Tüshaus-Mühle

Ursulinen brachten ihren Urin zum Walken von Wolle

Tüshaus-Mühle in Deuten, Foto: JF

Die Tüshaus-Mühle ist eine Wassermühle in Deuten an der B 58 zwischen Freudenberg und Deuten am südlichen Rand der Üfter Mark, wo das Wasser des Hammbachs von Rhade kommend zum Mühlenteich gestaut wird. Sie war bis 1970 in Betrieb. Die Geschichte des Tüshaus-Hofs, zu dem die Mühle gehört, lässt sich bis in das Jahr 1382 zurückverfolgen. Die Herren von Lembeck, die in ihrer „Herrlichkeit Lembeck“ das Wasserrecht innehatten, verpachteten 1615 eine vom Wasser des Hammbachs angetriebene Walkmühle an Tüshaus. Die Mühle war jedoch nicht der erste Bau an dieser Stelle, da sie auf älteren Fundamenten aufgebaut wurde. In der weitläufigen Heidelandschaft der Umgebung wurden vor allem Schafe gehalten, die Wolle in der Tüshaus-Mühle von einem Hammerwerk gewalkt und als Filzstoff an die Tuchmacher der Region zur Weiterverarbeitung verkauft. Den zum Walken notwendigen Urin lieferten u. a. die Ursulinen in Dorsten.

1890 in den Besitz von Tüshaus

Der Mühlteich, Foto: JF

In den Abrechnungsbüchern der Mühle stehen Kunden aus Wesel, Recklinghausen, Westerholt, Dülmen, Münster und Dinxperlo. Im 19. Jahrhundert wurde mit dem Rückgang der Schafhaltung der Betrieb der Walkmühle jedoch zunehmend unrentabel, sodass die Müller Lüer und Kleine Pecklen 1880 zum letzten Mal Stoffe walkten. Die Mühle war schon 1752 aufgestockt und um ein zweites Mühlrad erweitert worden, so dass sie seit 1754 dem Pächter Joan-Heinrich Tüshaus auch als Ölmühle diente. Das Öl wurde dabei vor allem aus Raps und Leinsamen der umliegenden Felder gewonnen. 1880 war Albert Borsthaus Ölmüller, ihm folgten Dumpe und Schetter. Die alten Anlagen der Ölmühle wurden 1914 durch eine moderne Hydraulik ersetzt. Der Betrieb der Ölmühle wurde aus wirtschaftlichen Gründen um 1948 eingestellt.

1890 hatte der Pächter Heinrich Tüshaus die Mühle vom Grafen Merveldt gekauft. Im gleichen Jahr ließ er eine Getreidemühle mit zwei Mahlgängen im ausgebauten Dachgeschoss einbauen. Das alte Mühlrad wurde dabei durch eine moderne Farncis-Turbine ersetzt. Der erste Kornmüller hieß Kemper, ihm folgte 1965 Gerhard Böing. Unter dem wirtschaftlichen Druck der Großmühlen gab der Eigentümer Hermann Tüshaus 1970 auch den Betrieb der Getreidemühle auf.

Mühle ist ein einmaliges Kulturgut

Technisches Kulturdenkmal Tüshaus-Mühle, Foto: JF

Im Februar 1982 kamen Vertreter des Westfälischen Amts für Denkmalpflege, der Oberen Denkmalbehörde und der Stadt Dorsten zu einem Ortstermin zur Tüshaus-Mühle. Mit ihrer wechselvollen Geschichte und verschiedenen Nutzungsformen wurde sie für einmalig und erhaltenswert befunden. Die Kosten für eine erste Instandsetzung wurden mit 45.000 DM veranschlagt. Da für einen Mühlenbetrieb zahlreiche Teile der Technik eigens angefertigt werden mussten, bot sich der Müller Johannes Böing an, die Mühle zu restaurieren. Er hatte in den letzten Betriebsjahren der Tüshaus-Mühle den Beruf des Müllers bei seinem Vater Gerhard Böing gelernt und arbeitete in der Mühle Mense in Dorsten-Hervest. Mit der Zusage der Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen begann im Herbst 1983 die Restaurierung des Mühlengebäudes. Der Eigentümer Max Tüshaus verpachtete die Mühle 1984 an die Stadt Dorsten. 1985 waren die Arbeiten am Bau abgeschlossen, die Restaurierung der Mühlentechnik dauerte an. 1986 wurde die Tüshaus-Mühle als technisches Kulturdenkmal anerkannt. Der Museumsbetrieb der Mühle wurde 1987 aufgenommen. Die Stromanlage von 1908 wurde 1989 von der VEW restauriert.

