Prügelattacke in der Innenstadt

Polizei-Ermittlung, unfaßliche Einstellung, neue Ermittlungen angeordnet

Noreen Elahi fordert von der Justiz ihr Recht; Foto: Stefan Diebäcker (DZ)

Eine Frau, die mutig einschritt, als ein junger Mann von einem andern verprügelt wurde, wurde dann ebenfalls verprügelt. Die Polizei ermittelte und die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Die Frau legte Beschwerde ein und die Generalstaatsanwaltschaft ordnete erneute Ermittlungen an. – In der Nonnenstiege, einer kleinen Straße in der Dorstener Altstadt, kann man sich kaum aus dem Weg gehen. Dort wurde Ende Januar 2022 die 24-jährige Noreen Elahi auf eine Gruppe von zwei jungen Männern und einer Frau aufmerksam, die einen weiteren jungen Mann verprügelten. Als sie hinging und fragte, was hier los sei und die Polizei rufen, dem Opfer also helfen wollte, wurde auch sie verprügelt. Eine Freundin von Noreen Elahis brachte sie ins Krankenhaus, wo die Ärzte einen Nasenbein- und einen Jochbeinbruch sowie mehrere Hämatome auf dem Kopf diagnostizierten. Als die Polizei am Tatort eintraf, fanden sie nur einen Nachbarn vor. Die Schläger sowie das Opfer waren verschwunden. Noreen Elahi machte die Prügelattacke im Internet öffentlich, was die Ermittlungen der Polizei unterstützte. Drei Tatverdächtige wurden ermittelt. Es handelt sich laut Polizeibericht um zwei Männer (20 und 18 Jahre alt) und eine junge Frau (19), alle aus Dorsten.

Staatsanwaltschaft Essen stellte die Ermittlungen ein

Noreen Elahi, seit der Attacke arbeitsunfähig, stellte Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung gegen die ermittelten mutmaßlichen Täter. Doch die Staatsanwaltschaft Essen erhob keine Anklage mit der schriftlich dargelegten Begründung: „Die Beschuldigten bestreiten die Tat.“ Dass die Essener Staatsanwältin trotz der schwerwiegenden Vorwürfe das Ermittlungsverfahren gegen die mutmaßlichen Täter eingestellt hatte – schwere Körperverletzung wird mit einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet –, hat das Rechtsempfinden vieler Bürger nachhaltig gestört. Denn laut Generalstaatsanwaltschaft hat „der Opferschutz Vorrang in NRW“. Heißt: „Die Landesregierung NRW verfolgt konsequent eine opferorientierte Justizpolitik.“

Dorstener Zeitung: „Das Rechtsempfinden vieler verletzt“

Der Anwalt der Geschädigten stellte allerdings fest, dass einer der drei mutmaßlichen Angreifer gar keine Aussage gemacht hatte, weil er auf der Intensivstation des Krankenhauses gelegen hatte und danach zum Sachverhalt gar nicht mehr gefragt wurde. Noreen Elahis Anwalt Michael Schwankl legte Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft in Hamm ein. – Claudia Engel kommentierte am 21. April 2022 in der „Dorstener Zeitung“ (Auszug): „In diesem Fall wird den Tätern trotz der physischen und psychischen Leiden ihres Opfers nicht der Prozess gemacht. Welche Lehren sie wohl aus der Entscheidung der Anklagevertretung ziehen? Dass sie ungestraft davon kommen, was auch immer sie anstellen. Das verletzt das Rechtsempfinden vieler.“

Generalstaatsanwaltschaft Hamm ordnete erneute Ermittlungen an

Obwohl solche Beschwerden in den meisten Fällen abgewiesen werden, ordnete die Generalstaatsanwaltschaft Hamm als „Aufsichtsbehörde“ an, dass die Staatsanwaltschaft Essen die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Täter erneut aufnehmen muss.
Als „Anerkennung für ihre „praktizierte Zivilcourage“ schlug die SPD im Mai 2022 vor, dass die Dorstenerin Noreen Elahi die Silberne Ehrennadel der Stadt verliehen bekommt. „Die junge Frau hat einen guten Leumund, im Gegensatz zu denjenigen, die die Gewalt ausgeübt haben“, so Fragemann. „Sie ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration, das sollte man würdigen.“ Dies wäre auch vor dem Hintergrund der Aktion für Menschenwürde, Toleranz und Respekt ein „gutes Zeichen“. Fragemann kündigte überdies an, dass die SPD-Fraktion generell einen „Preis für praktizierte Zivilcourage“ ausloben will.


Quellen: Polzeiberichte. – DZ vom 22. April und 11. Mai 2022

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