Stegemann, Augustin

Pfarrer von Hervest passte sich der Industrialisierung an

1845 in Holthausen/Laer bis 1911 in Hervest; Pfarrer. – 21 Jahre lang wirkte er in Hervest in einer Zeit, in der sich ein Teil der Gemeinde durch die fortschreitende Industrialisierung und den Bergbau stark veränderte. Augustin Stegemann kam 1890 als Pfarrer nach Hervest; nachdem er 1870 zum Priester geweiht worden war. 500-Stegemann Pfarrer-HervestVon 1871 bis 1884 war Kaplan in Wulfen, danach in Warendorf. Der Pfarrhof, in den er bei seiner Ankunft in Hervest einziehen musste, war heruntergekommen. Es war das uralte Gut Schollbrock, das einst den Herren von Hervorste gehörte. Pfarrer Stegemann, der die Knechte und Mägde seins Vorgängers Eming übernahm, ließ das Haus und die Stallgebäude renovieren. Auch die Kirche bezeichnete er als „klein, alt und  verfallen“. Daher führte er ein Jahr nach seiner Ankunft den „Klingelbeutel“ wieder ein, um Geld für die Kirchenrenovierung zu sammeln. Da ihm der Weg vom Pfarrhof zur Kirche mit 18 Gehminuten zu lang war, und er sich nicht berufen fühlte, als Bauer das Pfarrgut zu bewirtschaften, beantragte er beim Bischöflichen Generalvikariat in Münster den Neubau eines Pfarrhauses in unmittelbarer Nähe der Kirche, der genehmigt wurde. Schon 1892 konnte Pfarrer Augustin Stegemann einziehen. Den alten Pfarrhof verpachtete er mitsamt der dazugehörigen Landwirtschaft. Wiederum ein Jahr später beschloss der Kirchenvorstand den von Pfarrer Augustin angeregten Erweiterungsbau der Kirche.

Der Bergbau veränderte stark das Gesicht der Gemeinde

Durch die Industrialisierung der Gemeinde und Abteufung der Zeche Baldur in Holsterhausen, bei der auch viele Hervester beschäftigt waren, stieg die Bevölkerung in Hervest erheblich an. Die neue Paulusschule wurde gebaut und Kohlen-Probebohrungen auf Hervester Gebiet durchgeführt.1902 gründeten 25 Hervester einen Knappenverein. Durch Zusammenlegung mit dem Arbeiterverein entstand daraus die KAB. 1905 gab es bereits 1258 Katholiken und 138 Protestanten in Hervest, davon allein 809 Katholiken und 136 Protestanten in der Wenge. Unter den Bewohnern von Hervest-Dorsten Bezirk Bahnhof bildete sich daher im Jahr 1904 der Kirchbauverein St. Marien/Wenige, dessen Ehrenpräsident Antonius Stegemann war. 1909 beschloss der Verein, eine Notkirche zu bauen. Die Grundsteinlegung war am 11. Juni 1909 und am 16. März 1910 wurde die St. Ma­rien Kirche geweiht. Das 1. feierliche Hochamt hielt an diesem Tage Pfarrer Ste­gemann. St. Marien wurde erst am 1. April 1952 selbstständige Pfarrei. Vom 23. April 1916 bis 1952 gehörte St. Marien als Rektorratsgemeinde zu St. Paulus. Nachdem seit 1890 die Kaplaneistelle in Hervest unbesetzt war, reichte Pfarrer Stegemann 1909 ein Gesuch um Anstellung eines Kaplans bei der bischöflichen Behörde ein. Bereits am Sonntag nach Maria Himmelfahrt hielt der neuernannte Kaplan Julius Krick aus Münster sein erstes Hochamt in der St. Paulus Kirche. Pfarrer Stegemann ließ für ihn eine Kaplanei bauen.
Vorläufig wohnte Augustin Stegemann noch im Pastorat. Die neue Kaplanei wurde nicht, wie bei der Anlegung des Kaplaneifonds im Jahre 1854 beabsichtigt, im Dorf gebaut, son­dern entstand nahe der neuen St. Marien Kirche und wurde 1910 bezogen.

Augustin Stegemann, Pfarrer und Bauherr, starb 1911

1909 begannen die Arbeiten für die Zeche „Fürst Leopold“. Erstmals erreichte die Einwohnerzahl von Hervest 2.000. Pfarrer Augustin Stegemann erkrankte im Frühjahr 1911 schwer uns starb am Fronleichnamsfest. In seinen 21 Amtsjahren hatte er zwei Pfarrhäuser gebaut, die Kirche renovieren und einen Anbau errichten lassen. Er war es auch, der die Pfarrchronik verfasste. Unter großer Anteilnahme der Gemeinde wurde Pfarrer Augustin Stegemann am 19. Juli 1911 bestattet.

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