Medien III (Essay)

Aktuelle Zeitungshäuser im Kreis Recklinghausen

Von Wolf Stegemann. – Im Vest bzw. Kreis Recklinghausen gibt es drei traditionelle Zeitungen von drei eigenständigen Verlagshäusern: „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ), „Dorstener Zeitung“ (bzw. Ruhr Nachrichten) und die „Recklinghäuser Zeitung“ mit Ausgaben in anderen Städten des Kreises. In Dorsten waren die WAZ und die „Dorstener Zeitung“ mit eigenen Redaktionen vertreten. Die WAZ stellte ihre Dorsten-Ausgabe zum 1. November 2013 ersatzlos ein.

Zeitungskopf WAZ

Zeitungskopf WAZ

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Funke-Medien-Gruppe

Die Funke-Mediengruppe, früher WAZ Mediengruppe, mit Firmensitz in Essen ist mit Beteiligungen an Zeitungen, Anzeigenblättern und Zeitschriften in acht europäischen Staaten und einem Gesamtangebot von über 500 Titeln das drittgrößte Verlagshaus Deutschlands und einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas. Die Gruppe verlegt im In- und Ausland 27 Tageszeitungen, 13 Wochenzeitungen, 175 Publikums- und Fachzeitschriften, 99 Anzeigenblätter und 400 Kundenzeitschriften (Stand 2011). Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über Standbeine im Druck-, Rundfunk- und Internetgeschäft. Die WAZ- und spätere Funke-Mediengruppe veröffentlicht keine Geschäftszahlen, gilt aber in der Branche als eines der renditestärksten Medienunternehmen Deutschlands.

Druckerzeugnisse der Funke-Mediengruppe breit gefächert und gestreut

Rotation

WAZ auf der Rotationsmaschine

Durch Aufkauf kleinerer Konkurrenztitel im ursprünglichen Verbreitungsgebiet hat sich die WAZ bereits in den 1970er-Jahren eine wirtschaftliche Monopolstellung in vielen Städten des Ruhrgebiets gesichert. Durch journalistisch unabhängige Weiterführung der aufgekauften Zeitungen hielt der Konzern gleichzeitig die publizistische Vielfalt weitgehend aufrecht; ein Konzept, das als „WAZ-Modell“ bekannt und inzwischen in vielen anderen Regionen nachgeahmt wurde. In Nordrhein-Westfalen gehören zur WAZ-Gruppe neben der Stammzeitung „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ (NRZ), die „Westfalenpost“ (WP) und die „Westfälische Rundschau“ (WR). Darüber hinaus besitz die WAZ Anteile an vielen anderen im Kerngebiet erscheinende Zeitungen sowie lokale Kaufzeitungen mit einer Gesamtauflage von 740.112 Exemplaren. Zudem besitzt die WAZ drei Regionalzeitungen in Thüringen mit einer Gesamtauflage von 292.596 Exemplaren. Von der Verlegerfamilie Voigt hatte die WAZ-Gruppe bereits 75 Prozent am Braunschweiger Zeitungsverlag („Braunschweiger Zeitung“, Auflage: 154.283 Exemplaren) erworben. Kurz darauf übernahm der Essener Verlag die restlichen 25 Prozent von der Nord/LB Girozentrale. Der Kaufpreis soll nach Medienberichten 210 Millionen Euro betragen haben.

Zeitschriften der WAZ-Gruppe

Die Publikumszeitschriften des Konzerns sind im Gong Verlag und im Westdeutschen Zeitschriften-Verlag (WZV) organisiert. Die Gesamtauflage aller Titel beträgt an die 5 Millionen Exemplare wöchentlich. Der Verbund aus der Westdeutschen Verlag- und Werbegesellschaft (WVW, 100 % WAZ-Tochter) und der Ostruhr-Anzeigenblattgesellschaft (ORA, 50 % WAZ-, 50 % Ruhr Nachrichten-Tochter) gibt kostenlos verteilte Anzeigenblätter mit 76 Titeln heraus und ist Marktführer im Ruhrgebiet. Mit über 5 Mio. wöchentlich verteilten Exemplaren gehören die WVW/ORA Anzeigenblätter zu den bedeutendsten lokalen Medien. Zwei Drittel der Titel erscheinen immer mittwochs und auch samstags, zusammen mit der Einkauf-Aktuell der Deutschen Post AG.

