Dorstener Wohnungsgesellschaft

Der Gemeinnützigkeit ist das Unternehmen nach wie vor verpflichtet

Wohnungsblöcke in Hervest

Wohnungsblöcke der Dorstener Wohnungsgesellschaft in Hervest-Dorsten

Preußens Minister für Volkswohlfahrt erteilte das begehrte Etikett „gemeinnützig“ nur widerstrebend dem „Bauverein GmbH in Hervest-Dorsten“. Denn der Prüfungsverband rügte die „außerordentlich“ hohen Kosten. Diese lagen im Jahr 1931 bei 854 Mark. Heute gibt die aus dem Bauverein Hervest-Dorsten entstandene „Dorstener Wohnungsgesellschaft“ Millionen Euro für Wohnungen aus. 1922 gründeten die Gemeinde Hervest, die Hoesch AG als Eigentümerin der Zeche Fürst Leopold sowie 31 Bergleute, Handwerker und Händler den „Bauverein gmbH in Hervest-Dorsten“. In den ersten 30 Jahren ihres Bestehens – in den Zeiten der Inflation, der Weltwirtschaftskrise, des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit, also bis 1952 – baute der Verein 26 Wohnungen in Eigenregie und betreute das Bauen anderer in der völlig zerstörten Innenstadt. Im Jahre 1962 verfügte die Wohnungsgesellschaft bereits über einen Bestand von 225 eigenen Wohnungen, den sie auch selbst verwaltete. Bei der kommunalen Neugliederung 1975 wurde der Hervest-Dorstener Bauverein in „Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Dorsten“ umbenannt, die heute „Dorstener Wohnungsgesellschaft“ (DWG) heißt. Der Gemeinnützigkeit ist die Wohnungsgesellschaft nach wie vor verpflichtet, auch wenn die Stadt mit ihrem Anteil von 42 Prozent nie über eine Mehrheit in der GmbH verfügte. Heute verwaltet die „Dorstener“ nicht nur den eigenen Bestand von 800 Wohnungen, sondern auch etzwa 700 Fremdwohnungen. Seit Ende 2008 ist die Wohnungsgesellschaft nicht mehr selbstständig, sondern dem städtischen Wirtschaftsunternehmen Windor zugeordnet. Im Jahr 2013 hat die Wohnungsgesellschaft bei den städtischen Wohngebäuden einen Überschuss in Höhe von 45.000 Euro erwirtschaftet. Für 2015 wird ein Plus von 30.000 Euro erwartet. Durch Verkäufe vier städtischer Gebäude (Schulstraße 9, Gladbecker Straße 124, Westwall 49, Wiesenstraße 12) werden sich die Aufwendungen mindern. Geplant sind Verkäufe der Häuser Ostwall 6 und 8 sowie zwei Gebäude am Kleinen Ring in Wulfen.

Lütkenhorst legte Ämter nieder – Es drehte sich das Personal-Karussell

Seit März 2019 sind personelle Unruhen in der städtischen Dorstener Wohnungsgesellschaft (DWG) bekannt. Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst hat nun „völlig überraschend“ seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender erklärt – „auch aus Altersgründen“, wie aus der Verwaltung zu hören war. Immerhin war Lütkenhorst (Jahrgang 1948) als Bürgermeister und dann als Pensionär rund 20 Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Gesellschaft. Lütkenhorst bestätigte auf Anfrage der DZ, dass er nach gut 20 Jahren auch deshalb zurückgetreten sei, „weil ich nicht mehr das Gefühl hatte, dass Stadt und Windor noch Vertrauen zu mir haben“.
Größte Gesellschafterin der DWG ist allerdings die private Ignaz-Rive-Stiftung. Den Vorstandsvorsitz in dieser Stiftung hat Ex-Bürgermeister Lütkenhorst jetzt auch niedergelegt. Details wollte „der merklich enttäuschte Lütkenhorst“ gegenüber der Zeitung nicht nennen, „um weiteren Schaden von der Dorstener Wohnungsbaugesellschaft fernzuhalten“. Zudem ist der DWG-Geschäftsführer Werner Möllenhof „aus persönlichen Gründen“, so der Beigeordnete Lohse zu DZ, bis zum Jahresende beurlaubt worden. Das Personal-Karussell drehte sich noch weiter:  Für Lambert Lütkenhorst kam in den Vorstand der Ignaz-Rive-Stiftung Architekt Thorsten Huxel (Ratsmitglied der Grünen). Für den ehemaligen Sozialdezernenten Lars Ehm, der im Herbst 2018 zum NRW-Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales wechselt, rückte Dorstens neue Erste Beigeordnete Nina Laubenthal als neue Vortandsvorsitzende nach. Lütkenhorsts Mandat im DWG-Aufsichtsrat übernahm ebenfalls Thorsten Huxel, neuer Vorsitzender dieses Gremiums ist nun Beigeordneter Holger Lohse, bisher Stellvertreter des Altbürgermeisters. Gesellschafterversammlung, Aufsichtsrat und Stadtrat haben zudem Windor-Geschäftsführer Josef Hadick zum Interims-Geschäftsführer der DWG bestellt – für maximal zwölf Monate.
Ungeachtet des Personalkarussells konnte die DWG „dank der guten Wirtschaftslage auf dem Wohnungsmarkt“ zuletzt wieder eigene Bauvorhaben realisieren: Auf der Hardt und in Holsterhausen seien Wohnungen gebaut und vermietet worden. Zudem werde der Bestand fortlaufend unterhalten, saniert und aufgewertet.

Siehe auch: Lambert Lütkenhorst
Siehe auch: Ignaz-Rive-Stiftung
Siehe auch: Holger Lohse
Siehe auch: Nina Laubenthal
Siehe auch: Windor


Quelle des letzten Absatzes: Stefan Diebäcker in DZ vom 5. Aug. 2019

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