Stadthalle passee

1981/82 Rekorddefizite der Städte und Gemeinden

In Vergessenheit geraten sind heute die für die Haushaltslage schwierigen Jahre 1981/82, weil die heutige Wirtschafts- und Haushaltslage im Bund und in den Kommunen im Vergleich zu damals weitaus schwieriger ist. 1981/82 stiegen die Haushaltsdefizite der Kommunen auf ein bis dahin nicht gekanntes Rekordhoch. Es musste rigoros gespart, Leistungen abgebaut sowie Steuern und Gebühren erhöht werden. Zu den klammen Kassen haben u. a. Konjunkturflaute, Kostenexplosionen und Fehlkalkulationen bei Prestigeobjekten beigetragen. Es gab bundesweit 11.000 Firmenzusammenbrüche und man beklagte 1,7 Millionen Arbeitslose (!).

In Dorsten hatte man gerade den Neubau des Kulturzentrums Maria Lindenhof hinter sich gebracht. Eingeweiht wurden der Neubau des Gymnasium Petrinum sowie das Lippetor-Center, das damals noch Wilma-Center hieß, die Fußgängerbrücke über den Kanal im Bereich Maria Lindenhof, das neue Seniorenzentrum Maria Lindenhof, die Eissporthalle. Über die 30.000 DM hohen jährlichen Kosten der teuersten Rolltreppe im Bereich der Unterführung am Lippetor  ärgerten sich die Stadträte und der Textilbetrieb Feilgenhauer stellte in Wulfen die Arbeit ein.

„Wer heute eine Stadthalle bauen will, gehört in dieselbe eingemauert!“

Der damalige Stadtdirektor Dr. Karl-Christian Zahn liebäugelte aber immer noch – und das noch jahrelang – mit dem Bau einer Stadthalle. Anbaumöglichkeiten dafür waren architektonisch bereits in den 1970er-Jahren am Gebäudekomplex des Kultur- und Bildungszentrums Maria Lindenhof vorgesehen. Doch es kam nie zum Bau der Stadthalle. Aus 1981 ist ein Ausspruch des damaligen Bundeswirtschaftsministers Graf Lambsdorff (FDP) bekannt, mit dem er auf die Haushaltsdefizite der Kommunen reagierte: „Wer heute noch eine Stadthalle bauen will, gehört in dieselbe eingemauert.“ (Zitat: „Der Spiegel“ 19/82 vom 10. Mai 1982.)

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