Erzstift Köln

Am Ende antihabsburgisch und frankreichfreundlich

Erzstift Köln

Erzstift Köln 1645

Das Erzstift Köln war bis zur Aufhebung durch die Säkularisation Landesherrschaft der Stadt Dorsten. Köln, das 50 bis 38 v. Chr. als oppidum Ubiorum und 50 n. Chr. als Colonia Claudia Ara Agrippinensium erscheint, ist erstmals 313/314 ein Bischof (Maternus) bezeugt. Nach der Eroberung Kölns durch die Franken im Jahre 459 n. Chr. wurde das Bistum 794/95 zum Erzbistum (Erzbischof Hildebold) erhoben. Ihm gehörten die Bistümer Utrecht (bis 1559), Lüttich, Münster, Osnabrück, Minden und Hamburg-Bremen (bis 834 bzw. 843 oder 864) an. 953 übertrug Otto der Große seinem Bruder Brun das Erzbistum (mit der Stadt) sowie das Herzogtum Lothringen, von dem ein schmaler 100 Kilometer langer und 25 Kilometer breiter linksrheinischer Streifen von Rheinberg bis Rolandseck die Grundlage weltlicher Herrschaft des Erzstifts Köln bildete.

Für Kaisertreue mit dem Herzogtum Westfalen belohnt

Wappen des Erzbistiums Köln

Wappen des Erzbistiums Köln

1028/52 erhielt der Erzbischof das Recht zur Salbung und Krönung des deutschen Königs in Aachen und 1131 die Würde des Reichskanzleramtes in Italien. 1180 erwarb Erzbischof Philipp von Heinsberg im Zusammenhang mit dem Sturz Heinrichs des Löwen als Lohn für seine Kaisertreue das Herzogtum Westfalen (und Engern), dessen Mittelpunkt im 15. Jahrhundert  die erworbene Grafschaft Arnsberg mit dem Vorort Brilon wurde. Heinrich I. (1225 bis 1238) gewann das Vest Recklinghausen aus der Erbschaft der dortigen Grafen. Wenig später kamen Güter von Konrad von Hochstaden hinzu, der Dorsten 1251 die Stadtrechte verlieh. Im 13. Jahrhundert wurde der Erzbischof einer der Kurfürsten (Kurköln). 1288 verlor allerdings Siegfried von Westerburg im limburgischen Erbfolgestreit mit Jülich und Brabant durch die Niederlage von Worringen die Herrschaft über die Stadt Köln. Obwohl dann im 14. Jahrhundert außer der Grafschaft Arnsberg die Grafschaft Hülchrath und das Land Linn mit Uerdingen hinzukamen, brachte doch die Soester Fehde (1444 bis 1449) mit Kleve den weiteren Verlust von Soest und Xanten sowie tief greifende wirtschaftliche Zerrüttung.

1801 bzw. 1803 erlosch die Landesherrschaft des Erzbischofs

Die Bemühungen des Erzbischofs Gebhard II. Truchseß von Waldburg, in der Reformation das Erzstift in ein protestantisches Herrschaftsgebiet umzuwandeln, blieben erfolglos. Seit 1525 war Bonn Hauptstadt des Erzstifts. Unter wittelsbachischen Erzbischöfen (1583 bis 1761) schloss sich das zum kurrheinischen Reichskreis zählende Erzstift der antihabsburgischen und Frankreich-freundlichen Haltung Bayerns an. Am Ende des 18. Jahrhunderts umfasste das Erzstift 130 Quadratmeilen und hatte 230.000 Einwohner. Es war unterteilt in das südlich von Köln gelegene Oberstift, das nördlich von Köln gelegene Unterstift und in das Herzogtum Westfalen. 1801 annektierte Frankreich den linksrheinischen Teil des Erzstifts und schuf hierfür kirchenrechtlich das Bistum Aachen. Der rechtsrheinische Teil wurde 1803 säkularisiert und unter Wied-Runkel (Altenwied, Neuenburg), Nassau-Usingen, Arenberg (Recklinghausen) und Hessen-Darmstadt (Westfalen) aufgeteilt. 1806 musste Nassau Teile an das Großherzogtum Berg abtreten, das auch 1811 von Arenberg das Vest Recklinghausen erhielt. 1814 kam Köln ohne die nassauischen Teile an Preußen (Provinz Westfalen) und bei Gründung der Bundesrepublik an Nordrhein-Westfalen bzw. Rheinland-Pfalz.

 

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