Virtuell-Visuell

Aktiver Kunstverein arrangiert internationale Ausstellungen in Dorsten

Grafitti

Vom Verein in einem Workshop gefördertes Graffito

Der im Jahre 2000 gegründete Kunstverein „Virtuell-Visell – Kunst kompakt“ mit Sitz in Dorsten um den Maler Bernd D. Heßbrügge und die Schermbecker Dipl.-Kulturpädagogin Hella Sinnhuber (Mitglieder 2014: 90) veranstaltet seitdem in Dorsten und der Region internationalen Ansprüchen genügende Kunst-Projekte. Dabei sind die Aktionen Kunst oft zum Begreifen im wahrsten Sinne des Wortes. Mit den Aktivitäten will der Verein avantgardistisch dazu beitragen, zu einer neuen Bewertung zeitgenössischer Kunst in diesem Raum zu gelangen, das Niveau moderner Kunst in der Stadt auf ein anspruchsvolles Maß zu setzen, einen selbstbewussten Weg durch die zeitgenössische Moderne aufzeigen und der Kunst einen angemessenen Ort zu geben. Dadurch sollen Diskussionen ausgelöst werden, die zu Dialogen führen – virtuell und visuell.

Bernd D. Heßbrügge verzog nach Norddeutschland

Bernd Dietrich (Heßbrügge)

Bernd Dietrich (Heßbrügge)

Die ersten „Kunsttage“ wurden 1999 in der leer gezogenen Bonifatiusschule in Holsterhausen mit internationalen Künstlern unter dem Motto „Wissen-Macht-Demokratie“ und unter starker Beachtung der Medien und kunstinteressierter Bevölkerung durchgeführt. Mitte des Jahres 2000 veranstaltete der Verein das viertägige „2. Internationale Kunst-Kompakt-Festival“ unter dem Titel „Abgestellt“ mit überwiegend kanadischen Künstlern in den Atelier-Räumen von Bernd D. Heßbrügge am Essener Tor. Schon 2003 wurde das Atelier dort aufgegeben, als Heßbrügge nach Norddeutschland zog. Jetzt wohnt er in Schermbeck. Inzwischen ist auch Hella Sinnhuber als Vorsitzende ausgeschieden (derzeit Angelika Krumat). Beide blieben aber in Dorsten aktiv. Bis dahin konnte der Verein bei seinen Aktionen nach eigenen Angaben rund 200.000 und bei seinen Ausstellungen rund 5.000 Zuschauer verzeichnen.

Kontrollierte Spray-Kunstwerke

Unter Anleitung und Begleitung des Essener Spray-Grafikers Shedster durften 2009 junge Künstler an der Woolworth-Wand in der Patersgasse Graffiti sprayen. Diese Kunst-Aktion sollte der Auftakt für weitere erlaubte und kontrollierte Spray-Kunstwerke in Dorsten sein. Eine weitere Aktion fand 2010 statt.

Ausstellungsräume des Kunstvereins

Ausstellungsräume des Kunstvereins

Die 2005 bezogenen Ausstellungsräume im leer gezogenen Woolworth-Haus in der Innenstadt mussten 2009 aufgegeben werden. Der Verein fand 2010 in der früheren TR-Galerie in der Wiesenstraße eine neue Bleibe. Das Ausstellungs- und Projektprogramm zeigt die große Vielfalt, mit der sich dieser Dorstener Kunstverein erfolgreich befasst, indem er an möglichst vielen unterschiedlichen Ausstellungsorten – auch außerhalb von Dorsten – die unterschiedlichsten Künstler aus den unterschiedlichsten Regionen und Ländern einen möglichst unterschiedlichem Publikum zeigt und es nach Möglichkeit in die Aktionen einbezieht. Als Ausstellungsorte dienten bisher u. a. die Lohnhalle der Zeche Fürst Leopold, die fest installierten Schauräume an der Essener Straße, ViVi-Schauräume an der Bismarckstraße, das Jüdische Museum Westfalen und das quartier d in Hervest-Dorsten. Projekte fanden u. a. statt in der Zeche Fürst Leopold, in Schulen, im Ostseebad Zingst und in Recklinghausen. Dazwischen lädt „Virtuell-Visuell“ regelmäßig zu Vorträgen und Diskussionen über Kunst, Kunstbegriffe und aktuelle Themen ein.

