Sirenen-Warnsystem

Im Ernstfall werden Sirenen flächendeckend wieder lautstark heulen

Die Sirenen kommen wieder!

Die Sirenen kommen wieder! In Dorsten 41 Stück flächendeckend auf den Dächern von Gebäuden

In Dorsten gibt es 18 Sirenenstandorte (Stand Dezember 2022): Alter Postweg 36, Am Stuvenberg 45, Barbarastraße 61, Erler Straße 41, Glück-Auf-Straße 267, Halterner Straße 62, Hellweg 7, Heroldstraße 1, Hohes Bram 86, Holbeinweg, Im Päsken 14, Im Werth 17, Kirchhellener Allee 111, Kleiner Ring 2, Marler Straße 50, Pliesterbecker Straße 76, Storchsbaumstraße 65 und Tönsholt 3. Aufgrund der Ausbaustufe 2022 sind noch nicht in allen Dorstener Stadtteilen Sirenen zu hören. Demnächst werden sechs weitere Sirenen errichtet.
Der Kreis Recklinghausen ist seit 2015 dabei, sein Kreisgebiet flächendeckend mit lautstarken Sirenen auszustatten, die in einem Notfall die Bevölkerung warnen. So war es vor 1992 und so soll es auch wieder werden. Nach der Wiedervereinigung wurde wegen der politischen Entwicklung und friedlichen Begegnung von Ost und West die öffentlichen Warndienste aus dem Verkehr gezogen. Allerdings findet nach 20 Jahren wieder ein Umdenken statt. Daher wurde das Zivilschutzgesetz entsprechend geändert, das die gesetzliche Grundlage für das Anbringen von Alarmanlagen an öffentlichen und privaten Gebäuden bildet. Zudem wurde  amtlicherseits festgestellt, dass im Ernstfall einer Katastrophe ein Großteil der Bevölkerung trotz guter Ausstattung der Einwohner mit Handys, Radio und Fernsehen gar nicht erreicht werden können. Vor Beginn der Ausbaumaßnahmen gab es im gesamten Landkreis Recklinghausen nur 66 Sirenen, die allerdings nur zur Alarmierung der Feuerwehr aufheulten. Diese Geräte sind 50 bis 60 Jahre alt. Für eine flächendeckende Ausstattung des Kreises müssten 160 Anlagen installiert werden, um die gesamte Kreisbevölkerung schlagartig zu waren und dazu zu bringen, das Radio einzuschalten. Lautstarke Sirenen, so sagen die Fachleute übereinstimmend, seien das tauglichste Mittel für diesen Zweck.

450.000 Euro für 41 Sirenen in Dorsten

In Dorsten sollen bis zum Jahr 2025 die bereits 18 existierenden Sirenen durch weitere 23 ergänzt werden. Danach würden 90 Prozent der Dorstener Einwohner die Sirenen hören können, was die Verwaltung für ausreichend hält. Wenn das Land den Kommunen auch eine Anschubfinanzierung gewährt, so deckt diese die Kosten bei weitem nicht. Für die Anschaffung der neuen und Umrüstung der bestehenden Warnanlagen müsste die Stadt 450.000 Euro aufbringen. Davon würde das Land zehn Prozent übernehmen.
Die Aufrüstung soll in Dorsten Schritt für Schritt umgesetzt werden. Überwiegend werden die neuen Anlagen auf öffentlichen Gebäuden installiert. Vorhandene sind zum Beispiel bei der Feuerwehr vorzufinden oder auf Schulen und dem Amtsgerichtsgebäude. Es kann aber auch private Eigentümer treffen. Sollte ein Standort besonders geeignet sein, können Hausbesitzer die Installation einer Sirene auf ihrem Hausdache nicht zurückweisen. Hier hat das Recht der Öffentlichkeit Vorrang vor dem Privatrecht. – Mit der Austauschaktion der Warnanlagen wurde am 10. Juli 2016 mit der Demontage der Sirene auf dem Dach des Dorstener Amtsgerichts begonnen und gleich ein Nachfolgemodell installiert. Dem folgten im Juli 2016 noch weitere Standorte: Pestalozzischule, Bonifatiusschule, Antoniusschule, Urbanusschule Rhade. Bei der Inbetriebnahme war jeweils ein kurzer Signalton zu hören.

Sirenen-Probe: Technische Panne löste Alarm eine Woche früher aus

Zwischen 10 und 10.15 Uhr ertönten am 12. April 2017 kreisweit Sirenen. Es war Probealarm zur Warnung der Bevölkerung. Allerdings war der Alarm nur in den Städten Dorsten, Datteln, Castrop-Rauxel, Gladbeck und Haltern zu hören. Marl, Recklinghausen, Waltrop, Herten und Oer-Erkenschwick waren dem Warnsystem noch nicht angeschlossen. Durch den Probealarm diente einerseits der technischen Überprüfung und andererseits sollte er die Bevölkerung mit den Signalen vertraut machen. Zuerst war 1 Minute Dauerton als „Entwarnung“ zu hören. Danach erfolgte ein einminütiger Heulton mit der Bedeutung „Radio einschalten und auf Durchsagen achten“. Zum Abschluss erfolgte nochmals ein Dauerton mit der Bedeutung „Entwarnung“. In fünf Städten wurde ein längerer Warnton versehentlich bereits eine Woche früher ausgelöst. Schuld war eine technische Panne in der Kreisleitstelle. Unter diesen Städten befanden sich neben Dorsten auch die Städte Castrop-Rauxel, Datteln, Haltern und Oer-Erkenschwick.

