Meysel, Inge

Patin der Kinder der „Heimat für Heimatlose“ am Westwall

1910 in Rixdorf/Berlin bis 2004 in Seevetal-Bullenhausen; Schauspielerin. – Sie war viele Jahre Patin der Kinder des Dorstener Heims „Heimat für Heimatlose“ am Westwall. Mehrmals jährlich kam die bekannte Schauspielerin nach Dorsten, um „ihre Kinder“ zu besuchen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Auch wenn sie in Dorsten Theater spielte, besuchte sie ihre Patenkinder oder sie durften sie hinter der Bühne im Ursulinen-Forum besuchen. So geschehen beispielsweise im Januar 1986, als sie in dem Boulevard-Stück „Teures Glück“ als Mutter Germaine Lescot die Hauptrolle spielte.

Wegen ihrer jüdischen Abstammung hatte sie in der NS-Zeit Auftrittsverbot

Inge MeyselInge Meysel war die Tochter des deutschen Kaufmanns Julius Meysel und seiner dänischen Frau Margarete Hansen. Sie begann 1930 ihre Theaterkarriere in Zwickau, Berlin und Leipzig. Zwischen 1933 und 1945 hatte sie wegen ihrer jüdischen Abstammung Auftrittsverbot. Daher ging sie in die damals noch Freie Stadt Danzig und wurde Telefonistin. Anders als ihr Vater, der gläubiger Jude war, ist von Inge Meysel kein religiöses Bekenntnis zum Judentum belegt. Inge Meysels Vater wurde enteignet und überlebte die Zeit bis 1945 in einem Kellerversteck, nachdem er einem ersten Deportationsaufruf glücklich entgangen war, da der SD-Chef Reinhard Heydrich persönlich seine Freilassung als Kriegsversehrter des Ersten Weltkriegs anordnete. 1945 kam die 35-Jährige Inge Meysel ans Thalia-Theater nach Hamburg. Die Rolle, die ihr 1959 den Beinamen „Mutter der Nation“ aufdrückte, sollte ursprünglich Grete Weiser spielen: „Fenster zum Flur“ hieß das Berliner Volksstück, in dessen Zentrum die Portierfrau Anni Wiesner stand. Ab den 1960er  Jahren stand bei Inge Meysel das Fernsehen in ihrem Arbeitsmittelpunkt, wo sie ihren Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad bei den Zuschauern stark steigern konnte.

Am so genannten Sexismus-Prozess gegen den „stern“ beteiligt

Gesellschaftspolitisch war Inge Meysel immer stark engagiert. Schon 1925 trat sie öffentlich gegen die Todesstrafe an, protestierte gegen den Paragraphen 218 und Ende der 1920er-Jahre wechselte sie von den Jungdemokraten zu den Jungsozialisten. 1972 unterstützte sie den Wahlkampf von Willy Brandt und 1978 gehörte sie neben Alice Schwarzer und acht weiteren Frauen zu den Klägerinnen im so genannten „Sexismus-Prozess“ gegen das Magazin „Stern“. 1981 lehnte sie das Bundesverdienstkreuz ab, weil es keinen Orden wert sei, wenn jemand „sein Leben anständig gelebt hat“. Den Kampf gegen AIDS unterstützte sie durch mehrere Auftritte bei Benefizveranstaltungen. 1991 trat sie als prominentes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben in Erscheinung.

Inge Meysel litt seit 2003 an Altersdemenz, spielte dennoch 2004 in einer Folge von Polizeiruf 110 mit, in der sie im 94. Lebensjahr die wehrhafte Greisin Oma Kampnagel darstellte. Im gleichen Jahr starb die mit vielen Preisen ausgezeichnete Schauspielerin. In der Trauerpost ihrer Familie befanden sich über 50 Beileidsanzeigen von früheren Kindern des Kinderheims Heimat für Heimatlose am Westwall in Dorsten.


Siehe auch:
Künstler, darstellende


Quellen:
Nach Wikipedia, Online-Enzyklopädie. – Telefonische Auskunft der Familie Meysel-Olden.

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