Kriminalfälle 2021

Raub, Diebstahl, Körperverletzung, Betrug und immer wieder Gewalt

Vorbemerkung: Die in diesem Lexikon als Einzeleinträge veröffentlichten Kriminalfälle sind hier nicht verzeichnet, auch nicht Sexualdelikte. Dafür gibt es eine eigene Erfassung unter Kriminalfälle – Sexualdelikte und Überfälle auf Banken unter Raubüberfälle. Auch Tötungsdelikte sind gesondert erfasst (Mord und Totschlag). Eine Übersicht aller Artikel ist unter Kriminalität anzuklicken. Im Übrigen erhebt diese listenmäßige Erfassung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

27.300 offene Haftbefehle in NRW. Justiz und Polizei hatten im Januar 2021 in NRW die Betroffenen von 27.300 Haftbefehlen zur Fahndung ausgeschrieben. Dies seien 6,2 Prozent Haftbefehle weniger als im vergangenen September gewesen, teilte das NRW-Justizministerium mit. Darunter waren 290 Haftbefehle wegen Mordes, 300 wegen Totschlags und 530 wegen Sexualverbrechen. Der NRW-Justizminister erklärte, dass Haftbefehle wegen Mordes im Bestand blieben, wenn die Täter nach Verbüßung des Großteils der Strafe abgeschoben wurden. Bei geringeren Delikten sei es zudem in vielen Fällen nicht geboten, die Vollstreckung aktiv zu betreiben – wenn etwa die Auslieferung aus dem Ausland länger dauere als die zu erwartende Haftstrafe. Und bei einem großen Teil der offenen Haftbefehle gehe es zudem um Ersatzfreiheitsstrafen, also nicht gezahlte Geldstrafen (dpa).

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Gruppe junger Männer attackiert zwei Jugendliche. Eine größere Gruppe junger Männer hatte an einem Sonntagnachmittag im Februar zwei 17-jährige Jugendliche am Einkaufszentrum Mercaden am Westwall aus bislang noch unbekannten Gründen aufs Übelste attackiert. Einer der beiden Opfer wurde schwer verletzt, der andere kam mit leichteren Blessuren davon. Außerdem wurde dieser Jugendliche mit einer Pistole bedroht. Ob es zu verbalen Provokationen gekommen ist oder der Angriff aus heiterem Himmel erfolgte, konnte die Polizei nicht sagen. Tage später ermittelte die Polizei drei Tatverdächtige aus Dorsten. Zwei waren 15 Jahre alt, einer 16. Bei einer Wohnungsdurchsuchung durch die Ermittler wurde eine Schreckschusswaffe gefunden und sichergestellt. Die Angreifergruppe soll etwa 20 Personen stark gewesen sein, auch die beiden 17-Jährigen sollen einer Gruppe angehört haben.

Betrüger gab sich am Telefon als Krankenhaus-Arzt aus. Trickbetrüger haben sich eine neue Masche ausgedacht: Sie geben sich als „Dr. Weber“ oder „Professor Weber“ vom St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten aus. Am Telefon behaupten sie, Angehörige der Angerufenen befänden sich in der Klinik und seien schwer an Covid-19 erkrankt. Gefolgt von der Forderung, die notwendige Behandlung zu bezahlen. Der KKRN-Klinikverbund warnte am Montag bei Facebook vor den betrügerischen Anrufen. Am Dienstag folgte eine Pressemitteilung. Man fordere generell keine Zahlungen am Telefon. In Lembeck erbeuteten Betrüger im Februar mit dieser Masche eine von der Polizei nicht näher genannte Summe Bargeld. Eine 82-Jährige war von einem falschen Arzt angerufen worden, ihre Tochter sei lebensgefährlich an Covid-19 erkrankt und benötige teure Medikamente. Dazu benötige man Bargeld. Auch eine Familie aus Gahlen bekam so einen Anruf. Der Anrufer stellte sich als Professor Weber vor und sagte, dass er mitteilen müsse, dass die Tochter zusammengebrochen sei, sich im Krankenhaus befände und Corona hat. Als misstrauisch Rückfragen gestellt wurden, war das Telefonat schnell beendet.