2020 groß angekündigter Sirenen-Alarm war ein Flop

„Um 11 Uhr nicht erschrecken!“ – So warnte am Donnerstag, den 10. September 2020, die „Dorstener Zeitung“ ihre Leser. Ähnlich warnten die Print- und Funkmedien in der gesamten Bundesrepublik vor dem probeweisen schrillen Sirenengeheul. Doch vielerorts hörte man kaum etwas oder gar nichts. So auch in Dorsten. Während in Holsterhausen, Barkenberg, Deuten, Lembeck kaum oder nichts zu hören war, waren die Sirenen in andern Stadtteilen schon lauter. Dass es diese „Geräusch-Unterschiede“ in Dorsten gegeben hatte, hatte seinen Grund: Bis 2020 war nur ein geringer Teil der Sirenen auf die moderne Digitaltechnik mit den neuen charakteristischen drei Tönen umgestellt worden. Der Endausbau in Dorsten mit dann 57 Sirenen ist erst für das Jahr 2025 vorgesehen. Sirenen sind nur eines von mehreren Instrumenten, um die Bürger im Katastrophenfall zu warnen. Neben Radio, TV, Online-Medien und digitale Info-Tafeln gibt es auch die Warn-Apps „NINA“ und „Katwarn“. Doch wegen einer technischen Panne funktionierten letztere an jenem Donnerst im September 2020 nicht. Sie warnten nicht, doch gaben sie später immerhin Entwarnung.

18 Sirenen heulten im Dezember 2022 – erstmals Cell-Broadcasting

Auch in Dorsten wurden am bundesweiten Warntag (8. Dezember 2022) die Sirenen getestet. Erstmals erfolgt auch eine Warnung per Cell-Broadcasting. Um die Bevölkerung bei außergewöhnlichen Gefahrenlagen sicher warnen zu können, hat die Stadt Dorsten im Jahr 2016 damit begonnen, sukzessive ein modernes, elektronisches Sirenen-System mit am Ende voraussichtlich 30 Standorten aufzubauen. Die Sirenen dienen als Rückfallebene für die Alarmierung der Feuerwehr und können nun zugleich die Bevölkerung warnen bei besonderen Lagen wie etwa Unfällen mit Gefahrguttransporten. Sie werden zum Beispiel auch bei Großbränden oder Naturkatastrophen ausgelöst. Der Warntag ist ein gemeinsamer Aktionstag, bei dem Bund und Länder sowie teilnehmende Kreise, Städte und Gemeinden in einer Übung ihre Warnmittel erproben. Um 11 Uhr aktivieren die beteiligten Behörden und Einsatzkräfte zeitgleich unterschiedliche Warnmittel. Bei der Sirenenprobe waren drei Töne jeweils eine Minute lang zu hören. Jeder Ton hatte eine bestimmte Bedeutung und gab damit vor, wie man im Ernstfall richtig reagiert: Dauerton, auf- und abschwellender Ton. Erster und letzterer Ton bedeuten „Entwarnung“, der auf- und abschwellende Ton steht für „Warnung“ und fordert dazu auf, das Radio einzuschalten und auf Durchsagen zu achten. Ein weiterer Ton, der bei der Sirenenprobe nicht ertönt, aber dennoch hin und wieder in Städten zu hören sein kann, ist der über eine Minute zweimal unterbrochene Dauerton. Über dieses Signal können die Feuerwehren zusätzlich zu ihren Meldern alarmiert werden.
Erstmals war die Katastrophen-Warnung auf Handys per Cell-Broadcast getestet worden. Bei dem System werden Nachrichten an alle kompatiblen Geräte geschickt, die sich im Bereich einer Funkzelle Zelle aufhalten – daher der Name Cell-Broadcast. Die Mitteilung sieht aus wie eine SMS. Warn-Apps wie NINA oder Katwarn müssen nicht auf dem Handy installiert sein, um alarmiert zu werden. Auch Menschen, die ein Mobiltelefon (kein Smartphone) nutzen, werden damit erreicht. In Deutschland war dieser Einsatz eine Premiere. In anderen EU-Staaten ist Cell Broadcast bereits im Einsatz. Der Dienst Cell-Broadcasting wurde am 8. Dezember zwar getestet, ein Zugriff für die Kreisleitstelle ist nach heutigem Stand aber erst ab dem 23. Februar 2023 möglich.

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