Urbanuskirche

Rhader Pfarrer verkaufte Kanzel und Kommunionbank für 250 Mark

Urbanuskirche in Rhade, Foto: JF

1489 wurde Rhade von Lembeck unabhängig und die kleine Rhader Kapelle erhielt Pfarrrechte, die vermutlich zu Ehren des Papstes Urban V. benannt wurde. Der erste Pfarrer ließ bereits im zweiten Jahr nach seiner Amtseinführung eine aus der Werkstatt Mas 1491 stammende Kanzel einbauen, was bei spätmittelalterlichen Kirchen selten war. Es ist eine dreischiffige sechsjochige Hallenkirche. Auch Rhade war in der Reformationszeit protestantisch. In diese Zeit fällt der Bau des Kirchturms von 1560. Die Seelsorge kam auf Grund der Reformation fast gänzlich zum Erliegen, so dass die Seelsorge von den Franziskanern in Dorsten übernommen werden musste. Die gegenreformatorische Visitation von 1592 und spätere Kontrollen dokumentieren aus katholischer Sicht die schlimmsten Verhältnisse in der Gemeinde.

Einschiffige Kirche im 19. Jahrhundert mit gotischen Fenstern umgebaut

Urbanuskirche in RhadeNach dem Dreißigjährigen Krieg war auch Rhade verwüstet und es hatte kaum noch 100 Einwohner. Kinder wurden kaum noch geboren. 1670 gab es nur zwei Taufen im ganzen Jahr. Es setzte die Gegenreformation durch den Bischof Bernhard von Galen ein. Rhade und die anderen Dörfer wurden rekatholisiert. Die 830 Pfund schwere Glocke stammt von 1723, um 1800 bekam die Kirche neue Bänke, die allerdings schon 1848 auf Grund von Beschwerden ausgewechselt wurden, weil sie zu schmal waren (diese neuen Bänke wurden wiederum 1980 ersetzt). 1801 bekam die Kirche eine Orgel. 1839 erfolgte der Abbruch der älteren (spätgotischen) einschiffigen Kirche mit ihren gotischen Fenstern  und 1841 kam ein neues Gotteshaus hinzu. 1848 wurde der Turm um ein Glockengeschoss mit Helm erhöht und 1867 das Westportal erneuert. In der Zeit des Kulturkampfes hatte die Gemeinde bis 1884 keinen Pfarrer.

1996 ein grundlegend neuer Anstrich

Im Jahre 1911 verkaufte Pfarrer Brockhausen die von 1491 stammende Kanzel und eine Kommunionbank für 250 Mark an den aus Dorsten stammenden Kölner Kunsthistoriker Dr. Witte, weil dem Pfarrer die Form der Kanzel nicht gefiel. Sie ist heute im Kölner Schnütgen-Museum zu sehen. Die Kanzel kam 1989 für vier Wochen als Leihgabe an die Rhader Kirche zurück. 1951 bis 1956 wurde die Kirche umgestaltet und nach Osten hin erweitert und die Spitzbogen in Rundbogen umgebaut. 1996 erhielt die Kirche einen grundlegend neuen Anstrich und eine neue Empore im Turm. Zwei Jahre später konnte eine neue Orgel eingeweiht werden. Städtebaulich, baukünstlerisch und baugeschichtlich ist St. Urbanus von überörtlicher Bedeutung. – Das nach der Ärztin Carola Martius (1913 bis 1973) genannte Pfarrheim wurde 1992 fertig gestellt.


Siehe auch:
Kirchen, kath.

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