Jüd. Kultusgemeinde

Dorsten gehörte nach 1945 zu Bochum-Herne-Recklinghausen

1956 wurde in Recklinghausen die Jüdische Kultusgemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen gegründet, die die wenigen den Holocaust überlebenden Juden im Kreis Recklinghausen sowie in den Städten Bochum und Herne als Gemeinde zusammenfasste. Durch Zuzug vieler Juden aus den GUS-Staaten wuchsen ab 1990 die Gemeinden in den einzelnen Städten stark an, so dass Herne und Bochum sich 1999 von Recklinghausen trennten und zusammen mit Hattingen eine eigene Gemeinde bildeten. Juden in der Stadt Dorsten gehören seit Kriegsende organisatorisch zur Gemeinde Recklinghausen, es sei denn, sie haben sich anderen Gemeinden (liberale, reformierte) in anderen Städten angeschlossen.

Synagoge in Recklinghausen

Synagoge in Recklinghausen

Nach dem Krieg gab es in Recklinghausen gerade noch 16 jüdische Menschen; nicht mehr waren es in Herne und Bochum. In Dorsten gab es keine mehr. Der aus Lathen/Ems stammende Ludwig de Vries versammelte in Recklinghausen die zurückgekehrten und aus Konzentrationslagern nach Recklinghausen verschlagenen Juden aus den Ostländern um sich, organisierte Treffen zu Festen und Feiern, ließ 1948 den verwüsteten jüdischen Friedhof am Nordcharweg wieder herrichten und stiftetet dort ein Ehrenmal für 225 ermordete Juden der Gemeinde Recklinghausen.

Thorarolle aus der Synagoge gerettet

1946 luden Ludwig de Vries und seine Frau Martha zum ersten Gottesdienst in ihre Wohnung ein. Ludwig de Vries hatte als junger Mann die Thorarolle in seiner Heimatstadt vor der Vernichtung gerettet. Nach dem Krieg holte er sie aus dem Versteck und brachte sie zum ersten Gottesdienst nach Recklinghausen. Hinter dem Gemeindehaus wurde 1954/55 ein Trakt als Versammlungsraum gebaut und im Obergeschoss ein Synagogenraum eingerichtet. 1997 bekam die Gemeinde eine neue Synagoge. Bis zu seinem Tod im Jahre 1958 leitete Ludwig de Vries die Jüdische Kultusgemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen. Danach übernahm seine Frau Martha die Leitung, dann bis 1978 Minna Aron, danach bis 1991 Rolf Abrahamson, dem Harold Lewin (gest. 2012) folgte, dann Michael Scheimann aus Dorsten, ihm folgte Frau Michalski. Heute ist Dr. Mark Gutkin Vorsitzender der Gemeinde Recklinghausen mit über 600 Mitgliedern (Stand 2009), mehr, als sie jemals zuvor in der Geschichte hatte. 1997 hat die Gemeinde das alte Gemeindehaus zurück erhalten, das bis dahin um Besitz der Stadtverwaltung Recklinghausen war, und eine neue Synagoge gebaut, die der Dorstener Architekt Hans Stumpfl und der Architekt Schächter planten. Die Synagoge lag vor dem Krieg auf der anderen Straßenseite (heute ist darin das Finanzamt untergebracht).


Siehe auch:
Religionsgemeinschaften

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