Spaemann, Prof. Robert

Papst Benedikt XVI. schätzte den Religionsphilosophen sehr

Geboren 1927 in Berlin; Philosoph, Sohn von Heinrich Spaemann. – In Dorsten ist er besser bekannt als der „Sohn vom Kaplan“, denn sein Vater, Heinrich Spaemann, hatte sich als Kaplan von St. Agatha vor allem in den ersten Nachkriegsjahren um den Aufbau der Gemeinde verdient gemacht. Robert Spaemann verbrachte seine Schulzeit in Dorsten, besuchte das Gymnasium Petrinum, studierte Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik an den Universitäten Münster, München, Fribourg (Schweiz) und Paris.

Robert Spaemann

Autor und Religionsphilosoph Robert Spaemann; in Dorsten “Sohn des Kaplan”

Er promovierte 1952 in Münster, war vier Jahre Lektor im Kohlhammer-Verlag, danach Assistent in Münster, wo er sich 1962 in Philosophie und Pädagogik mit einer Arbeit über Francois Fénelon habilitierte. Als wissenschaftlicher Assistent in Münster nahm er an den Seminaren des „Collegium Philosophicum“ teil. Nach eigener Auskunft hat sich Spaemann nach dem Krieg für „kurze Zeit der Faszination der Lektüre von Marx und Lenin hingegeben, bis er, „im Rahmen von Aktivitäten, die heute verfassungsschutzrelevant wären“, den „realen Sozialismus“ kennen gelernt und so auch die Wahrheit über den kommunistischen Terror in Russland erfahren hat. In den 1950er-Jahren kritisierte er Pläne der damaligen Bundesregierung zur atomaren Aufrüstung der Bundeswehr. Zu dieser Zeit wurde er gelegentlich als „Linkskatholik“ apostrophiert.

Seine Frau Cordelia (1925 geborene. Steiner), die er 1950 geheiratet hatte, verstarb 2003. Sein Sohn Christian Spaemann ist Leiter der Klinik für Psychische Gesundheit am Krankenhaus St. Josef in Braunau am Inn. Seine Tochter Susanna Spaemann, Pianistin und Klavierpädagogin, lebt in Wien und ist mit dem Pianisten und Dirigenten Stephan Möller verheiratet; deren Tochter Marie Spaemann hat als Cellistin bereits zahlreiche Preise gewonnen. Spaemann war ordentlicher Professor für Philosophie an den Universitäten Stuttgart (bis 1968), Heidelberg (bis 1972) und München, wo er 1992 emeritiert wurde. Seit 2010 lehrt Robert Spaemann am Hausstudium der Abtei Mariawald.

Berater von Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo

Buchtitel "Nach uns die Kernschmelze"Papst Benedikt XVI. schätzte ihn als Berater und lud ihn im September 2006 nach Castel Gandolfo ein, um über das Verhältnis von Naturwissenschaft, Philosophie und Glauben zu referieren. Spaemann schreibt zeitkritische Beiträge zu ethischen, politischen und religiösen Fragen für überregionale Zeitungen. Seine Positionen, insbesondere zur Ökologie und zur Bioethik, werden über die Grenzen verschiedener Weltanschauungen und Parteien hinaus beachtet. Wegen seines Engagements für die Bewahrung der Schöpfung bezeichnete ihn die Berliner „Tageszeitung“ als Ökophilosophen. Auf Einladung der Bundestagsfraktion der Grünen referierte er zur Debatte um die Stammzellenforschung. Spaemann, der als Vertreter einer aristotelisch geprägten Naturphilosophie gilt, ist Mitherausgeber des anonymen Hauptwerks des christlichen Hermetikers Valentin Tomberg mit dem Titel „Die  großen Arcana des Tarot“. In der Wochenzeitschrift „Focus“ erklärte er in einem Interview über den Weltuntergang folgendes:

„Ich glaube nicht, dass die Menschheit noch eine sehr lange Zukunft hat. Ob das jetzt 500 oder 3.000 Jahre sind, weiß ich nicht. Aber dass die Menschheit noch Jahrtausende leben wird, halte ich für extrem unwahrscheinlich.“

Buchtitel und AutorDie Ursachen hierfür sieht er im zunehmenden Fortschritt durch die Wissenschaft und Technik und der Zunahme des Unwissens über die Hintergründe von Festen und Feiertagen. Dennoch wird es laut seiner Aussage Feste wie Weihnachten immer geben, solange Menschen auf dieser Welt leben. Spaemann trägt Ehrendoktorate von Universitäten in Fribourg, Washington, Santiago de Chile und der Opus Dei-Universität in Pamplona. Der „Sohn vom Kaplan“ erhielt im Jahr 2001 den Karl-Jaspers-Preis der Stadt und der Universität Heidelberg.