Fernsehen, Hörfunk, Print- und Online-Medien in Dorsten und Umgebung

Funke Mediengruppe, Funke Medien - GruppeDer WAZ-Gruppe gehören Anteile am Fernsehsender „nrw.tv“ (24,9 %), Lokalradio Antenne Ruhr (75 %),  Radio Essen (75 %), Radio Hagen (75 %), Radio Herne (75 %) Radio Dauerland (75 %) und weiteren zehn Sendern. 2003 gründete die WAZ Mediengruppe gemeinsam mit anderen Verlagsgruppen die ISA GmbH & CO. KG, die auf Anzeigenportale im Internet spezialisiert ist. Seit 2007 betreibt die Funke-Mdiengruppe das regional ausgerichtete Onlineportal „Der Westen.de“. Derzeitiger Chefredakteur ist Thomas Kloß.  Am 20. Oktober gab Chefredakteur Reitz auf den „Münchener Medientagen“ bekannt, das Portal ab 2012 zugunsten von Portalen für die einzelnen Print-Titel einzustellen. Die Adresse „der westen“ soll jedoch neben diesen erhalten bleiben. Auf dem Online-Angebot selbst wird dies als Relaunch bezeichnet. Ende 2010 übernahm die Funke-Mediengruppe verschiedene Gesundheitsportale wie „qualimedic, gesundheitsberatung.de“ und andere. Der bisher kostenfrei erhältliche fachärztliche Rat wurde nach Übernahme durch die WAZ abgeschafft und zum Teil durch kostenpflichtige Angebote ersetzt.

Buchverlag: Im Oktober 2007 ist der Konzern auch ins Buchgeschäft eingestiegen und hat den Essener „Klaratext Verlag“ gekauft. Dieser ist seit Jahren Partner des Konzerns und vertreibt Bücher mit regionalen Themen.
Medien im Ausland: Anfang der 1990er-Jahre engagierte sich die WAZ-Gruppe erstmals auf dem osteuropäischen Markt und besitzt heute mehrere Print-Beteiligungen in Ungarn, Kroatien, Serbien und Mazedonien (in Mazedonien wieder weitgehend zurückgezogen). Zudem besitz sie Anteile an Printmedien in Österreichisch und in Russland.
Druckhäuser: Die Funke-Mediengruppe betreibt zwei Druckhäuser, beide in Nordrhein-Westfalen. Das eine in Essen und das andere in Hagen-Bathey. Insgesamt verfügen die beiden Druckhäuser über 16 Rotationsmaschinen.

Funke-Mediengruppe

Funke-Mediengruppe

Eigentümer des Konzerns: Gründer der WAZ waren der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke. Beide verfügten über jeweils 50 Prozent der Gesellschaftsanteile. Die WAZ Mediengruppe gehörte bis Anfang 2012 hälftig den beiden Gründerfamilien Brost und Funke, gebündelt in zwei Verwaltungsgesellschaften. Allerdings waren deren Anteile nach dem Tod der beiden Gründer auf eine Reihe von Erben aufgeteilt worden. Nach langwierigen Familienstreitigkeiten wegen der Erbaufteilung in und zwischen den beiden Familien gab die WAZ im Januar 2012 bekannt, dass Petra Grotkamp (Tochter von Jakob Funke) die Mehrheit an der WAZ Mediengruppe (jetzt 66,6 Prozent) durch Erwerb der Anteile der anderen Gründerfamilie Brost erreicht hat. Damit soll der langjährige Konflikt zwischen den Familien beendet werden. Petra Großkamp wird die WAZ-Gruppe leiten, was das Ende der Doppelregentschaft zweier Dynastien bedeutet, die den Konzern gemeinsam und oft auch gegeneinander führten. Schließlich setzte sich der Name Funke-Mediengruppe durch.
Um diese neue Struktur zu erreichen, ging ein Tauziehen zwischen den beiden Familien hinter den Kulissen und vor Gericht sowie eine Bieterschlacht voraus, wie es ein Drehbuchschreiber einer Seifen-Oper mit Protagonisten mit Glanz, Geld und Glamour nicht besser hätte schreiben können. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, kam im August 2011 heraus, dass dieser Deal zwischen Grotkamp und Brost bereits schon längst vereinbart war. Brost-Anteile kosteten 500 Millionen Euro, zu zahlen in drei Tranchen: 270 Millionen sofort, später weitere 200, dann noch einmal 30 Millionen. Dann sei eine Woche später eine viel höheres Angebot vom Springer-Verlag gekommen, der für den gesamten WAZ-Konzern 1,4 Milliarden Euro geboten haben soll. Das Bundeskartellamt hätte dieser Übernahme allerdings nie zugestimmt, so dass das Springer-Angebot zurückgewiesen wurde.

