Gemeinschaftshaus Wulfen

Verein rettete 2005 das Bürgerhaus Wulfen vor der Schließung

Gemeinschafthaus am Markt in Barkenberg; Foto: Christian Gruber

Gemeinschafthaus am Markt in Barkenberg; Foto: Christian Gruber 2007

1983 wurde im Ortsteil Wulfen-Barkenberg das Gemeinschaftshaus als städtisches Bürgerhaus mit Freizeitbad am zentralen Markt eröffnet. Zu dieser Zeit war es eines der ersten soziokulturellen Zentren in Nordrhein-Westfalen. Um eine großzügige Mehrzweckhalle mit 700 Plätzen (Agora) und variabler Bühne gruppieren sich Räume unterschiedlichster Nutzung: Jugendräume, Altentagesstätte, Restaurant, Café und Ausstellungsräume. Ein aus der Bürgerschaft des Stadtteils gewählter Beirat wirkte bei der Programmgestaltung mit. Wegen Finanzierungsnot sollte das Bürgerhaus geschlossen und einer anderen Nutzung zugeführt werden. Der zum Erhalt des Gemeinschaftshauses eigens gegründete Förderverein „Pro GHW“ fand keine Möglichkeit, das Haus weiterzuführen. Daher wurde 2005 ein Förderverein Gemeinschaftshaus und Freizeitbad Dorsten-Wulfen gegründet, der im November 2006 ein Konzept für die Zukunft des Gemeinschaftshauses vorlegte. Demnach sollte eine Bürgerstiftung Träger werden, die bereits mehr als 150 Mitglieder und die geplanten 50.000 Euro einbringen hätte können (Vertreter: Gudrun Kühn, Manfred Jaeschke). Allerdings lehnte die Stadtspitze das Konzept mit der Begründung „Finanz-Ziel wird nicht erreicht“ wenige Tage später ab.

Eine breite Palette kultureller und sozialer Veranstaltungen

Der Rat der Stadt beschloss 2007, dass die Arbeiterwohlfahrt (Awo) das Gemeinschaftshaus betreiben soll, um das Haus als finanziell gesicherten Bürger- und Kulturtreffpunkt zu erhalten. Im Oktober schlossen der Förderverein Pro GHW und der Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen der Arbeiterwohlfahrt einen Vertrag über eine gemeinsame Trägerschaft. Ziel war es, die Fortführung und Weiterentwicklung des kulturellen und sozialen Programms des Gemeinschaftshauses zu sichern. Das Gemeinschaftshaus bietet eine breite Palette kultureller und sozialer Veranstaltungen an. 2011 löste Hans Schmidt-Domogalla als Vorsitzender des Fördervereins Dr. Manfred Jaeschke ab. Leiter des Hauses war neun Jahre lang Oliver Grimm. Inzwischen benutzen mehr als 15 Gruppen regelmäßig das Gemeinschaftshaus. Gut angenommen wird seit 30 Jahren das zweimal in der Woche stattfindende „Markt-Café“, das früher von der DRK-Altentagesstätte organisiert wurde und heute vom Förderverein (200 Mitglieder) betrieben wird.

Die Zukunft des Gemeinschaftshauses ist gesichert

Nach vielen Gesprächen wurde die Zukunft des Gemeinschafthauses Wulfen im November 2018 gesichert. Auf Wunsch vieler Barkenberger wurde die Gastronomie ausgebaut. Eine neu gebildete Steuerungsgruppe entscheidet über Inhaltliches. In ihr sitzen Vertreter aller Gruppierungen, die im Gemeinschafthaus etwas zu bieten haben: die Awo, der Förderverein Pro GHW, die Gastronomie und Vertreter der Stadt Dorsten. Leiterin des Gemeinschaftshauses ist Marlies Krause-Flaßbeck. Ein Zehnjahres-Vertrag gibt den Konzepten Planungssicherheit. Die Arbeiterwohlfahrt führt seit dem 1. Januar 2008 das Gemeinschaftshaus. Der Gastronomie-Bereich wurde erweitert.  Für Umbaumaßnahmen wurden einmalig 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die vorhandene Holzterrasse der Außengastronomie wurde renoviert. Die Außenräume bekamen neue Fenster.

Gemeinschaftshaus lehnte 2019 eine Parteiversammlung der AfD ab

Die Arbeiterwohlfahrt hatte im Frühjahr 2019 eine Großveranstaltung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Gemeinschafshaus Wulfen abgelehnt. Die AfD wollte im März dort eine Großveranstaltung mit rund 600 Teilnehmern durchführen. Die Arbeiterwohlfahrt, Trägerin des Gemeinschaftshauses, berief sich auf „verschiedene Grundsatzpositionen des Bundesverbandes zum Umgang mit der AfD“, wie die „Dorstener Zeitung“ (DZ) berichtete. Und weiter heißt es bei der Awo: „Das Parteiprogramm der AfD sowie rassistische Äußerungen einzelner Politiker vor allem in Ostdeutschland sind mit den Grundwerten der Arbeiterwohlfahrt unvereinbar.” Die Zahl der Räumlichkeiten für Veranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern ist in Dorsten überschaubar. Während die Türen des Gemeinschafshauses Wulfen für die AfD geschlossen bleiben, könnte die Stadt Dorsten eine Anfrage beispielsweise für die Aula des Gymnasium Petrinum nur bedingt ablehnen. „Demokratische Parteien können grundsätzlich städtische Räumlichkeiten für den Prozess der politischen Willensbildung in Anspruch nehmen – und dies in aller Regel unentgeltlich“, sagte Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage der „Dorstener Zeitung“.

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