Geldautomaten-Sprenger

Drei mutmaßliche Täter vom LKA observiert und in Dorsten gefasst

Geödautomat der Sparkasse an der Hauptstraße in Holsterhausen; Foto: Bludau

Geödautomat der Sparkasse an der Hauptstraße in Holsterhausen; Foto: Bludau

Auf frischer Tat erwischten die Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) NRW Ende Dezember 2015 in Dorsten drei Männer unmittelbar bevor sie einen Geldautomaten der Sparkasse Vest (lediglich Service-Point) an der Hauptstraße in Dorsten-Holsterhausen in die Luft sprengen wollten. Die Festgenommenen sollen zu einer Gruppe aus dem Raum Kleve gehören, die seit März 2015 für 13 Geldautomaten-Sprengungen in NRW verantwortlich sein soll. Konkret geht es den Angaben der Ermittler zufolge 2015 um diese Taten:

23. März 2015 Sparkasse Kranenburg. 2. Juni Sparkasse Bedburg-Hau, 19. Oktober Sparkasse Kranenburg, 27. Oktober Volksbank Goch, 30 November Sparkasse Kleve, 18. November Volksbank Kevelaer, 19. November Volksbank Kalkar, 24. November Volksbank Alpen-Veen, 25. November Sparkasse Kevelaer, 6. Dezember Volksbank Emmerich, 8. Dezember Sparkasse Xanten, 18. Dezember Sparkasse Wesel, 22. Dezember Postfiliale Nettetal-Lobberich.

Die Täter konnten in Dorsten deswegen festgenommen werden, da die Ermittler sie in der vergangenen Nacht überwacht hatten. Stundenlang waren die Polizisten den Männern verdeckt über die Straßen des Niederrheins nach Dorsten gefolgt. Dort hätten sie ihren 14. Sprengversuch starten wollen, konnten aber etwa 30 Meter vom anvisierten Tatort entfernt gestoppt werden.

In keinem Fall Beute gemacht

So aktiv die Männer im Alter von 26, 27 und 33 Jahren auch waren – großen Erfolg hatten sie nicht: In keinem Fall machte das Trio Beute, wie das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Kleve am Mittwoch in Düsseldorf berichteten. Der Sachschaden an den betroffenen Gebäuden geht aber in die Millionen. Im Dorstener Ortsteil Holsterhausen planten sie offenbar die Sprengung eines Geldautomaten an einem Service Point der Sparkasse Vest an der Hauptstraße. Dort gibt es nur noch einen Geldautomaten, aber keine Filiale mit Kundenverkehr. Das Landgericht Kleve verurteilte die drei Männer Im Juli 2016 zu fünf bzw. sechs Jahren Gefängnis. Unter anderem wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und versuchten Bandendiebstahls. Das Gerichts stellte fest, dass die drei Männer in keinem Fall Beute machten, wohl aber Sachschäden von über 850.000 Euro verursachten.

Zahl der Fälle verdoppelt, Aufklärungsquote gesunken

Im Oktober 2015 hatte das LKA eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die sich mit den Taten der “Geldautomaten-Banden“ befassen sollte. 2015 wurden in NRW bereits mehr als 60 Geldautomaten in die Luft gejagt. Häufig flüchteten die Täter mit PS-starken gestohlenen Fahrzeugen, es kam teilweise zu spektakulären Verfolgungsjagden über mehrere Autobahnen. 2016 wurden in NRW 110 Automaten gesprengt. Das waren fast doppelt so viel wie 2015. Die Aufklärungsquote hatte sich von 52 auf 25 Prozent mehr als halbiert. Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts stammten die Täter überwiegend aus den Niederlanden mit hohem Anteil nordafrikanischer Herkunft (nach RN). Im Dezember 2016 teilte die Polizei in NRW mit, dass sie auf der Spur einer organisierten Bande aus den Niederlanden sei, die Automaten sprengten. Die Täter hätten sich gleich nach der Tat in  vorbereiteten Garagen vor der Bereichsfahndung versteckt und seien, nachdem sich wieder alles beruhigte, mit einem anderen und unverdächtigen Fahrzeug über die Grenze verschwunden.

Versteck von Automaten-Sprengern in Bochum entdeckt

In einer Garage im Bochumer Norden entdeckte die Polizei Anfang Januar 2017 ein Lager von Automatensprengern. Der Vermieter der Garage machte die Polizei darauf aufmerksam. Da die Mieter der Garage seit Monaten keine Miete mehr zahlten, öffnete er die Garage und entdeckte darin ein Kraftfahrzeug, das in den Niederlanden als gestohlen gemeldet war, sowie Gasflaschen und  Chemikalien. Die Polizei konnte diese Gegenstände mit einer Serie von Automatensprengungen in Verbindung bringen, die sich bereits seit 2015 durch NRW ziehen. 2016 gab es in Nordrhein-Westfalen 136 Fälle von Geldautomaten-Sprengungen.

Sprengung in Holsterhausen – Täter dieses Mal erfolgreich 

Am 27. April 2016 wurde der Automat der Sparkasse an der Hauptstraße (siehe oben) nachts gegen 2.50 Uhr gesprengt. Zwei unbekannte, schwarz gekleidete Männer betraten den Vorraum der Filiale und brachten dort den Geldautomaten zur Detonation. Die Täter erbeuteten Bargeld, packten es in zwei schwarze Sporttaschen und flüchteten nach Zeugenaussagen auf einem Motorroller in Richtung Schermbecker Straße. Fahndungsmaßnahmen nach den Tätern verliefen ohne Erfolg. – Ende April 2017 wurde von Bankräubern in Wuppertal der bereits der 31. Geldautomat in diesem Jahr in NRW gesprengt. Die maskierten Täter entkamen. 2016 waren es in NRW 136 Automaten.

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