Johannes Böing, Müller und Mühlenführer

Backhaus an der Tüshaus-Mühle, Foto: JF

Zu besonderen Anlässen wie dem alle zwei Jahre stattfindenden Mühlenfest, dem „Tag des offenen Denkmals“ oder dem Deutschen Mühlentag der DGM wurde die einzige voll funktionsfähige Wassermühle Nordrhein-Westfalens betrieben. Im benachbarten Backhaus wurden dann aus dem gemahlenen Korn Brote gebacken. In den Sommermonaten führte der Müller jeweils am ersten und letzten Wochenende Besucher durch die Mühle. Jährlich kamen  etwa 6.000 Besucher in die Mühle.

„Sobald ich auf meinen Füßen stehen konnte, war ich hier in der Mühle“, erinnerte sich Mühlenführer Johannes Böing im Gespräch mit Christiane Gossen von der „Dorstener Zeitung“. Fast 30 Jahren lang war er für die Instandhaltung der Tüshaus-Mühle und für Führungen zuständig. 2011 beendete er diese Tätigkeit aus Altersgründen. Johannes Böing ist Jahrgang 1932. Er hofft, einen Nachfolger für die Museumsführungen in der Mühle zu finden. Bereits sein Vater war 50 Jahre lang in der Tüshaus-Mühle tätig und die Familie wohnte in einem Haus ganz in der Nähe der Mühle. 1947, mit 14 Jahren, begann Böing eine Lehre als Müller in Schermbeck. Vier Jahre später fing er als Müller in der Tüshaus-Mühle an und wechselte 1965 zur Mühle Mense in Hervest. Dort arbeitete er bis 1998 und ging dann in den Ruhestand.

Ab 2014 wieder Strom aus Wasserkraft und Förderverein gegründet

Nach einer aufwändigen Restaurierung produziert die Tüshaus-Mühle ab Mai 2014 wieder Strom durch Wasserkraft. RWE, Volksbank und die landeseigene Energieagentur NRW haben der Stadt dabei geholfen, die denkmalgeschützte Wasserkraftanlage zu restaurieren. Dafür wurden ein neuer Wechselstromgenerator installiert und die Drehzahl der Turbine unter der Maßgabe verändert, dass die vorhandene Technik und das historische Aussehen vollständig erhalten bleiben sollten. Zudem wurde die bestehende Heizungsanlage gegen energieeffizientere Geräte ausgetauscht. Die Tüshaus-Mühle kann nun über die moderne Wechselstromanlage den Strom für alle ihre Maschinen, außerdem Licht und Wärme produzieren. Der überschüssige Strom wird in die Leitungen der Dorstener Netzgesellschaft eingespeist. – Mitte 2014 wurde ein Verein mit dem Namen „Gemeinnütziger Förderverein Kulturdenkmal Tüshaus-Mühle“ etabliert. Zur Gründungsvorsitzenden wählte die Versammlung Margarete Tüshaus.  Der Tüshaus-Verein, die Stadt und der Heimatverein feierten im September 2015 das 400-jährige Bestehen der Mühle mit einen Feuerwerk, mit Musik und einem Mühlenfest.


Siehe auch:
Deutscher Mühlentag
Themenroute „Brot und Bier“
Tüshaus-Gut
Tüshaus-Hofkreuz
Tüshaus-Kapelle


Quellen:
Nach Wikipedia, Online-Enzyklopädie. – Christiane Gossen „Müller hört auf: Johann Böing sucht Nachfolger für Tüshaus-Mühle“ in DZ vom 13. Juni 2011. – Michael Klein in DZ vom 13. Mai 2014

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