Antoniusschule

1907 wurde in Holsterhausen die katholische Hauptschule errichtet

Antoniusschule in Holsterhausen um 1925

Antoniusschule in Holsterhausen um 1925

Eine Tafel aus rotem Sandstein über dem Haupteingang der Antoniusschule in Holsterhausen weist auf ein Ereignis hin, dass vor 100 Jahren groß gefeiert wurde und an das man sich heute noch erinnert, auch wenn keiner der damaligen Akteure mehr am Leben ist. Die Schule in Holsterhausen bekam ein neues, stattliches Gebäude. Die Inschrift der Tafel lautet: „Nicht für die Schule, sondern fürs Leben! 1907“. Hinge dieser Text über dem Tor eines Gymnasiums und nicht am Gebäude einer Volksschule, würde er vermutlich in Latein stehen: „Non scholae, sed vitae discimus“ – nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Allerdings hat Seneca der Jüngere, der diesen Spruch in seiner 106. Epistel als erster verkündete, es vorwurfsvoll anders gesagt: „Non vitae, sed scholae discimus“ – „nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ Vermutlich hat irgendein Philologe diesen Spruch umgestellt, weil er ihm so sinnvoller erschien und man die Schüler damit besser belehren konnte. Wie auch immer: Auf die Holsterhausener Antoniusschule trifft sicherlich zu, dass die Schülergenerationen dort für beides gelernt haben: für das Leben und für die Schule!

Erste Holsterhausener Schule 1735 nachgewiesen

Alte Antoniusschule

Alte Antoniusschule

Und das nicht erst seit 1907. Denn eine Schule im Dorf ist schon 1735 nachgewiesen, als der Lembecker Schlossherr einen Laien-Lehrer einsetzte. Allerdings rannten die damaligen Kinder ihm die Schultüre nicht ein, denn die rund 20 Familien in Holsterhausen setzten ihre Kinder lieber im Stall und auf dem Acker ein, als dass sie sie zum Lernen schickten. Erst um 1800 bekam das Dorf einen ausgebildeten Schulmeister für die 40 Kinder der rund 250 katholischen Einwohner. Da durfte die Schule der Einheit von Glauben und Lernen wegen nicht weit weg von der Kirche stehen. Das erste wirkliche Schulgebäude von 1814 stand neben der Pfarrkirche. Es wurde 1843 vergrößert. Das Gebäude brannte 2008 ab.

Drittes Schulhaus in Holsterhausen

Als das Gebäude von 1843 wegen der ansteigenden Kinderzahl zu klein wurde, baute die politische Gemeinde das nunmehr dritte Schulhaus, das 1907 eingeweiht werden konnte. Rektor Philipp Flunkert gibt darüber in der Antonius-Chronik Auskunft:

„Im Frühling begann endlich der Bau der sehr notwenigen neuen Schule. Sie liegt auf dem so genannten Küsterkamp, westlich vom Dorfe, in unmittelbarer Nähe desselben. Der Bau wird sogleich für 4 Klassen eingerichtet, obgleich die Gesamtschülerzahl sich erst auf 150 beläuft. Man rechnet aber damit, dass die Zeche, deren Abteufung immer weitere Fortschritte macht, es notwendig machen wird, dass schon im nächsten Jahr eine 3. Klasse bezogen werden muss. Die beiden unteren Klassen des prächtigen aus Zechensteinen erbauten Gebäudes, sollen zu Anfang des neuen Schuljahres bezogen werden. Am 24. Oktober fand die Einweihung der neuen Schule …  statt. Dem Akte der Einweihung, welche Herr Pfarrer Herold nach dem sinnvollen Ritus der Kirche vollzog, wohnten Schul-Gemeinde und Kirchenvorstand sowie zahlr. Ortseinwohner bei. … Der Bau selbst ist aus Kalksandstein der Zeche Baldur ausgeführt und an Fenstern, Türen und Gesimsen wirkungsvoll mit roten Steinen abgesetzt. Für Fensterbänke und Markierungen der Stockwerke sind rote Sandsteine verwendet.“

Schulsituation änderte sich „revolutionär“

Durch die fortschreitende Industrialisierung des Dorfes durch die Zeche Baldur, die Bleicherei Paton, das Keramitwerk u. a. erlebte Holsterhausen einen starken Zuzug und eine Vergrößerung durch den Bau der Zechensiedlungen. Die Schulsituation änderte sich beinahe „revolutionär“: Die zugezogenen evangelischen Einwohner bekamen mit der Wilhelmschule eine eigene Schule, Kommunisten, Sozialdemokraten und Freidenker erstreikten mit der Baldurschule eine konfessionslose Schule. Schließlich bekam die Antoniusschule im Dorf 1931 mit der Bonifatiusschule an der damaligen Juliusstraße eine moderne „Zweigstelle“ für die Kinder der Kolonien.

Die NRW-Schulreform von 1968 krempelte den Schulbetrieb auch in Holsterhausen um. Aus Volksschulen wurden getrennte Grund- und Hauptschulen. Die Antonius-Volksschule wurde eine Gemeinschaftsgrundschule und die Schüler der Bonifatiusschule mussten in die Wilhelmschule gehen, aus der dann das Pliesterbecker Schulzentrum mit der „Dietrich-Bonhoeffer“-Hauptschule und der „Erich-Klausener“-Realschule entstand. Das Gebäude der  Bonifatiusschule erfuhr in der Folgezeit mehrere unterschiedliche Nutzungen – auch die Lernbehindertenschule „Astrid-Lindgren“ war einige Jahre dort untergebracht (siehe Bonifatiusschule; siehe Schulwesen).


Siehe auch:
Schulen

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