Der Leserbeirat der WAZ 2011

Der Leserbeirat der WAZ 2011

Das Ende der WAZ in Dorsten

Zum 1. November 2013 stellte die Funke-Mediengruppe aus Essen die Dorstener Lokalausgabe ihrer „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) ersatzlos ein. Seit 1968 war die Zeitung für das angestammte Heimatblatt „Dorstener Zeitung“ (DZ; früher „Ruhr-Nachrichten“, RN, noch früher „Dorstener Volkszeitung“) eine qualitativ ausgezeichnete und aktuelle Konkurrenz. Dass es die WAZ ab November nicht mehr geben wird, ist ein Verlust. Auch wenn sich beide Dorstener Zeitungen in ihren Lokalteilen der letzten Jahre weitgehend angeglichen hatten, so konnten die Leser dennoch entscheiden, welche Kommentare sie lesen wollten, die in der WAZ oder die in der RN bzw. DZ. Dies gehört zur Pressefreiheit. Mit der WAZ in Dorsten geht somit auch ein Stück lokaler Pressefreiheit verloren. Sieht man in den bundesrepublikanischen Blätterwald, dann wird einem bewusst, dass solche Einschränkungen überall stattfinden. Die Tendenz zeigt, dass immer mehr lokale Printmedien ihr Erscheinen einstellen und nur noch eine Zeitung am Ort übrig bleibt. Es wird nicht mehr laut rauschen im Blätterwald! Davon profitieren die Zeitungen, die durchgehalten haben, wie in der Lippestadt die traditionelle „Dorstener Zeitung“, bei der sich jetzt die Ex-Abonnenten der WAZ mit ihren Bestellungsformularen drängeln. Ein höheres Anzeigenaufkommen gibt es zudem. Alles in allem eine Herausforderung an die Macher der „Dorstener Zeitung“. Der Essener WAZ-Chefredakteur Ulrich Reiz kündigte die Einstellung der Dorstener Lokalausgabe in dieser am 16. Oktober 2013 an (Auszug):

„Viele Jahre haben wir gekämpft. Für Sie, unsere Leser hier in Dorsten und auch für uns, Ihre engagierte Lokalredaktion. Heute müssen wir feststellen: Wir haben diesen Kampf verloren. Schon bald wird es die WAZ in Dorsten nicht mehr geben … Was sind die Gründe? Jede Lokalausgabe muss Gewinn abwerfen, nicht, weil wir geldgierig wären, sondern weil man anderen Standorten, die in den schwarzen Zahlen sind, nicht dauerhaft rote Zahlen aus Dorsten zumuten kann. Unsere Dorstener Ausgabe ist aber schon seit vielen Jahren nicht ,schwarz’, sondern ,rot’. Ein Weiteres kommt leider hinzu. Der wirtschaftliche Trend zeigt in die falsche Richtung – es wird nicht besser, sondern schlechter. Wir haben seit einem guten Jahr noch einmal richtig Gas gegeben. Mit mehr Redakteuren haben wir mehr Seiten für Sie, unsere Leser, gemacht. Mit Serien haben wir versucht, Ihnen und Ihren Interessen immer näher zu kommen. Ihre Reaktionen darauf waren sehr positiv, was uns natürlich ermuntert hat, alles zu geben … Glück auf!“

