Virus D

Mit dem Bergbau verbundene Rockband wurde 1983 in Wulfen gegründet

Musiker von Virus D etwas ins Alter gekommen (2018)

„Virus D“ wurde 1983 während eines Konzerts in Wulfen von Mitgliedern zweiter regional bekannter Bands gegründet. Das waren die „The Maries“ aus Marl und „Moment mal“ aus Haltern am See. Von 1981 bis 1983 machte die Band „Moment mal“ konsequent eigene Musik mit deutschen Texten, was zu jener Zeit noch eher selten war. Es wurden zunächst Lieder aus der Feder von Sänger Torsten Schmidt, dem späteren „Virus D“-Sänger, zu eingängigen Rocksongs umgestaltet. Dieses Konzept wurde bei „Virus D“ konsequent fortgeführt und einige Stücke von „Moment mal“ so auch fester Bestandteil im Programm von „Virus D“. Der Gitarrist von „Moment mal“ war Andreas Wessollek, ebenfalls Gründungsmitglied von „Virus D“. Weitere Mitglieder waren Andreas Wiethoff (Keyboards), Ralf Marmulla (Bass) und Jürgen Serucnik (Schlagzeug). In der Heimatstadt Haltern am See ist vielen „Moment mal“ in Erinnerung durch den lokalen Hit „Rekumer Highway Blues“.
Die Band „The Maries“ wurde 1964 in einer Marler Gartenlaube von Gerd Leschny (Gitarre), Ludger Rose (Bass), Gerhard Jansen (Schlagzeug) und Wolfgang Werner (Rhythmus-Gitarre) gegründet. Programm war die Musik der Beatles. „The Maries“ schafften es bald, im ganzen Ruhrgebiet populär und in ganz Deutschland gebucht zu werden. Immer wieder traten Änderungen in der Besetzung ein, bis 1975 Bernd Feller den Schlagzeuger Reinold Brenner ersetzte, während Jürgen Wessollek am Bass in die Band einstieg. Beide waren später Gründungsmitglieder von „Virus D“. Doch nicht nur die Besetzung änderte sich. Auch das musikalische Programm wandelte sich und spielte nun Rock-Musik von Deep Purple und Jimi Hendrix. 1975 beschloss man, sich vom mittlerweile verstaubten Beat-Image zu trennen und nannte sich „Odessa“. Unter diesem Namen war die Band bis 1983 aktiv und in ganz Deutschland bekannt. Während seiner Bestehungszeit traten Jürgen Grundwald (Keyboards, Gitarre und Gesang) und Jürgen Theo Furchow (Gesang) sowie Ullrich Genius (Keyboards) der Band bei. Anfang 1983 verließ Sänger Jürgen Furchow die Band, um nach Australien auszuwandern.

„Virus D“ auf einer Rock-Fete in Wulfen gegründet

Virus D – 1987 in Wulfen

Das Ende „Odessas“ und damit der Anfang von „Virus D“ wurde 1983 auf der „Kotten-Rock-Fete“ in Wulfen eingeläutet. Für Gerd Leschny kam Torsten Schmidt (Gitarre und Gesang) als Leadsänger in die Band. Noch bevor das Konzert zu Ende war, war „Virus D“ geboren. Von alten Coverversionen wandte man sich rasch ab und konzentrierte sich nur noch auf eigene, deutschsprachige Kreationen. Im Jahr 1987 trat „Virus D“ mit dem Lied „Jetzt oder nie“ auf dem Bundesrockfestival in Hamburg auf und wurde mit dem „1. Preis der Landesjury NRW als beste Rockband des Landes NRW im Deutschen Rockpreis 1987“ ausgezeichnet. Für diesen Preis war die Band damals gegen über 1000 Konkurrenten angetreten. Die mit dieser Auszeichnung einhergehende Bekanntheit der Band führte zu zahlreichen Verträgen mit Filmgesellschaften. So leistete die Band unter anderem ihren Beitrag zu den WDR-Produktionen „Das Büdchen“ und „Der Todeskandidat“.

Das Zechensterben im Ruhrgebiet war auch Thema von Virus D

„Virus D“ war als Band des Ruhrgebiets stark am Schicksal der „Kumpels“ interessiert, welche die Schließung der Zechen fürchten mussten. Die Band entwickelte daher im Jahr 1989 die Rockrevue „Erst stirbt die Zeche – dann stirbt die Stadt“. Diese Revue wurde ein voller Erfolg und wurde in ganz Deutschland aufgeführt. Der Titel wurde zum Slogan der Bergleute und war unter anderem das Motto der Menschenkette im Ruhrgebiet von 1997, an der über 200.000 Menschen teilnahmen. Durch sein Engagement war „Virus D“ von nun an Stammgast auf den Demos der verschiedenen Bergbauorganisationen. So zum Beispiel 1993 vor 100.000 Bergarbeitern in Bochum oder auf der „Kunst für Kohle – wir für Euch“ in den Westfalenhallen in Dortmund. 2001 fand das vorerst letzte Konzert von „Virus D“ im Gemeinschaftshaus Wulfen statt. Trotz des starken Schneetreibens fanden damals 250 Fans den Weg nach Wulfen. Danach löste sich die Band nach mehr als 20 Jahren Aktivität auf, weil die Mitglieder beruflich stark in Anspruch genommen waren oder weil sie andere Musikprojekte verfolgten. Nach Anfrage der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, ob ein einmaliges Revival für die Band überhaupt denkbar sei, entschlossen sich die Musiker kurzerhand für das Comeback als Wertschätzung für die letzte bis Ende 2012 noch fördernde Zeche am Niederrhein. Das Konzert in Kamp-Lintfort und das kurz darauf erschienene Liederbuch Ruhr „Der Pott singt“, in dem auch „Virus D“ vertreten ist, machte den Musikern Mut, sich wieder zusammenzufinden. Mit dem so genannten „Konzert für Freunde“, einem Auftritt vor geladenen Gästen in Haltern Anfang 2014, eröffnete die Band eine Reihe von öffentlichen Konzerten mit alten und neuen Songs.
2018 spielte die Band zur Eröffnung der Ruhrfestspiele in Recklinghausen den Titel „Der Bergbau geht – der Kumpel bleibt“ und im Herbst 2018 bei der Veranstaltung der Bergleute anlässlich der Schließung der letzten Zeche. Zurzeit probt die Band wieder in Wulfen, ihrem Gründungsort von 1983 alte und neue Songs ein. 2017 war „Virus D“ Bestandteil der Ausstellung „Rock & Pop im Ruhrpott“ auf der Zeche Zollverein in Essen und in dem parallel erschienenen Buch mit gleichlautendem Titel. (Ruhr Museum / Klartext Verlag).

Die „Virus D“-CD „Neuland“ soll bis Ende 2018 erscheinen

Inzwischen hat die Gruppe ein neues Album in Arbeit: „Neuland“ wird die CD heißen und noch im Laufe 2018 auf den Markt kommen. Da die Band kürzlich einen Vertrag mit der bekannten Vertriebsfirma „Bellaphon“ unterzeichnet hat, sind übrigens auch die alten „Virus D“-Tonträger inzwischen bei den gängigen Internet-Streaming-Diensten erhältlich.


Quellen: Wikipedia (Aufruf: Virus D, 2018). – Wulfen-Wiki (Aufruf 2018) . – DZ vom 27. April 2018.

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