Sladky, Günther

Deutscher Meister stand lieber drei Runden im Ring als am Mikrofon

Empfang Günter Sladky (Mitte) 1951

Empfang Günter Sladkys (Mitte) 1951 in seiner Heimatstadt Dorsten

1929 in Dorsten bis 1981 in Dinslaken; Boxer, Deutscher Meister. – 1951: die letzten sieben Todesurteile gegen NS-Verbrecher wurden in Landsberg vollstreckt, Schah Reza Pahlewi heiratete seine Prinzessin Soraya, 130.000 amerikanische Soldaten nahmen am Korea-Krieg teil, die Gehälter für deutsche Fußball-Vertragsspieler wurden auf höchstens 20 DM monatlich festgeschrieben, Dorsten feierte den 700. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte und mehr als 10.000 Dorstener jubelten dem Mittelgewichtler Günther Sladky zu, als er am 2. Juni 1951 für seine gerade errungene Vizeeuropameisterschaft im Boxen von der Stadt, von Sportvereinen, Arbeitskollegen und Freunden auf dem Dorstener Marktplatz empfangen und geehrt wurde. Seine Wortkargheit am Mikrofon – „Lieber drei Runden im Ring als hier vor dem Mikrofon stehen“ – machte die Runde durch Deutschlands Sportpresse.

Nach der Verletzung wieder siegreich

Günter Sladky mit Trainer Jan ten Bulte

Günter Sladky mit Trainer Jan ten Bulte 1951

Boxexperten bescheinigten dem drahtigen, gut aussehenden Sladky die größte technische Reife unter den deutschen Boxern. Der italienische Boxverband zeichnete ihn mit einem Sonderpokal als fairsten Kämpfer des Mailänder Europaturniers aus. In der offiziellen Rangliste des Amateurboxverbandes stand Sladky 1951 an erster Stelle. Damit hatte die Blitzkarriere des gerade 22-jährigen Dorsteners ihren Höhepunkt erreicht, was damals allerdings noch niemand ahnte. Bereits 1949 stand Sladky im Endkampf um die deutsche Meisterschaft, die er 1950 erstmals gewann. 1951 wurde er zunächst Zweiter der Europameisterschaften und anschließend auch noch Deutscher Meister. Im Oktober 1951 nahm er an den Olympia-Vorbereitungen für Helsinki in München teil. Der Sportreporter Kurt Brumme interviewte ihn, Karikaturen zeigen ihn als den starken Mann. Für Olympia lief alles bestens. Die Wende kam unerwartet und bitter. In einem siegreichen Kampf gegen den holländischen Meister Jansen spürte Günther Sladky Schmerzen im Handgelenk. Diagnose: Splitter in den rechten Handgelenkknochen, Operation, ein Jahr Pause. Doch Sladky rappelte sich wieder auf. Bereits im Juli stand er wieder siegreich im Ring. Allerdings zu spät für Olympia. Kurz entschlossen wurde er Berufsboxer, gewöhnte sich aber nicht an das Showgeschäft des Berufssports. Seine wenigen Kämpfe als Profi nahmen viel von dem Glanz seiner früheren Amateur-Erfolge. Der Name Sladky verschwand aus den Zeilen der Sportpresse. Auch in Dorsten geriet er in Vergessenheit. Sladky verlor seine Freunde, wurde arbeitslos und teilweise arbeitsunfähig. Sein Tod 1981 in Dinslaken war für die Lokalpresse noch einmal Anlass, Erinnerungen an das einstige Idol wachzurufen. Folgendes Foto: Empfang Sladkys 1951 in der Essener Straße.

Festlicher Empfang Sladkys 1951 in der Essener Straßej


Siehe auch:
Sportler

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