Titelkopf der Traditionszeitung

Titelkopf der Traditionszeitung

Medienhaus Lensing in Dortmund

Mit einer verkauften Auflage seiner Zeitungen (Ruhr Nachrichten, Münstersche Zeitung, Münsterland Zeitung, Dorstener Zeitung, Halterner Zeitung, Grevener Zeitung, Emsdettener Volksblatt) von 189.429 Exemplaren gehört das Medienhaus zu den größten Zeitungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Zu den eigenen Zeitungen hält das Medienhaus Lensing Beteiligungen am „Hellweger Anzeiger“ (Kreis Unna) und der „Recklinghäuser Zeitung“ (Kreis Recklinghausen). Daneben ist das Medienhaus in einer Reihe weiterer Geschäftsfelder tätig (Druckereien in Ahaus, Dortmund und Münster; sowie die Herausgabe von Anzeigenblättern in einer Gesamtauflage von 13 Millionen Exemplaren). Zu den Fachzeitschriften gehört „Die Bundeswehr“. Es ist das Organ des Deutschen Bundeswehr Verbandes. Auch ist das Medienhaus an verschiedenen Lokalsendern beteiligt.

Geschichte des Lensing-Verlags am Dortmunder Hellweg

Pressehaus "Ruhr Nachrichten" in Dortmund

Pressehaus “Ruhr Nachrichten” in Dortmund

Gegründet wurde das Medienhaus Lensing durch die Brüder Heinrich und Lambert Lensing im Jahre 1870, die ab 1875 in Dortmund die lokale Tageszeitung „Tremonia“ verlegten. Im Nationalsozialismus blieb die „Tremonia“ als eine von wenigen Zeitungen in Deutschland formal unabhängig, erschien aber unter der Aufsicht des Polizeipräsidenten. Auf Grund dieser Nähe zu den Machthabern erteilte die britische Zonenverwaltung Lambert Lensing erst 1949 wieder eine Lizenz zur Herausgabe einer Tageszeitung. Die „Ruhr Nachrichten“ begannen als Nachfolger der „Tremonia“ mit einer Auflage von 120.150 Exemplaren. 1949 übernahmen die „Ruhr Nachrichten“ die „Dorstener Volkszeitung“ und die „Halterner Volkszeitung“. Seit 1976 ist das Medienhaus mit 40 Prozent am Verlag J. Bauer KG in Marl beteiligt, der die „Recklinghäuser Zeitung“ und andere Blätter herausgibt. 1986 folgte die Übernahme der „Münsterschen Zeitung“. 1989 kam die „Emsdettener Volkszeitung“ hinzu.

1996 wurde aus den "Ruhr-Nachrichten" die "Dorstener Zeitung"

1996 wurde aus den “Ruhr-Nachrichten” die “Dorstener Zeitung”

Florian Lessing-Wolff trat 1957 in die Geschäftsleitung des Medienhauses ein. Nach dem Tod seines Onkels Lambert Lensing 1965 übernahm er die alleinige Verantwortung. Florian Lensing-Wolff leitete die Geschicke des Medienhauses Lensing mehr als 40 Jahre lang, er starb 2011. Chefredakteur ist seit 1998  Dr. Wolfram Kiwit. 1999 übernahm mit Lambert Lessing-Wolff der Sohn Florian Lessing-Wolffs die Geschäftsführung. Danach durchlief das Medienhaus eine lange Phase der Umstrukturierung. Im Jahr 2006 wurden die Verlagsangestellten in eigenständige, nicht tarifgebundene Gesellschaften ausgelagert. Die Verträge der angestellten Foto-Redakteure wurden gekündigt, sie wurden in den Status einer beruflichen Selbstständigkeit gedrängt. Ebenfalls im Jahr 2006 wurden die Lokalausgaben der „Ruhr Nachrichten“ in den Städten Gladbeck, Bottrop, Gelsenkirchen und Kamen wie auch die „Bauersche Zeitung“ in Gelsenkirchen eingestellt. Im Dreieck Gelsenkirchen, Gladbeck, Bottrop kann der Wettbewerber „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) seitdem als Monopolist agieren.

