Antoniusplatz

Der frühere Marktplatz von Holsterhausen zwischen Dorf und „Kolonien“

Antoniusplatz heute, früher der Marktplatz von Holsterhausen mit dem Namen "Adolf-Hitler-Platz"; Foto: Stegemann

Das war einmal: Früher Marktplatz von Holsterhausen, dann “Adolf-Hitler-Platz”; Foto: Wolf Stegemann

Vorbemerkung: Der Name Antoniusplatz ist bislang nicht der offiziell ausgewiesene Name der mittlerweile bebauten Grünanlage. Seit 1945 hat der Platz keinen Namen mehr, daher auch kein Namensschild. Der Platz war bis 2019 eine lediglich unbebaute Rasenfläche. Doch im Volksmund nannten ihn etliche Holsterhausener Antoniusplatz – angelehnt an die dort vorbeiführende Antoniusstraße. Das städtische Vermessungsamt führt im Vorgriff auf einen notwendigen politischen Beschluss den Namen Antoniusplatz seit 2019 in ihren Akten. Und das auf der Rasenfläche errichtete Gebäude der städtische Kindertagesstätte trägt bereits am Haupteingang an der Breslauer Straße die Hausnummer 1, die es bereits am Anfang der Straße schon gibt. Offensichtlich wird nun das städtische Haus als Platz bezeichnet. Das Gebäude mit dazugehörigem Spielplatz nimmt die gesamte Grundfläche des sogenannten Platzes ein. Somit fehlt dem Platz der übliche bauliche Charakter. Wenn der eigentlich namenlose Baugrund zwischen den ihn umgebenden Straßen in diesem Lexikon als Antoniusplatz bezeichnet ist, dann deshalb, weil dieser Baugrund, vormals Wiese, alphabetisch als Platz besser zu finden ist, denn er hat auch eine Geschichte:
Vor 1933 war der Platz offiziell der „Marktplatz“ von Holsterhausen. Dann wurde er in „Adolf-Hitler-Platz“ umbenannt, bis ihm die Amerikaner 1945 diesen Namen wieder entzogen hatten. Marktplatz war er symbolisch deshalb, weil er in der Mitte Holsterhausens liegt, zwischen dem damals noch bäuerlich geprägten Dorf und den Bergbausiedlungen dies- und jenseits der Borkener Straße. Daher erfüllte er die Voraussetzungen, ihn nach dem Führer und Reichskanzler zu nennen. Heute ist die Fläche eingerahmt von der Wennemarstraße und der zu ihr parallel verlaufenden Breslauer Straße sowie auf den Schmalseiten von der Antoniusstraße, die bis 1945 Adolf-Hitler-Straße hieß, und der Dreckerstraße. Die Grünanlage ist mit altem Baumbestand besetzt und von einem Karree einer alten steinernen Grundmauer, die nur kurz aus dem Boden herausragt. Am Ende der Anlage hin zur fußläufigen Dreckerstraße schließt sich ein Kinderspielplatz an. Holsterhausener ließen vor der Bebauung auf dem „Antoniusplatz“ ihre Hunde springen oder sehen zu, dass der Hund beim Schnüffeln der sicherlich aufregenden Gerüche endlich „was macht“.