Dorstener soll fünffachen Familienvater in Fulda getötet haben. Dorstener beobachteten am 16. Februar geschockt, wie hart die Polizei bei der Festnahme eines 37-jährigen Dorsteners auf der Autobahn 31 im Bereich der Ausfahrt Holsterhausen im Einsatz war. Ein Spezialkommando umzingelte bewaffnet den Pkw eines Dorsteners und schlug eine Scheibe ein, um den Insassen aus dem Fahrzeug zu holen. Diese Meldung, allerdings ohne den Festnahme-Ort zu nennen, es hieß lediglich „im Ruhrgebiet“, ging durch die TV-Nachrichtensender. Die Gründe für den spektakulären Zugriff, der durch einen Auffahrunfall von der Polizei herbeigeführt worden war, gab die Staatsanwaltschaft Fulda anderntags bekannt. Demnach soll der 37-jährige Dorstener syrischer Herkunft dringend tatverdächtig sein, am 15. Februar einen 41-jährigen Mann frühmorgens um 4,45 Uhr in Fulda mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Auf Anfrage der „Dorstener Zeitung“ berichtete die „Fuldaer Zeitung“, dass der 41-Jährige Syrer in Fulda 2015 als Flüchtling ins Land gekommen sei. Er habe sich gut integriert, Deutsch gelernt und seine Familie mit fünf Kindern nachkommen lassen. Tätig war das Opfer in einer Bäckerei, zu der es im Auto frühmorgens unterwegs war. Die Ermittlungsbehörden gaben dann bekannt, dass sich Täter und Opfer wohl kannten und das Motiv für die Bluttat im persönlichen Bereich liegen könnte. Ein Zeuge hatte sich bei den Behörden gemeldet und den entscheidenden Hinweis auf den Mann aus Dorsten gegeben. Er war bei seinem Aufenthalt im hessischen Fulda gesehen worden. Daher nahm das Polizei-Spezialkommando den Dorstener an der Autobahnabfahrt Holsterhausen fest. Ein Haftrichter in Fulda erließ Haftbefehl wegen Mordes gegen den Tatverdächtigen. Weitere Angaben gab es nicht (Stand: 19. Februar; Quelle: Claudia Engel in DZ vom 17. und 18. Febr. 2021).

Polizei nimmt falschen Polizisten fest. Ein 79-jähriger Mann aus Holsterhausen bekam Mitte Februar einen Anruf von einem „falschen Polizeibeamten“. Der Senior hatte zwar Zweifel, ließ sich dann aber überzeugen und legte tatsächlich – wie vereinbart – eine Tüte mit Bargeld und Bankunterlagen vor dem Haus ab. Später sah er, wie eine Person offensichtlich die Sachen suchte. Der 79-Jährige ging daraufhin selbst raus. Als er gerade die Wertsachen an sich nahm, wurde er von dem Unbekannten umgestoßen. Der Täter schnappte sich die Tüte und lief weg. Auf der Flucht verlor er einen Großteil der Beute. Dank einer guten Beschreibung und der sofortigen Alarmierung der Polizei konnten die Beamten noch in der Nähe einen Tatverdächtigen festnehmen. Der 20-Jährige aus Marl wurde mit zur Wache genommen. Der junge Mann wurde noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt, worauf dieser dann auch sofortige U-Haft anordnete (DZ).