Kündigung einer ganzen Redaktion war ein einmaliger Vorgang

"Dorstener Zeitung" am Südwall

“Dorstener Zeitung” Südwall; Foto: Stegemann

Im gleichen Jahr stellte die „WAZ“ seine Ausgaben in den Städten Haltern, Datteln, Herten, Marl, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Waltrop ein. Dort haben seitdem das Medienhaus Lensing und der Kooperationspartner Medienhaus Bauer („Recklinghäuser Zeitung“) mit ihren Redaktionen vor Ort ein Monopol. Eine Kooperation des Medienhauses Lensing mit der WAZ existiert zudem im Bereich Druck. Das Medienhaus Lensing lässt seit den Umstrukturierungen im Jahr 2006 seine Ausgaben Bochum, Witten und Castrop-Rauxel im Druck- und Verlagszentrum (DVZ) Hagen-Bathey drucken, das der WAZ-Mediengruppe gehört. In starke  öffentliche Kritik geriet das Medienhaus Lensing im Januar 2007 durch die abartige Kündigung (ausgesperrt) der gesamten 19-köpfigen Lokal- und Sportredaktion der „Münsterschen Zeitung“. Wegen der bis dahin noch nie so dreist vorgegangenen Verfahrensweise des Verlegers gegen seine Redaktion hat dieser Vorfall bundesweit negative Schlagzeilen gemacht. Seit 2014 gehört die „Münsterschen Zeitung“ zur Unternehmensgruppe Aschendorff.

Verlag J. Bauer Recklinghausen mit Zeitungen auch in anderen Städten

Verlegerin Annemarie Bauer

Annemie Bauer

In dem in Marl ansässigen Medienhaus Bauer erscheinen sechs Tageszeitungen mit einer Gesamtverkaufsauflage von 60.386 Exemplaren: „Recklinghäuser Zeitung“ (21.608), „Dattelner Morgenpost“ (6.143), „Hertener Allgemeine“ (9.760), „Marler Zeitung“ (13.746), „Stimbergzeitung“ (Oer-Erkenschwick, 4.926) und „Waltroper Zeitung“ (5.413). Die „Recklinghäuser Zeitung“ stand in der Vergangenheit in starker Konkurrenz zur „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Dies änderte sich jedoch, als der WAZ-Konzern 2006 seine Lokalredaktionen in Datteln, Waltrop, Oer-Erkenschwick, Haltern, Herten und Marl aufgab. Die Redaktion der „Recklinghäuser Zeitung“ produziert unabhängig die regionalen und überregionalen Seiten, kooperiert jedoch im Vertrieb mit den „Ruhr Nachrichten“. Der Vorläufer der „Recklinghäuser Zeitung“ wurde 1831 von der Familie Bauer als „Wochenblatt  für den Kreis Recklinghausen“ gegründet. Vom Ende des 19. Jahrhunderts an erschien die Zeitung täglich und änderte damit ihren Titel, den sie noch heute trägt. In der Zeit des Nationalsozialismus konnte die Zeitung weiter erscheinen, musste 1943 allerdings zur Hälfte verkauft werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zeitungsverbot der Alliierten konnte die Zeitung im November 1949 wieder herausgegeben werden. In den 1950er- und 60er-Jahren baute der Verlag nach und nach die heutigen Lokalausgaben auf und konnte seine Auflage stark steigern. Der Bauer-Verlag zog 1974 von Recklinghausen nach Marl um. Seit 1976 ist der Verlag der „Ruhr Nachrichten“ (Medienhaus Lensing) mit 40 Prozent an der Verlag J. Bauer KG beteiligt. Kurz nach Bekanntgabe des Einstiegs kündigte „Ruhr Nachrichten“-Verleger Florian Lensing-Wolff an, seine Lokalredaktionen in Datteln, Waltrop und Recklinghausen zu schließen. Nach der Schließung der WAZ-Lokalredaktionen zum Jahresende 2006 verlor die WAZ im Verbreitungsgebiet Recklinghausen ein Drittel ihrer Auflage. Im selben Zeitraum ging die Auflage der „Recklinghäuser Zeitung“ nur leicht zurück (3,7 Prozent) und konnte im Jahr 2009 sogar zulegen. In bestimmten Verbreitungsgebieten erreicht die Zeitung Marktanteile zwischen 80 und über 90 Prozent. – Verleger ist Kurt Bauer, dem 60 Prozent der Anteile am Verlag gehören.
231-Recklinghäuser Zeitung

