Johanneskirche

1960 von dem Kirchenarchitekten Emil Steffann gebaut und 2017 profaniert

Grundsteinlegung 1958

Grundsteinlegung am 10. Oktober 1958 mit Generalvikar Böggering (M.) und Propst Westhoff (l.)

Nachdem die Pfarrkirche St. Agatha im Krieg zerstört wurde, entstanden nach Ende des Krieges in Dorsten drei Notkirchen: im Speisesaal des Ursulinenklosters, in einer hölzernen Halle am Südwall und im Saal Maas-Timpert an der Bochumer Straße in der Feldmark. Letztere wurde dem heiligen Johannes dem Täufer  geweiht. Verantwortlicher Geistlicher war Kaplan Spaemann. Noch heute zeugen die kleine Glocke und das Bild „Der gute Hirte“ (Künstler Ludwig Bauer) am Eingang an der Giebelseite des Saales von seiner religiösen Vergangenheit. Zum Jahresende 1949 wurde die Filialkirche wieder aufgelöst, doch schnell stellte sich bei den Gläubigen der Wunsch nach einer Selbstständigkeit ein. Erste Gespräche zum Bau einer neuen Kirche in der Feldmark fanden bereits 1953 statt; die konkrete Planung erfolgte aber erst 1957. Emil Steffann (1899-1968), einer der bekanntesten Kirchenarchitekten der Nachkriegszeit, konnte gewonnen werden. Steffanns Idealbild war die mittelalterliche Stadt, „wo die Kirche noch als Kirche, das Rathaus noch als Rathaus erkennbar waren“. Stefann war ein Architekt der „einfachen Ordnung und klaren Verhältnisse“, was bei der Johanneskirche treffend zum Ausdruck kommt. Die Grundsteinlegung fand am 10. Oktober 1958 statt. Darüber berichtet die Agatha-Chronik:

„Bei glänzendem Sonnenschein fand unter starker Beteiligung der Gemeinde die Grundsteinlegung mit Herrn Generalvikar Böggering statt. Der Kirchenchor von St. Agatha sang im Kirchenschiff der neuen Kirche.“

Nach zwei Jahren Bauzeit von Weihbischof geweiht – er saß hinterm Altar

Johanneskirche 1960

Johanneskirche 1960

Propst Westhoff, Pfarrer von St. Agatha, der die Grundsteinlegung mit vollzog, war Mitte September vom Bischof zum Dompropst ernannt worden. Die Bauarbeiten zogen sich über zwei Jahre hin, so dass die Einweihung der St. Johanneskirche an der Beethovenstraße letztendlich am 29. Mai 1960 durch Weihbischof Baaken mit Unterstützung durch Probst Westhoff von St. Agatha vorgenommen wurde. Auszug aus der Agatha-Chronik:

„Am Samstag wird der hochwürdige Herr Weihbischof […] von Herrn Bürgermeister begrüßt. Die Schützen der Feldmark werden gebeten, vollständig zu erschienen. Der Zug zieht durch das Stadtsfeld. […] Der Bischof fährt in einem von vier Pferden gezogenen Wagen. […] Gestern wurden die Reliquien zur Kirche gebracht. […] Heute beginnen die Weihzeremonien. Der Thron des Bischofs steht hinter dem Altar. […] Alle früheren Kapläne waren eingeladen, besonders Herr Kaplan Spaemann, der mit Johannes stark verbunden war, wurde herzlich begrüßt…“

Kirchweihe ..................

An der Kirchweihe am 29. Mai 1960 nahm, wie es schien, die gesamte Gemeinde teil

Wieder im Schoß der Muttergemeinde Agatha

Im darauf folgenden Jahr wurden auch das Pfarrhaus und der Kindergarten fertig gestellt und drei Jahre später St. Johannes zur selbstständige Pfarrei erhoben, deren erster Pfarrer Heinrich Wollen war. Ihm folgte 1975 für fast 30 Jahre Pastor Kiefer. In dieser Zeit wurde von 1980 bis 1982 nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils der Kircheninnenraum neu gestaltet. Zu Gottesdiensten traf sich die Gemeinde in dieser Zeit in der Martin-Luther-Schule. Nachdem 1982 die südlich der Kirche gelegene alte Martin-Luther-Schule (früher Hindenburgschule) abgerissen wurde, war Platz für das geplante Pfarrheim. Ende Februar 1984 wurde es von Weihbischof Wüste seiner Bestimmung übergeben. Seit Februar 2005 ist der aus Rumänien stammende Damian Varga Pfarrer von St. Johannes. – Durch Anordnung des Münsterschen Bischofs wurde die St. Johannes-Gemeinde mit der Hl- Kreuz-Gemeinde in Altendorf und der St. Nikolaus-Gemeinde wieder mit der „Muttergemeinde“ St. Agatha zusammengelegt.

Profaniert und zu einer Familienbildungsstätte umgebaut

Im April 2017 begannen die Entkernungsarbeiten in der St. Johanneskirche an der Beethoven-/Bochumer Straße und die Abbrucharbeiten des Pfarrheims. In der profanierten Kirche wird nach 18 Monaten Bauzeit die neue Familienbildungsstätte Dorsten/Marl entstehen. Eine neue Kapelle im ehemals großen Kirchenschiff wird etwa 120 Gläubigen der Gemeinde St. Johannes für Gottesdienste Platz bieten. Auf Anordnung des Generalvikariats in Münster ist die Kirchengemeinde lediglich Mieter der Kapelle. Vermieter ist die Familienbildungsstätte. Es bleibt die Frage, schreibt Anke Klapsing-Reich in der „Dorstener Zeitung“, ob die „alte“ Gemeinde St. Johannes sich mit den neuen Verhältnissen abfinden wird. Die fünf Glocken der 2017 profanierten St. Johanneskirche sind im Bistumsdepot zwischengelagert. Wenn der Umbau zur Familienbildungsstätte abgeschlossen ist, kehren einige von ihnen wieder zurück.


Siehe auch:
Kirchen, kath.

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