Erinnerung an seine Schulzeit in Dorsten

Zum 85. Geburtstag des „bedeutendsten konservativen Philosophen“ brachte der Verlag Clett-Kotta Spaemanns Autobiografie „Über Gott und die Welt“ heraus, in der der Autor auch seine Jugendzeit in Dorsten beschreibt. Er erinnert sich an seine Schulzeit im Gymnasium Petrinum: Schulleiter Dr. Georg Feil „hat mir einmal das Leben gerettet“, schreibt er. Eine Hitlerkarikatur hatte Spaemann heimlich an die Tafel des Zeichensaals gemalt, die Leiterin des verstaatlichten Ursulinengymnasiums, Dr. Franziska Radke, eine stramme Nationalsozialistin, wollte die Gestapo einschalten, um den Täter ausfindig zu machen. „Ich kann nicht zulassen, dass ihre Schüler dieses bösartige Produkt der Feindpropaganda zu Gesicht bekommen“, habe Feil gesagt und die Zeichnung ausgewischt, schreibt Robert Spaemann. Bemerkenswert, weil der Direktor, ebenfalls NS-Parteigenosse, ihm auch durch „plumpe Sprechblasen an nationalen Feiertagen“ auffiel.

Werke: „Der Ursprung der Soziologie aus dem Geist der Restauration“, Studien über L. G. A. de Bonald. Kösel, München 1959.2) A. Klett-Cotta, Stuttgart 1998. – „Reflexion und Spontaneität. Studien über Fénelon“, Kohlhammer, Stuttgart 1963; 2) A. Klett-Cotta, Stuttgart 1990. – „Einsprüche. Christliche Reden“, Johannes, Einsiedeln 1977. – „Zur Kritik der politischen Utopie. Zehn Kapitel politischer Philosophie“, Klett-Cotta, Stuttgart 1977. – „Rousseau, Bürger ohne Vaterland. Von der Polis zur Natur“, Piper, München 1980. – „Die Frage Wozu? Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens“, Piper (Serie Piper 748), München 1981; Neuausgabe als: „Natürliche Ziele“, Klett-Cotta, Stuttgart 2005. – „Moralische Grundbegriffe“, Beck (Beck’sche Reihe 256), München 1982. – „Philosophische Essays“, Reclam Stuttgart 1983; 2) erw. A. ebd. 1994. – „Das Natürliche und Vernünftige. Aufsätze zur Anthropologie“, Piper (Serie Piper 702), München 1987. – „Glück und Wohlwollen. Versuch über Ethik“, Klett-Cotta, Stuttgart 1989. – „Zur kirchlichen Erbsündenlehre. Stellungnahmen zu einer brennenden Frage“,. Johannes (Sammlung Kriterien 87), Einsiedeln 1994. – „Personen. Versuche über den Unterschied zwischen ,etwas’ und ,jemand’“,. Klett-Cotta, Stuttgart 1996. – „Töten oder sterben lassen? Worum es in der Euthanasiedebatte geht“, Herder, Freiburg im Breisgau 1997. – „Grenzen. Zur ethischen Dimension des Handelns“, Klett-Cotta, Stuttgart 2001. – „Das unsterbliche Gerücht. Die Frage nach Gott und der Aberglaube der Moderne“, Klett-Cotta, Stuttgart 2005: „Der letzte Gottesbeweis“, Pattloch, Düsseldorf 2007. – „Rousseau, Mensch oder Bürger. Das Dilemma der Moderne“, Klett-Cotta, Stuttgart 2008.


Quelle:
Nach Wikipedia, Online-Enzyklopädie. – Robert Spaemann „Über Gott und die Welt“. Lebenserinnerung, Clett-Kotta 2012.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht.
Abgelegt unter: , Personen