Neues Projekt: „Kunst bewegt Räume“

Langjährige Vorsitzende Angelika Krumat

Langjährige Vorsitzende Angelika Krumat

Fördermittel des Landes, weitergeleitet über die Bezirksregierung Arnsberg und die KulturRuhr GmbH wurden 2011 für das Projekt „Kunst bewegt Räume“ bewilligt, an dem sich die Kunstvereine aus Dorsten (Virtuell-Visuell), Gelsenkirchen (KulturInitiative Emscher-Lippe, Kunstverein) und Herne (Unser Fritz 2/3) beteiligen. Geplant ist das Gemeinschaftsprojekt als Fortsetzung des „Gahlenschen Kohlenwegs“, die Quellgewässer von Emscher und Lippe zwischen dem Vestischen Höhenrücken und Gladbeck „mit künstlerischen Mitteln wieder sichtbar“ zu machen.  2014 veranstaltete der Verein bereits zum siebten Mal die „Kunstroute“ mit 32 Künstlern aus 16 Orten. Von 2006 bis 2014 war Angelika Krumat Vorsitzende. In dieser Zeit veranstaltete der Vorstand, der sich 2014 nicht wieder zur Wahl stellte, 37 Ausstellungen und Projekte. Neue Vorsitzende ist Sabine Bachem.

„Stühle an den Schölzbach“ – sie laden visuell ein

Stühle am Schölzbach von ..............

Stühle am Schölzbach von Billie Erlenkamp

Stühlerücken, die „Reise nach Jerusalem“, der „Heilige Stuhl“ und der Spruch „jemanden den Stuhl vor die Tür setzen“ hat alles etwas mit Stühlen – doch nichts mit Kunst zu tun. Mitte 2012 setzte der Kunstverein „Virtuell-Visuell“ dennoch Stühle an den Schölzbach – und die haben was mit Kunst zu tun. Das mag irritieren und gleichzeitig neugierig machen. Kunst bewegt Räume und auch Menschen. Die Künstlerin Billie Erlenkamp hat die Stühle im Auftrag von „Virtuell-Visuell“ an den Bachrand gesetzt. An sechs Standorten entlang des Schölzbachs, zwischen Bahnlinie in der Feldmark und Mündung in die Lippe, hat die Künstlerin in lockerer Gruppierung jeweils zwei oder drei der hölzernen Sitzgelegenheiten installiert. Zwei Standorte wurden von Grundbesitzern bemängelt. Diese Standorte hat der Kunstverein im Dezember 2012 durch andere ersetzt. Die „Hülsdünker“-Stühle stehen jetzt nahe am Klimawald (Gladbecker Straße) und die „St. Elisabeth“-Stühle an der Straße „Am Schölzbach“ gegenüber dem ehemaligen Woolworth-Parkhaus. Für 2013 sind weitere Stuhl-Standort geplant. Entlang des Schölzbaches sind insgesamt zwölf Stuhl-Installationen vorgesehen. Michael Klein am 4. Dezember 2012 in der DZ:

„Das Kunstprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Eigenart, die Präsenz und Sichtbarkeit des Schölzbaches in den Fokus zu nehmen. Die von Billie Erlenkamp ausgewählten Orte sind nicht unbedingt idyllische, für die Aufstellung von Stühlen oder Bänken prädestinierte Räume, sondern eher solche, die den Bach in seiner Zurückgezogenheit und Verstecktheit wahrnehmbar machen.“

Sechs ViVi-Künstler zeigten  im Oktober 2013 unter dem Titel „Dorsten – Ansichtssache“ Bilder ihrer Heimatstadt aus ihren mentalen und künstlerisch unterschiedlichen Blickwinkeln in der ViVi-Galerie in der Wiesenstraße: Moritz Brilo, Alexander Fichtner (Fotos), Jürgen Kaub, Heidrun Kohlgraf, Jannis Koncans und Brigitte Stüwe. 2014 zeigten 36 Kunstschaffende an 16 Orten in Dorsten, Bottrop, Gladbeck, Raesfeld und Schermbeck ihre neuen Arbeiten („Kunstroute 2014“). Die Ausstellung Kunstroute 2015 fand im Herbst im früheren Verwaltungsgebäude der Quarzwerke an der Kirchhellener Straße mit Werken von Martino Dimo, Bernd Eitschberger, Doris Gerhard, Otto Krumat, Wilhelm Müller, Bernd Niehl, Regina Schumacher, Brigitte Strüwe, Kastulus A. Wolf und Slavica van der Schors statt.

„Die rote Katze“ in der Maschinenhalle von Fürst Leopold

Jiny Yoon mit der weißen Maus und der roten Katze; Foto: DZ

Jiny Yoon mit der roten Katze; Foto: Dorstener Zeitung

Hervorzuheben ist noch die Ausstellung „Die rote Katze“ mit Werken der in Düsseldorf lebenden koreanischen Künstlerin Jiny Yoon, die Virtuell-Visuell im September 2015 in der Maschinenhalle Fürst Leopold ausstellte. Im Mittelpunkt stand eine 2,10 Meter hohe und fünf Meter lange rote Katze. Wenn die Künstlerin das eigentlich kleine Haustier riesengoß macht, denkt sie über die Verschiebung von Machtverhältnissen nach, fragt, wie das eigene Ich unterdrückt werden kann. Ein anderes Werk hieß „Für deine heimliche Angst“.

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