Den klangvollen Namen durften sie daher behalten. Anhalt bewarb sich kurzzeitig für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien. Der Namensprinz kam also mit seinem Großkanzler, einem Professor Dr. theol. Dr. rer. pol. habil. Ulrich Klenke, nach Dorsten, um mit Hilfe des Lembecker FDP-Politikers Michael Vaupel, den er zum Ordensmarschall machte, den „Regionalkonvent Westfalen“ des „Ritterordens Albrecht de Baer“ zu gründen. Dieser obskure Ritterorden wurde 1983 als Verein „Ritterschaft Herzogtum Anhalt“ ins Düsseldorfer Vereinsregister eingetragen. Durch den Ordenskanzler aus der Lembecker Schulstraße wollte der Namensprinz nach eigenen Angaben seine „Aktivitäten auf Schloss Lembeck intensivieren“, hieß es in einer von Fehlern strotzenden Verlautbarung des Prinzen, die der professorale Großkanzler mit Talar und Federbusch am Hut in der kleinen Küche des Michael Vaupel in der Lembecker Schulstraße auf einer Reiseschreibmaschine getippt hatte, während sein in sachsengrüner Uniform steckender Prinz gerade auf der Toilette weilte.

„Seiner Hoheit“ Lieblingsschloss: Lembeck

Das Dreiergespannt hatte vor, vermögende Bürger zu Ordensrittern zu schlagen, die neben „christlich-sozialer Sittlichkeit“ auch Vermögen vorweisen konnten. Denn die angeblich von Schloss Lembeck ausgehende Ritterschaft kostete Geld. 1986 wollte „Seine Hoheit“ und sein „Ordensmarschall“ Michael Vaupel in „Seiner Hoheit Lieblingsschloss“ Lembeck einen großen Konvent mit über 500 Rittern einberufen. Daraus wurde natürlich nichts. Vorerst wollten die drei irgendwo im Münsterländischen einen Metzger mit Geld zum Ritter schlagen. Ob daraus was geworden ist, entzieht sich dem Wissen dieses Lexikons.

1986 heiratete Frédéric von Anhalt die durch acht vorangegangenen Ehen in Hollywood zur Multimillionärin gewordenen Zsa Zsa Gabor, eine bekannte US-amerikanisch-ungarische Schauspielerin so genannter B-Filme. Sie wurde 1917 in Budapest als Szuzsanna Gábor geboren und ist 25 Jahre älter als Frédéric Anhalt. Nach einem Verkehrsunfall wurden ihr zwei Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen. Danach erlitt sie einen Schlaganfall und muss beinamputiert im Rollstuhl sitzen. Sie starb Ende Dezember 2016 im Alter von 99 Jahren und ist in Budapest bestattet.

Jetzt traut er als Priester der Universal Life Church Brautpaare

Frederic Prinz von Anhalt (73), Adoptivvater von vielen zahlenden Prinzen und Prinzesinnen, auch von dem Bordellbesitzer in Wulfen, hat 2016 als Pastor der Universal Life Church ein deutsches Paar getraut. Die Hochzeit fand in der Villa des Wahl­amerikaners im kalifornischen Bei An­statt, also dort, wo Anhalt vor 30 Jahren Gabor geheiratet hatte. Der Deutschen Presseagentur erklärte er, er könne sich vorstellen, „so eine Art Heiratsparadies“ aufzuziehen. Das junge Paar – Alexander Wessel, 22, und seine gleich­altrige Frau aus Hameln – durfte mehre­re Tage im Haus der Anhalts und der seit vielen Jahren bettlägerigen Gabor verbringen. Wessel steht mit Anhalt seit Jahren in Kontakt. Bei den Behörden in den USA läuft ein Antrag des Prinzen, Wessel als Sohn zu adoptieren. Ähnlich wie bei Hochzeiten in Las Vegas sind Trauungen durch die Universal Life Church in den USA rechtlich anerkannt.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht.
Abgelegt unter: , Personen