Dorstener Aak

In Dorsten gebauten Frachtschiff auf der Lippe, Ruhr, Maas und Waal

Modell der Dorstener Aak, Foto: JF

„Aak“ ist vermutlich friesischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Boot mit plattem Boden“. Die Aak ist ein flaches Lasten- und Küstenfahrzeug mit extrem niedrigem Tiefgang. Erstmals trat die aus dem alten Lippekahn und der „Kölner Aak“ hervorgegangene „Dorstener Aak“ im beginnenden 18. Jahrhundert auf und wurde über 200 Jahre lang in Dorsten gebaut. Sie diente als Frachtschiff auf der Lippe, der Ruhr, dem Niederrhein und den seeländischen Wasserstraßen wie Maas, Schelde und Waal.

Urban Drecker im früheren Heimatmuseum

Urban Drecker, früherer Museumswart, mit dem Modell der Dorstener Aak in den frühen 1970er-Jahren

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden wesentliche Konstruktionsmerkmale der Aak vom Eisenschiffbau übernommen. Die Maße waren: Länge 39 m, Breite 5,8 m, Höhe 1,8 m, zwei Masten; für den Bau (zwölf Schiffbauer brauchten vier Monate) wurden 120 bis 150 Festmeter Eichenholz verarbeitet. 2018 soll eine originalgetreue Nachbildung des Dorstener Frachtschiffs gebaut werden, das dann im ehemaligen Zechenhafen vor Anker geht. Die Aak wird 24 m lang und 5,80 m breit sein. 2017 bewilligte das nordrhein-westfälische Arbeits- und Sozialministerium eine Förderung aus Landesmitteln in Höhe von 180.000 Euro. Im Rahmen des Sozialprojekts „Wir machen Mitte“ und unter Leitung des Job-Centers und des Dorstener Bildungszentrums werden rund 50 Langzeitarbeitslose, Jugendliche ohne Ausbildung und junge Flüchtlinge den Nachbau innerhalb von 16 Monaten anfertigen.

Roland Nies (r.) vor der nachgebauten Aak vor dem Bad Atlantis; Foto: Anke Klapsing-Reich (DZ)

Nachgebaute Aak ankert am Freizeitbad Atlantis

2018 wurde der Nachbau der Dorstener Aak fertig gestellt. Der Rumpf des Bootes besteht aus schweren Eichenplanken. Es ist 22 Meter lang, 4,50 Meter breit, ebenso hoch und 15 Tonnen schwer. Anderthalb Jahre reine Arbeitszeit steckten insgesamt rund 48 Teilnehmer des Qualifizierungsprojektes – nur ungelernte Leute, davon ein hoher Anteil Migranten – in die Reproduktion des historischen Hanse-Frachtschiffes. Planke für Planke wuchs das Schiff auf dem Hof des Bildungszentrums Nies an der Barbarastraße 57 in die Höhe und Breite. Eine einmalige Geschichte, die nur in der Kombination der mitwirkenden Partner realisiert werden konnte. Projektträger ist die Stadt Dorsten in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum Nies. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt dieses Qualifizierungsprojekt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Weitere Mittel stellen der Arbeitskreis Jugend e.V. aus Mitteln der Sparkasse Vest Recklinghausen und der Lippeverband zur Verfügung. Die Aak ging Mitte Dezember 2018 als Geschichtsstation vor dem Freizeitbad Atlantis dauerhaft vor Anker. ihr rund 45 Quadratmeter großer Bauch wird eine kleine Ausstellung beherbergen, die der Lippeverband in Kooperation mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Dorsten bis etwa Frühjahr 2019 gestalten wird.


Siehe auch:
Dorstener Flieger
Dorstener Schiff

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht.
Abgelegt unter: , Schiffsbau