Genussmittel-Verbrauch

Statistisch gesehen: 29 Prozent aller Dorstener sind Raucher

Im Jahr 1960 rauchten in Dorsten nicht nur Schlote und Kamine, sondern unter den damals 38.000 Einwohnern auch Pfeifen und Zigaretten. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch an Zigaretten in der Bundesrepublik, somit auch in Dorsten, bei 1.464 Zigaretten im Jahr. Im Durchschnitt teilten sie sich auf in 70 Zigarren, 132 Gramm Feinschnitt und 32 Gramm Pfeifentabak. Der Bierkonsum belief sich auf 107,25 Liter (heute immer noch 107 Liter) und der Schaumweinverbrauch auf 1,16 Liter. Dieser hat sich heute auf vier Liter erhöht.  Im gleichen Zeitraum wurde pro Kopf der Bevölkerung, einschließlich der Greise und Säuglinge, 54 Liter Bohnenkaffee getrunken. Heute sind es pro Kopf und Jahr 149 Liter im Jahr. Wesentlich interessanter als der Pro-Kopf-Verbrauch ist die Frage nach der Entwicklung des Genussmittelverbrauchs. Hier ist festgestellt worden, dass seit 1958 außer Zigarren und Tabak alle anderen Genussmittel erheblich zugenommen haben. So stieg in den letzten Jahren davor der Zigarettenkonsum um 29 Prozent, der Bierverbrauch sogar um 25,8 Prozent, der Branntweinkonsum um 38 Prozent, der Schaumweinverbrauch sogar um 70,6 Prozent, der Kaffeeverbrauch um 40,5 Prozent und der Teekonsum um 11,4 Prozent. Nur die Pfeifenraucher, die nach dem Krieg das Raucherbild beherrschten, starben allmählich aus.

Jährlich sterben 120.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums

Allein in den Jahren von 1954 bis 1960 nahm der Verbrauch an Pfeifentabak um 37,7 Prozent ab. Mit Stand von 2018 rauchen in Dorsten statistisch gesehen 29 Prozent der Einwohner. Auf ganz Deutschland bezogen raucht etwa ein knappes Drittel der Bevölkerung. Damit ist der Tabakkonsum in Deutschland im westeuropäischen Vergleich sehr hoch. Nur in Frankreich, Österreich und Spanien gibt es ähnliche Raucherquoten. In Großbritannien, Belgien, den Niederlanden oder den skandinavischen Staaten liegt der Anteil hingegen bei 7 bis höchstens 20 Prozent. Jährlich sterben mehr als 120.000 Raucher, Ex-Raucher und Passivraucher in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums. Das entspricht 13,5 Prozent aller Todesfälle oder etwa jeden siebtem Todesfall. Das sind 30-mal mehr Tote als durch Straßenverkehrsunfälle (Deutsches Ärzteblatt). In Deutschland kostet das Rauchen die Gesellschaft jährlich rund 80 Milliarden Euro. Davon sind etwa ein Drittel Kosten für das Gesundheitssystem (direkte Kosten) und zwei Drittel Kosten für die Volkswirtschaft durch Produktionsausfälle und Frühverrentung (indirekte Kosten).

Die beliebtesten Genussmittel der Deutschen: Tabak, Kaffee, Bier, Tee

Der Begriff Genussmittel ist ein spezifisch deutschsprachiger Begriff. Auf Englisch entspricht ihm am ehesten die Sammelbezeichnung „luxury food“; auf Französisch würde man von „excitants“ oder „stimulants“ sprechen, meint der Wissenschaftler Hengarter in seinen Veröffentlichungen. So sind Genussmittel im engeren Sinn Lebensmittel, die nicht in erster Linie wegen ihres Nährwerts und zur Sättigung konsumiert werden, sondern aufgrund ihres Geschmacks und ihrer anregenden oder berauschenden Wirkung. Oft werden auch andere „psychoaktive Substanzen“, die (mangels Nährwerts) keine Lebensmittel darstellen – wie beispielsweise Tabakwaren – zu Genussmitteln gerechnet. Zu den Gaumenfreuden des Alltags gehören Kaffee, Alkohol, Tee, Schokolade, Zucker und Gewürze. Eine genaue Abgrenzung ist in manchen Fällen aber schwierig. Schokolade, Zucker und Honig werden beispielsweise sowohl als Genuss- als auch als Nahrungsmittel eingestuft. Die Deutschen konsumieren durchschnittlich in einem Jahr 149 Liter Kaffee, 107 Liter Bier, 74 Liter Tee, 20 Liter Wein, 7,6 Liter Eis, 5,4 Liter Spirituosen, 4 Liter Schaumwein, 9,5 Kilogramm Schokolade. Der Zigarettenkonsum sank innerhalb von fünf Jahren von 86,6 Milliarden Zigaretten im Jahr 2009 auf 79,5 Milliarden Zigaretten im Jahr 2014.

Rauchen kann da teuer werden, wo es verboten ist

Wer dem Genuss des Rauchens nachgeht und nicht beachtet, dass dies in öffentlichen Räumen und an Spielplätzen verboten ist, wird zur Kasse gebeten. Raucher zahlen 35 Euro in Gaststätten, auf Spielplätzen etc. Wer auf Schulhöfen raucht, wie Schüler, zahlen 20 Euro. Wirte und Veranstalter, die ihre Gäste rauchen lassen, kommt dies teuer zu stehen. Allein ein fehlendes Nichtraucherzeichen am Eingang kostet 100 Euro Bußgeld. Wenn jemand im Lokal raucht, dann zahlen die Wirte beim 1. Verstoß 200 Euro, beim 2. Verstoß 400 Euro, beim 3. Verstoß 800 Euro und beim 4. Verstoß 1600 Euro. Bei weiteren Verstößen bis zu 2500 Euro.


Quellen: DHS (Hrsg.) (2017): Jahrbuch Sucht 2017. Pabst Science Publishers, Lengerich.  –  Kraus/Piontek/Atzendorf/de Matos: „Zeitliche Entwicklungen im Substanzkonsum in der deutschen Allgemeinbevölkerung. Ein Rückblick auf zwei Dekaden. Sucht, 2016. – „Tabakatlas Deutschland“, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, 2015.

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