Weitere Verlagsangebote

Zum Besitz der Familie Bauer gehörte auch die traditionelle „Buersche Zeitung“ in Gelsenkirchen. Ende September 2006 erschien die Zeitung, deren Auflage zuletzt bei rund 7.200 Exemplaren gelegen hatte, zum letzten Mal. Sie wird als Beilage der „Hertener Allgemeinen“ weitergeführt. Kurt Bauer begründete die Einstellung mit einem „schleichenden Exodus“ der Auflage und Werbeeinnahmen. Der Verlag besitzt Mehrheitsanteile am Lokalradio „Radio Vest“. Im Verbreitungsgebiet gibt der Verlag wöchentlich auch das Anzeigenblatt „Vest im Blick“ mit einer Auflage von 110.000 Exemplaren heraus. Seit Mai 2010 liegt den sechs Lokalausgaben der „Recklinghäuser Zeitung“ die Beilage „Vestimmo“ bei. Dabei handelt es sich um ein Immobilienportal für den Kreis Recklinghausen, das von einem wöchentlichen Magazin begleitet wird. Das Magazin erscheint samstags in einer Auflage von bis zu 75.000 Exemplaren (siehe Zeitungswesen I; siehe Zeitungswesen II, siehe Bevern, Alfon van; siehe Weber, Josef).

Medienhaus der Borkener Zeitung

Medienhaus der Borkener Zeitung

Am Rande Dorstens die „Borkener Zeitung“

In Erle ist neben der dort meistgelesenen „Dorstener Zeitung“ und der Dorstener WAZ noch die „Borkener Zeitung“ (BZ) verbreitet, die von der Mergelsberg GmbH & Co KG im gesamten Verbreitungsgebiet mit einer Auflage von 17.174 Exemplaren herausgegeben wird. Bis in die 2000er-Jahre hinein gab es ein so genanntes Stillhalteabkommen zwischen den „Ruhr Nachrichten“ in Dorsten und der „Borkener Zeitung“, demgemäß die RN nicht nach Raesfeld und die BZ nicht nach Erle geht, wohl daraus berichtet, da Erle bis 1975 zum Amt Hervest-Dorsten gehörte und somit zum Zeitungsverbreitungsgebiet der Ruhr Nachrichten bzw. der WAZ. Bis in die – Begründet wurde die Zeitung im Jahr 1867 als Wochenblatt unter dem Namen „Borkener Kreisblatt“. Ab dem Jahr 1922 erschien das Blatt als Wochenzeitung und trat der Zeitungsverlagsgesellschaft Nordwestdeutschland bei. Fortan war die Redaktion der „Borkener Zeitung“ lediglich für den Lokalteil zuständig. 1935 wurden die Besitzer durch die Nationalsozialisten zum Verkauf der Zeitung gezwungen, die fortan Teil der gleichgeschalteten Presse im Dritten Reich war. Seit dem Jahr 1949 erscheint die Zeitung wieder als selbstständige Zeitung.


Quellen:
Wikipedia, Online-Enzyklopädie. – Claudia Tieschky „Mediengruppe vor Verkauf, WAZ wechselt Besitzer“ in „Süddeutsche Zeitung“ vom 1. Januar 2012.

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