Dorstener „Dütsch“

Weitgehend vergessen: Wu et in Dosten op Sünderkloskermiß hergeng!

Schild an der Uni Münster zur Sprachforschung: "Pass auf! Elektrozaun"

Schild an der Universität Münster zur Sprachforschung: „Pass auf! Elektrozaun“

Die Mundart von Dorsten gehört in den Grenzstreifen Essen-Gronau, die niederfränkische und westfälische Eigenheiten in sich birgt, wie zum Beispiel ink ,euch’, git ,ihr’.. Sprachspott über Lembeck: „De Lembeckische Kääk ligg midden in’t Dorp bobben up’n Bääg“. Über die Erforschung der Dorstener Mundart haben sich besonders Sanitätsrat Dr. Geißler sowie in der Sammlung von mundartlichen Reimen Gerhard Strotkötter verdient gemacht. In der Zeitschrift „Niedersachen“ (Band 23, Seite 167) und in der „Zeitschrift für rheinische und westfälische Volkskunde“ (Jahrgang 1917) veröffentlichte Prof. Julius Pickert Dorstener Kinderlieder. Er gilt als derjenige, der im gesamten Vest die Mundart Dorstens genauer untersuchte und bearbeitete. 1908 veröffentlichte er „Das starke Verbum im Münsterländischen mit besonderer Berücksichtigung des Dorstener Dialekts“ (Jahrsbericht des Gymnasiums Attendorn 1908, 1909) und in der „Zeitschrift für deutsche Mundarten“ (1917) den Artikel „Vokalismus der Stammsilben in der Mundart von Dorsten“. – In den Herrlichkeitsdörfern wurde früher nur Platt gesprochen – jedes Dorf mit einer andren Sprachfärbung. Wie die Bayern mit den Preußen und umgekehrt, so lagen auch sie traditionell miteinander in verbalem Spott: Die Erler waren für die Lembecker und Rhader die „Bräipötte“ (Breitopfe), für die Rhader waren die Lembecker „Stroatendrieter“ (Straßenscheißer), die Lembecker revanchierten sich mit „Kodden“ (Schweine“) und zusammen sagten sie zu den Borkenern wegen deren oft roten Haare „Foffenstatt“ (Fuchsschwänze).

Sprachgrenze zwischen Rheinland und Westfalen heute überwunden

Informationstafel in Kölner Platt am Dom

Informationstafel in Kölner Platt am Dom

Sprachwissenschaftler sagen, dass die regionalen Anteile im Wortschatz seit etlichen Jahren immer mehr verschwinden. Kinder lernen als erste Sprache nicht mehr Platt. Das war früher anders. Noch vor 200 Jahren konnten sich Rheinländer und Westfalen kaum miteinander unterhalten. Man braucht auch gar nicht so weit zurückschauen. Seit 70 Jahren leben Rheinländer und Westfalen in einem Bundesland zusammen. Rolf Plümpe, verstorbener Redaktionsleiter der Dorstener „Ruhr Nachrichten“ (heute „Dorstener Zeitung“), erzählte immer gern die Geschichte, wie er vor Jahrzehnten als Westfale aus dem rheinischen Köln flüchtete. Als junger Redakteur sollte er Ende der 1950er-Jahren (oder war es in den frühen 1960ern?) in der Redaktion einer Kölner Zeitung arbeiten. Er fuhr mit dem Zug nach Köln, hatte noch etwas Zeit, ging am Rhein spazieren und fragte einen Passanten nach irgendetwas. Rolf Plümpe bekam auch eine Antwort – er verstand sie nur nicht. Den nächsten gefragt, die Antwort gehört und wieder nicht verstanden. Da setzte er sich in den Zug und fuhr zurück ins heimatliche Soest. Ob er jemals wieder in Köln war ist hier nicht bekannt.

Rückgang der Mundart hin zum nordrhein-westfälischen „Dialekt light“

Wörterbuch zum Nachlesen

Wörterbuch zum Nachlesen und zur Verständigung

Wenn auch die Vielfalt des regionalen Wortschatzes heute immer mehr schwindet und die Mundart sich zu einem „Dialekt light“ entwickelt, so stellten Sprachforscher in Münster fest, dass sich Wörter gut halten, wenn’s ums Naschen geht. Diese mundartlichen Begriffe werden durch die Kommunikation zwischen Kind und Mutter aufrecht erhalten. Beispielsweise heißt das Bonbon immer noch „Boms“, „Klümpken“, „Bröckskes“, „Ballekes“ oder eben „Kamelle“. Das Wort „Bömsken“ aus dem westfälischen Platt wird so zu einem „Schmückstück in der Alltagssprache“, sagt Georg Cornelissen, Sprachwissenschaftler am Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Den Rückgang des Dialekts im Alltag bestätigt auch Markus Denkler vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LVL). „Ich habe schon länger niemanden gehört, der seinen Kindern als Erstsprache Plattdeutsch beibringt“, zitieren ihn die „Ruhr Nachrichten“.

„Pläte“, „Köpper“, „pingelig“, „Plörre“, „Flitzebogen“, „friemeln“, „Kappes“

Schild in Münster

Schild in Münster

Die beiden Sprachwissenschaftler der Landesverbände haben sich zusammengetan, um die Geschichte der plattdeutschen Sprache in beiden Landesteilen zu erforschen. Das Ergebnis mit Sprachaufnahmen schon aus dem 1950er-Jahren wird 2017 als CD beim den Landesverbänden erscheinen. Als Fazit stellen die beiden Forscher fest, dass Rheinländer und Westfalen die alten Sprachgrenzen zunehmenden überwinden. An Stelle des Platt sei eine „regionale Variante des Hochdeutschen“ getreten. Bestimmte regional geprägte Wörter seien mittlerweile Allgemeingut. Einige Beispiele: „Pläte“, „Köpper“, „pingelig“, „Plörre“, „Flitzebogen“, „friemeln“, „Kappes“ für Unsinn oder „strunzen“ für Angeben. Allerdings sind diese Wörter (noch) nicht im Duden zu finden. Doch bemühten sich vor allem Heimatvereine, das Plattdeutsch ihrer Region aufrecht zu erhalten.
Als das Rheinland und Westfalen 1815 preußische Provinzen wurden, war das Missverstehen auch auf Grund der Sprache groß. Am unteren Niederrhein wurde in Schulen zuvor sogar auf Niederländisch unterrichtet. Die Preußen führten eine einheitliche Unterrichtssprache sowohl in der rheinischen wie westfälischen Provinz ein, so dass am Ende des 19. Jahrhundert Rheinländer wie Westfalen mit dem Hochdeutschen in Kontakt gekommen waren.

Plattdeutsch jetzt als Abitur-Prüfungsfach deutschlandweit zugelassen

Plattdeutsch ist 2017 deutschlandweit als Abitur-Prüfungsfach offiziell anerkannt worden. Das hat der Schulausschussder Kultusministerkonferenz beschlossen. Das Erlernen der Sprache ist somit anderen Fächern gleichberechtigt und kein Zusatzangebot mehr.

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