Dorstener Aak

In Dorsten gebautes Frachtschiff auf der Lippe - Nachbau 2016/18

„Aak“ ist vermutlich friesischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „Boot mit plattem Boden“. Die Aak ist ein flaches Lasten- und Küstenfahrzeug mit extrem niedrigem Tiefgang. Erstmals trat die aus dem alten Lippekahn und der „Kölner Aak“ hervorgegangene „Dorstener Aak“ im beginnenden 18. Jahrhundert auf und wurde über 200 Jahre lang in Dorsten gebaut. Sie diente als Frachtschiff auf der Lippe, der Ruhr, dem Niederrhein und den seeländischen Wasserstraßen wie Maas, Schelde und Waal.

Nachbau der Aak ging 2018 vorm Atlantis-Bad dauerhaft vor Anker

Urban Drecker im früheren Heimatmuseum

Urban Drecker, früherer Museumswart, mit dem Modell der Dorstener Aak in den frühen 1970er-Jahren

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden wesentliche Konstruktionsmerkmale der Aak vom Eisenschiffbau übernommen. Die Maße waren: Länge 39 m, Breite 5,8 m, Höhe 1,8 m, zwei Masten; für den Bau (zwölf Schiffbauer brauchten vier Monate) wurden 120 bis 150 Festmeter Eichenholz verarbeitet.
Arbeits- und Ausbildungssuchende haben am Bildungs- und Integrationsprojekt „Eine Aak für Dorsten“ die Chance erhalten, Kompetenzen rund ums Handwerk zu erlangen und hierüber in Ausbildung oder Arbeitsmarkt zu kommen. Sie konnten jeweils bis zu einem halben Jahr an dem Nachbau des historischen Schiffes mitarbeiten, so dass von Anfang Dezember 2016 bis Ende Mai 2018 insgesamt 48 Personen daran mitgewirkt haben. Projektträger war die Stadt Dorsten im Rahmen des Stadterneuerungsprozesses „Wir machen Mitte“. Finanzielle Unterstützung gab es vom Land NRW (180.000 Euro), vom Arbeitskreis Jugend e. V. sowie vom Lippeverband. 2018 wurde der Nachbau der Dorstener Aak fertig gestellt. Der Rumpf des Bootes besteht aus schweren Eichenplanken. Es ist 22 Meter lang, 4,50 Meter breit, ebenso hoch und 15 Tonnen schwer. Der Innentraum, der bei den Originalschiffen mit 1,80 m Höhe nur Laderaum war, wurde beim Nachbau erhöht, um ihn begehbar zu machen. Das Modell ging nach Fertigstellung Mitte Dezember 2018 als Geschichtsstation vor dem Freizeitbad Atlantis dauerhaft vor Anker.

Der begehbaren Schiffsbauch wurde als Geschichtsstation eingerichtet

In ihrem rund 45 Quadratmeter großen Laderaum ist eine vom Dorstener für Orts- und Heimatkunde entwickelte begehbare Geschichtsstation eingerichtet, die mit Text- und Fototafeln über die Lippe damals und heute, über den Schiffbau informiert. Sie wurde im Juli 2019 eröffnet die vornehmlich vom Dorstener Verein für Orts- und Heimatkunde erstellt wurde. Die für jeden begehbare Aak ist nun auch Bestandteil der stadthistorischen Rundgänge.

Kommentierende Anmerkung zum Nachbau der Aak: In der Lokalzeitung wurde am 4. Juli 2019 der Vorsitzende des Vereins für Orts- und Heimatkunde, Dr. Josef Ulfkotte, mit den Worten zitiert: „Zu unserem Leidwesen gibt es in Dorsten kein stadtgeschichtliches Museum. Jetzt haben wir diese tolle Ausstellung – das ist ein Tag großer Freude für unseren Verein.“ Diese Aussage mag die irritieren, die wissen, dass der Heimatvereins unter Vorsitz Ulfkottes 2003 die treibende Kraft war, das städtische Dorstener Heimatmuseum am Markt aufzulösen und die musealen Gegenstände, vieles über die Schifffahrt, in alle Winde zu zerstreuen. Im Übrigen sind die Informationstafeln in der nachgebauten Aak nicht museal. Daher sollte das Projekt auch nicht als „Dorstens kleinstes Museum“ bezeichnet werden (Siehe zu dem Thema den Kommentar unter dem Eintrag über das Heimatmusem Dorsten.


Siehe auch:
Dorstener Flieger
Dorstener Schiff

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