Dorstener Tafel

Immer mehr Bürger im reichen Deutschland sind auf Hilfe angewiesen

343-tafel; STefena Sauer dpajrsIm Jahre 2003 gründeten Dorstener Bürger und Bürgerinnen für Dorstener mit geringem Einkommen den Verein „Dorstener Tafel e. V.“. Als Einkommensgrenze werden die Beträge zugrunde gelegt, die auch für Aushändigung des „Dorsten-Passes“ gelten. Berechtigte erhalten einen entsprechenden Ausweis. Der Dorsten-Pass kann beim zuständigen Mitarbeiter des Sozialamtes oder im Bürgerbüro des Rathauses beantragt werden. Das Angebot des Vereins umfasst den Dorstener Laden, den Mittagstisch Altstadt, den Mittagstisch Barkenberg und den Kinderladen Kunterbunt. Das 2004 gegründete „Café Pott“, in dem es warme Mahlzeiten gibt, soll von den Räumen der Kirchengemeinde St. Barbara ebenfalls in den Handwerkshof nach Wulfen verlegt werden. Inzwischen arbeiten über 80 ehrenamtlich Tätige für den Verein, die Lebensmittel bei den Firmen abholen, sie sortieren und im Laden abgeben. – Weihnachten 2010 gab die Dorstener Tafel 600 Spendenpakete mit Lebensmitteln und auf Wunsch des Empfängers aus Spielsachen an Bedürftige ab.

Zehn Jahre „Dorstener Tafel“

Im Oktober 2013 beging der Trägerverein der „Dorstener Tafel“ im Barkenberger Handwerkshof sein zehnjähriges Bestehen. Die „Dorstener Tafel“ wurde 2003 im Kellergeschoss der evangelischen  Kirchengemeinde in Barkenberg eröffnet. Heute liefern über 25 Geschäfte Waren an den Laden. Durch eine Spende der Ignaz-Rive-Stiftung konnte ein Lieferwagen angeschafft werden, um die Waren zu transportierten, die für etwa 10 Prozent des ursprünglichen Preises an Bedürftige weitergegeben werden. Das Angebot richtet sich an Dorstener Bürger und Bürgerinnen mit geringem Einkommen. Alle  berechtigten Personen erhalten einen Ausweis. Es werden die Beträge zugrunde gelegt, die auch für die Ausstellung des „Dorsten-Passes“ gelten, d. h. der Inhaber des „Dorsten-Passes“ erhält automatisch einen Ausweis.
Die Nachfrage nach Waren aus dem Dorstener Laden war von Anfang an groß. 2013 gibt es im Laden über 70 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. In der „Kundenkartei“ stehen über 300 Namen. Wenn man annimmt, dass zu jedem Namen  drei bis vier weitere Familienangehörige hinzugerechnet werden müssen, so werden über 1.000 bedürftige Personen durch den Laden versorgt. 2004 wurde die „Dorstener Tafel“ als eingetragener Verein (e. V.) gemeinnützig und schloss sich der „Deutschen Tafel“ an.
Im Café Pott (Jugendheim der kath. Kirche) wurde eine Küche eingerichtet und ab 2004 Mittagessen ausgegeben. Anfangs wurde auch für das Sozialraumteam, das Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen nachmittags im Kindergarten betreut, gekocht. Hinzu kamen während der Umbauphase einige Kinder von der Korczak-Sonderschule hinzu. Heute kommen täglich 25 bis 30 Menschen zum Essen. Als Gäste werden Menschen mit geringem Einkommen für 1 Euro und Kinder für 50 Cent bewirtet. Im Dezember 2004 übernahm Bürgermeister Lambert Lütkenhorst die Schirmherrschaft über die „Dorstener Tafel“.

Seit 2009 auch Mittagessen im Pfarrheim von St. Agatha

2006 verlagerte der Caritasverband die Sozialstation im Handwerkshof (Barkenberg) in das Lembecker Altenzentrum. So konnte die „Dorstener Tafel“ nach Umbauten mit dem Laden und dem Mittagstisch in die bisherigen Räume der Sozialstation im Handwerkshof (Dimker Allee 20) einziehen, 2007 eine Kleiderkammer einrichten und den Kinderladen „Kunterbunt“ eröffnen. Im selben Jahr hat Pastor Ulrich Franke von der St. Agatha Gemeinde die Initiative für einen Mittagstisch in der Dorstener Altstadt ergriffen. Es wurden vier Kochteams gebildet, die 2009 im Pfarrheim St. Agatha Mittagessen für Bedürftige anbieten. Starthilfe dazu gab der Verkehrsverein Dorsten/Herrlichkeit Lembeck mit einem Betrag von 4.000 Euro. Die „ „Dorstener Tafel“ wird derzeit von etwa 100 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt.

