Reusch, Karl

Er war Direktor der Zeche „Fürst Leopold“ von 1927 bis 1935

1896 in Witkowitz (Mährisch-Ostrau) bis 1971 in Oppenweiler (Württemberg); Bergassessor und Industrieller. – Er war der Schwiegersohn von Anton Hübbe, Direktor der Dresdner Bank in Hamburg und Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Südamerikanischen Bank, sowie Präsident der Handelskammer in Hamburg. Somit war seine Karriere als Industrieller vorgezeichnet. Von 1927 bis 1935 war er Betriebsdirektor der Zeche Fürst Leopold in Hervest-Dorsten.

Nach 1925 in einem Bergwerk in Jenkins (Kentucky) gearbeiten

Familienbuch Reusch

Familienbuch Reusch

Nach dem Abitur 1914 in Oberhausen und dem Dienst als Offizier im Ersten Weltkrieg begann Karl Hermann Reusch 1918 nach einem kurzen Intermezzo als Freikorpsführer ein Studium der Germanistik und Montanwissenschaft in Tübingen, Berlin und Aachen, das er 1922 mit der Promotion zum Dr. phil. in Gießen beendete. Längere Studienaufenthalte im Ausland (Skandinavien, England, Niederlande, Südafrika) schloss er 1925 mit dem Bergassessorexamen ab und arbeitete anschließend in einem Bergwerk in Jenkins (Kentucky, USA). Nach Rückkehr wurde Reusch, gerade 31 Jahre alt, Betriebsdirektor der zum Hoesch-Konzern gehörenden Zeche „Fürst Leopold“ in Hervest und weiterer Zechen des Konzerns. Im Jahr 1934 wechselte er von „Fürst Leopold“ zur „Gutehoffnungshütte AG“ und gehörte ab 1937 dem Vorstand an. Sein Vater, Paul Hermann Reusch, war dort Generaldirektor. Im Jahr 1942 trat er gemeinsam mit seinem Vater aus dem Vorstand der Gutehoffnungshütte zurück und kam so einer Absetzung durch die Nationalsozialisten zuvor. Sein Vater Paul Reusch weigerte sich, den Leistungskampf der Betriebe im nationalsozialistischen Sinne zu unterstützen.

Herzinfarkt auf dem Familiengut in Baden-Württemberg

Bis 1945 war Reusch Generalinspekteur des Kohlebergbaus in Serbien. 1945 kehrte er zur Gutehoffnungshütte zurück, da deren Generaldirektor von den Besatzungsbehörden inhaftiert war. Reusch bekleidete bis zu seinem Rückzug aus dem aktiven Wirtschaftsleben 1966 das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Holdinggesellschaft „GHH Aktienverein“ und gehörte als Vorsitzender den Aufsichtsräten einiger ihrer Tochtergesellschaften wie der MAN, der „Dt. Werft“, der „Ferrostaal AG“ und der „Schloemann AG“ an. Nur fünf Jahre später starb Reusch an einem Herzinfarkt auf dem Familiengut Katharinenhof in Baden-Württemberg. Reusch hinterließ drei Kinder. Der älteste Sohn, Paul Jürgen Reusch, lebte heute in Norddeutschland.

Gegner der paritätischen Mitbestimmung

Öffentliche Aufmerksamkeit erregte der ehemalige Betriebsdirektor von „Fürst Leopold“ nicht nur als Widerpart der Besatzungsbehörden und als Konzernstratege, sondern auch als Verfechter einer konservativ-autoritären Sozialpolitik. Ähnlich wie sein Vater pflegte er einen patriarchalischen Umgang mit den Firmenangehörigen und ein „klassenkämpferisches“ Verhältnis zu den Gewerkschaften. Die 1951 gesetzlich verankerte paritätische Mitbestimmung in der Montanindustrie lehnte er entschieden ab. Eher skeptisch beurteilte er auch die mit der „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ beginnende wirtschaftliche Integration Europas. Als Verbandspolitiker folgte R. ebenfalls dem Vorbild seines Vaters, ohne allerdings dessen herausragende Position zu erreichen. Einen Namen machte er sich überdies als Förderer der Künste und der Wissenschaften. Er stand 1951-67 an der Spitze des „Kulturkreises im Bundesverband der Dt. Industrie“, der in dieser Zeit abstrakte Kunst besonders förderte, und gehörte den Vorständen des „Stifterverbands für die Dt. Wissenschaft“ und des „Dt. Museums“ an. –

Ehrenbürger von vielen Städten

Karl Hermann Reusch zählt zu den prägenden Unternehmern der Wiederaufbau- und Konsolidierungsphase der westdeutschen Wirtschaft. Er wurde mit vielen Orden und Ehrentiteln ausgezeichnet, bereits 1956 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und 1960 mit dem Komturkreuz des Hl. Sylvester. Er war Ehrenbürger von Bad Mergentheim, Ottobeuren, Strümpfelbach und Königsbronn, Ehrendoktor der TH Aachen, Ehrensenator der Universität Tübingen, Senator der Max-Planck-Gesellschaft, Ehrenvorsitzender der VIK und 1968 Ehrenmitglied des BDI. – Karl Reusch war mit Anita, geb. Hübbe verheiratet und hatte drei Kinder. Er starb am 17. Dezember 1971 im Alter von 75 Jahren auf seinem Gut Katharinenhof in Oppenweiler.


Siehe auch:
Unternehmer


Quelle:
Werner Bührer „Reusch, Karl Hermann“, in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 457-458 [Onlinefassung].

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