Die von der NSDAP gepflanzte Hitler-Eiche wurde nachts umgeknickt

Zu Ehren des Namensträgers Hitler pflanzte dort die Holsterhausener NSDAP am 1. Mai 1933 mit großem Trommel-Tamtam und Hakenkreuzfahnen eine „Hitler-Eiche“. Beim Pflanzen  verkündete der Holsterhausener NSDAP-Ortsgruppenleiter Dietz, dass diese Eiche ein „nationalsozialistisches Symbol des neuen Deutschland sei, denn der Nationalsozialismus werde die nächsten Jahrhunderte „blühen wie diese Eiche“. Die Holsterhausener Hitler-Eiche überdauert nicht einmal die folgende Nacht. Damals Unbekannte aus dem kommunistischen Milieu knickten sie nachts um. Die NSDAP machte davon offensichtlich kein öffentliches Aufheben, denn es mochte für sie doch sehr peinlich sein – und das bis nach Berlin. Erst nach dem Krieg bekannte sich ein Holsterhausener ehemaliger Kommunist zur Tat. In der Nachkriegszeit spielten Kinder auf dem Platz Fußball und jedes Jahr stand 14 Tage lang die Dreschmaschine von Willi Mense auf dem Platz. Kleine Nebenerwerbsbauern konnten in dieser Zeit dort ihr Stroh dreschen. Danach fuhr Mense seinen Dreschkasten zum Strohdreschen zu den einzelnen Bauernhöfen, um dort deren Stroh zu dreschen. Zudem kamen Scharen von Krähen zu bestimmten Zeiten und sammerlten sich auf dem „Antoniusplatz“, manchmal zwischen 50 und 100 Stück.

Blick zur Wennemarstraße im September 2019; im Vordergrund wurden entlang der Breslauer Straße alle alten Bäume abgeholzt.

Grünanlage wich einer städtischen Kindertagesstätte (Kita)

Ende 2017 beschloss der Rat der Stadt, auf Vorschlag der Verwaltung die Parkanlage des „Antoniusplatzes“ mit einer 4400 Quadratmeter großen Tageseinrichtung für Kinder in städtischer Trägerschaft zu bebauen. Die Baukosten wurden mit 2,4 Millionen Euro veranschlagt. Denn dieser Standort, so die Stadtverwaltung, decke ein größtmögliches Einzugsgebiet in Holsterhausen ab. Der neben der Parkanlage liegende Kinderspielplatz blieb erhalten und wurde in das Gesamtkonzept eingebettet. Der alte Baumbestand (siehe Foto) etwa zur Hälfte erhalten. Die Fertigstellung ist für Ende 2020 vorgesehen. Weil der Bedarf in Holsterhausen nach wie vor groß ist, wird die Stadt auch an anderer Stelle neue Kitas Plätze schaffen. So wird in der ehemaligen AWO-Begegnungsstätte an der Heinrichstraße in Holsterhausen ebenfalls eine neue Gruppe eingerichtet.

Teil des alten Baumbestandes wurde nun doch abgeholzt

Mit dem Bau des Kindergartens wurde im September 2019 begonnen. Obwohl vor zwei Jahren von der Stadtverwaltung über die Tageszeitung verkündet wurde, dass der alte Baumbestand nicht angetastet werde, wurde doch rund die Hälfte des alten Baumbestands gefällt (Bild links), was vor Ort mit dem Hinweis begründet wurde, diese Reihe Bäume sei morsch gewesen und hätten in wenigen Jahren sowieso gefällt werden müssen. Wie auch immer. Die Tageseinrichtung bietet ab 2020 mit insgesamt 85 Plätzen in vier Gruppen: drei mit jeweils 20 Plätzen für Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren sowie eine mit 25 Plätzen für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Die Kosten werden mit 2,4 Millionen Euro beziffert. „Davon erhält die Stadt Dorsten rund 1,8 Millionen Euro aus Landes- und Bundesförderprogrammen zur Schaffung von neuen Kindertagesbetreuungsplätzen. Der öffentliche Spielplatz gleich daneben soll neu angelegt werden. Die Holsterhausen-Stadtteilkonferenz hat sich im Februar 2020 mehrheitlich für den Namen „Wennemar“-Kindertagesstätte ausgesprochen, nach dem bereits die Straße, an dem der Kindergarten stehen wird, Wennemarstraße heißt. Wennemar von Heyden war im 15. Jahrhundert der Besitzer von Haus Hagenbeck und Patron über die Pfarrei St. Antonius in Holsterhausen. Dem Vorschlag folgte die Lokalpolitik.

Siehe auch: Wennemar von Heyden

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