Mehr ältere Frauen sind auf die Tafel angewiesen

Die Zahl bedürftiger älterer Frauen – Witwen und alleinstehende Rentnerinnen – nimmt unter unseren Kunden der „Dorstener Tafel“ immer mehr zu, wie in der „Dorstener Zeitung“ zitiert wird.  Für das erste Halbjahr wurden 180 Ausweise für Bedürftige ausgestellt, die von der Tafel versorgt werden. Damit ist das Limit für den Verein erreicht. Außer den älteren Frauen, die mit ihrer schmalen Rente ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten könnten, gibt es in Dorsten aber noch einen weiteren großen Tafel-Kundenstamm: Junge Menschen, die wegen ihrer psychischen Belastung so gut wie keine Chancen haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Zahl der Asylbewerber ist im Vergleich dazu eher gering. Lediglich alleinlebende junge Männer nutzen noch das Angebot. Die ursprüngliche Grundidee bei der Gründung der „Dorstener Tafel“ 2003 war, schlecht ersorgten Kindern in einkommensschwachen Familien zu helfen. Mittlerweile hat sich die Tafel unfreiwillig zu einem mittelständischen Unternehmens mit drei Bereichen – Laden, Kinderkleidermarkt in Wulfen-Barkenberg, Mittagstisch an der Vehme in der Altstadt – entwickelt, um dauerhafte Bedürftigkeit aufzufangen.

Für Muslime eine „Halal-Ecke“ eingerichtet

Dass die Schere zwischen Arm und Reich  immer weiter auseinandergeht, erlebten die ehrenamtlichen Helfer, rund 70 Männer und Frauen, tagtäglich (Stand 2018). Immer mehr Flüchtlinge gehören zu den Kunden der Tafel, aber auch vermehrt alleinerziehende Mütter. Mehr als 300 Namen sind in der Kundenkartei festgehalten. Berechtigt für den Kauf der gespendeten Waren, die für etwa zehn Prozent des ursprünglichen Preises veräußert werden, sind Dorstener Bürger mit geringem Einkommen. Dabei werden die Beträge zugrunde gelegt, die auch für die Ausstellung des „Dorsten-Passes“ gelten, das heißt: Jeder Inhaber des Dorsten-Passes erhält automatisch einen Tafel-Ausweis. Muslime dürfen sich in der eigens für sie eingerichteten „Halal-Ecke“ bedienen. Bürgermeister Stockhoff ist Schirmherr der Dorstener Tafel.

2018 auch in Dorsten Vorwürfe wegen „ungerechten“ Verteilung

Die Anfang 2018 stattgefundene bundesweite Diskussion um die Praxis der Essener Tafel, vorerst nur noch Kunden mit deutschen Pass aufzunehmen, fand auch in Dorsten Befürworter, die sich bei der Vergabe von Lebensmitteln gegenüber den Flüchtlingen benachteiligt fühlen und einige auch konkrete Vorwürfe machten. Dazu der Vorsitzender der Dorstener Tafel, Herbert Rentmeister, gegenüber der „Dorstener Zeitung“: Die Dorstener Tafel habe das Glück, durch die mittelständischen und Discounter-Unternehmen mit vielfältigen und vorzüglichen Lebensmittelspenden bestens versorgt zu werden, so dass sich die Probleme der Essener Tafel hier gar nicht stellten. „Jeder bekommt genug.“ Jeder Inhaber des Dorsten-Passes, auf dem keine Nationalität vermerkt ist, ist berechtigt, eine Kundenkarte zu bekommen. Damit setzt die Stadt und nicht die Tafel den „Filter“ für die Bedürftigkeit, was die Männer und Frauen der selbstständigen und stadtunabhängigen Dorstener Tafel entlastet. Zudem gibt es beim Einkauf ein Nummern-System mit ungefähren Zeitangaben, so dass keine langen Warteschlangen entstehen. Rentmeister betonte gegenüber der Lokalzeitung: „Die Tafel ist ein Zubrot, kein Versorger. Würden die etablierten Parteien die soziale Gerechtigkeit und Marktwirtschaft weiter nach vorne bringen, wären wir so überflüssig wie ein Kropf. Eigentlich muss man sich schämen, dass man Tafeln braucht.“

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Wegen steigender Nachfrage sucht das Tafel-Team mitarbeitenden Nachwuchs. Denn mittlerweile ist der Stamm der ehrenamtlichen Helfer der ersten Stunde in die Jahre gekommen. Daher wird stets Nachwuchs gebraucht, vor allem Fahrer für den Transport der Lebensmittel und Helfer im Kindermarkt.

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