Spektakuläre Blaulicht-Verfolgungsfahrt endet an einer Laterne. Eine Verkehrskontrolle wegen zu schwacher Fahrzeugscheinwerfer artete Anfang Februar zu einer spektakulären Verfolgungsfahrt aus. Sie begann an der Halterner Straße, führte über das Gemeindedreieck Richtung Innenstadt, über die Brücken und an der Crawleystra0e zurück nach Hervest, wo der zu Entkommen versuchte Autofahrer an einen Laternenmast am Kreisverkehr Halterner Straße/Joachimsstraße fuhr. Es entstand ein Schaden von 24.000 Euro. Als die Polizei den BMW des 30-jährigen Dorstener Fahrers durchsuchte, fand sie eine Schreckschusswaffe und Reizgas. Der Dorstener hatte dafür keine Erlaubnis. Dazu mehrere Kilo unversteuerten Shisha-Tabak und eine größere Summe Bargeld. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Einen gültigen Führerschein besitzt er auch nicht (Quelle: DZ vom 4. Februar 2021).

Vier junge Männer beim Einbruch festgenommen. Im Januar wollten am späten Samstagnachmittag am Wulfener Markt vier junge Männer in ein Gebäude einbrechen. Einem aufmerksamen Mitarbeiter eines Wachschutzes gelang es, die vier Männer auf frischer Tat anzutreffen und nach kurzer Verfolgung auch zu stellen. Polizeibeamte durchsuchten dann die jungen Männer und stellten die Personalien fest. Die Tatverdächtigen sind zwischen 18 und 21 Jahre alt und kommen aus Datteln. Die weiteren Ermittlungen dauern an.

Brand wurde vorsätzlich gelegt. Der Brand Mitte Januar 2021 in einem Mehrfamilienhaus an der Borkener Straße in Holsterhausen wurde offenbar mutwillig gelegt. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Bewohner mussten teils über Leitern gerettet werden. Verletzt wurde niemand. Als die Feuerwehr eintraf, hatten sich bereits mehrere Bewohner an der Vorderseite des Brandhauses auf einem Vordach vor dem beißenden Rauch in Sicherheit gebracht. An der Rückseite des Gebäudes befanden sich ebenfalls Personen, genauso im stark verrauchten Treppenhaus und in einigen Wohnungen. Nachdem alle Personen in Sicherheit waren, löschte die Feuerwehr den Brand im Keller. Betroffen waren insgesamt elf Personen, die vor Ort von einem Notarzt und Rettungssanitätern betreut wurden. Ins Krankenhaus musste niemand. Im Einsatz befanden sich neben der hauptamtlichen Wache die Löschzüge Hervest I und Wulfen. Weil so viele Personen betroffen waren, gab es Unterstützung aus der Nachbarschaft: Auch ein Rettungswagen der Feuerwehr Marl war am Einsatzort sowie weitere Rettungswagen der Johanniter aus Schermbeck.

Polizei fasste Tatverdächtigen. Nach dem Einbruch in einen Container im Bürgerpark Dorsten waren Veranstaltungstechnik sowie Werkzeuge gestohlen worden. Schaden: 12.500 Euro. Die Polizei konnte den Täter im Januar 2021 überführen. Ein 44-jähriger Dorstener steht im Verdacht, in der Nacht zum 29. Juni den Container am Amphitheater aufgebrochen und unter anderem die für das dortige Kulturprogramm genutzte Musikanlage gestohlen zu haben. Ein Teil der unversicherten Beute konnte die Polizei bei einer Durchsuchung sicherstellen. Die Ermittlungen dauern an.

Falsche Polizisten hoben Geld auch in Dorsten ab. Mehrfach riefen Betrüger Ende Januar 2021 bei einer 85 Jahre alten Frau in Nottuln-Appelhülsen. Sie gaben sich als falsche Polizisten aus und erzählten von Einbrüchen in der Nachbarschaft. Dabei redeten sie laut Polizei „massiv auf die Frau ein und setzten sie emotional unter Druck“. Es gelang ihnen, am Telefon an die PIN der 85-Jährigen zu kommen, die später die dazugehörige EC-Karte an der Tür einer unbekannten Frau übergab. Noch am selben Tag begannen die Täter bei verschiedenen Bankfilialen in Marl und Dorsten Geld abzuheben, insgesamt eine fünfstellige Summe.

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