Tempelmann, Hubert

Von der Kaffeerösterei zum Immobilien- und Investitionssektor

1930 in Holsterhausen bis 2000 in Dorsten; Unternehmer. – Seine Eltern, Hubert und Antonia (geboren 1900), heirateten 1924 und übernahmen im selben Jahr den Kolonialwarenladen ihrer Eltern, aus dem die Lebensmittelgroßhandlung Tempelmann entstand. Die Tempelmanns belieferten alle „Tante-Emma-Läden“ im Umkreis von 60 Kilometern mit Schuhcreme und Schnürsenkel, Aufnehmern und Apfelsinen, Bananen und Bürsten – aber auch mit „Tempelmann“-Kaffee. Denn die Kaffeerösterei war Familientradition und der Name Tempelmann in Gaststätten und Cafés ein Begriff. Hubert Tempelmann sen. (Zeitungsbild)1963 übernahm Hubert Tempelmann den Laden und die Rösterei von seinen Eltern und gab den Betrieb 1984 an seinen Sohn Hubert Tempelmann jun. weiter. Hubert Tempelmann sen., dessen Beraterin und Stütze seine Frau Hildegard war (verstorben 2012), fand ein drittes Standbein, den des Investors für Einkaufsmärkte „auf der grünen Wiese“. In den 1960er-Jahren war der Einkaufsmarkt an der Bochumer Straße noch eine revolutionäre Idee. Dann wurde das Bauen seine Leidenschaft: Wohnanlagen, Geschäftshäuser und immer wieder Supermärkte bis nach Niedersachsen. In Dorsten erinnern an ihn der Prisma-Gebäude-Komplex, das Arbeitsamt, das „Boulevard“ am Essener Tor (heute Commerzbank), die sanierte alte Marienschule, Burger-King auf dem ehemaligen Tatra-Gelände u. a. – Heute ist die Tempelmann-Gruppe (Tedo, Tempelmann Dorsten) auf dem Immobilen- und Investitionssektor tätig, jüngst auch im Bereich des ehemaligen Zechengeländes Fürst Leopold.

TransFair-Kaffee aus Dorsten

Der politisch korrekte Deutsche trinkt nicht irgendeinen Kaffee. Um das beliebte Gebräu mit gutem Gewissen zu genießen, greift er zu den Bohnenpackungen mit TransFair-Siegel und zahlt dafür auch gerne etwas mehr. Der gleichnamige Kölner Verein sorgt mit den Lizenzgebühren dafür, dass die Kaffeebauern in Übersee ein erträgliches Auskommen haben. Jetzt freilich wird es schwer, sich für den richtigen Kaffee zu entscheiden: Auf den Markt kommen nämlich Greenpeace-Bohnen – sie sollen noch zukunftsverträglicher sein als herkömmlicher TransFair-Kaffee. Kein Wunder, dass die Kölner TransFair-Organisatoren, die ohnehin mit schrumpfendem Absatz zu kämpfen haben, deswegen irritiert waren, wie Geschäftsführer Dieter Overath zugibt. Man einigte sich mit Greenpeace schließlich darauf, dass auch der „Green Change“-Kaffee, so die offizielle Bezeichnung, das TransFair-Siegel trägt.

Neue Marke mit prominenter Hilfe bekannt machen

Was also zeichnet die Greenpeace-Bohnen aus, zumal ihr Lieferant, die Firma Tempelmann aus Dorsten, auch bisher fairen Kaffee produzierte? Sie stammen zu 100 Prozent aus biologischem Anbau (normaler TransFair Kaffee: rund 30 Prozent), sind ökologisch korrekt, nämlich aluminiumfrei verpackt. Und die Fabrik, in denen der Kaffee hergestellt wird, soll von Anfang 2001 an sogar ohne Atomstrom arbeiten. Der Greenpeace-Kaffee ist das erste „future product“, mit dem die Umweltschützer um die Gunst der Verbraucher werben. Derweil versucht TransFair, neue Märkte zu erschließen – mit prominenter Hilfe. Anlässlich der bundesweiten Einführung von Orangensaft mit dem Ethiksiegel engagiert sich Giovane Elber, der brasilianische Fußballkünstler in Diensten des FC Bayern München, für fairen Handel und gegen Kinderarbeit beim Orangenpflücken. Rund 90 Prozent des hierzulande konsumierten Orangensaftes stammen aus Elbers Heimat Brasilien (DIE ZEIT, 21/2000).


Siehe auch:
Unternehmer

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