Diegner & Schade

Breites Herstellungsprogramm von Turmuhren bis Glockenstühlen

Unternehmen in der Gelsenkirchener Straße; Fotio: Wolf Stegemann

Unternehmen in der Gelsenkirchener Straße; Fotio: Wolf Stegemann

Die Firmengründer Dipl.-Ing. Otto Diegner und Dr. Walter Schade gründeten 1929 das Unternehmen und entwickelten die erste kontaktlose Glockenläutemaschine. Zuerst widmeten sie sich u. a. dem Bau und der Reparatur elektrischer Maschinen und Apparate in einer kleinen Werkstatt an der Wasserstraße in Hervest-Dorsten. Der Kundenkreis wuchs schnell und die Werkstatt musste durch einen Anbau erweitert werden. Als auch diese Räumlichkeiten zu klein wurden, siedelte sich der Betrieb in der Nähe des Bahnhofs an der Gelsenkirchener Straße an. Die räumliche Erweiterung war notwendig geworden, weil die Firma auf Grund eines Patents für elektrische Kirchenglocken-Antriebe einen beachtlichen Zuwachs an Aufträgen zu verzeichnen hatte. Seitdem wurden die Produkte permanent weiterentwickelt und gehören heute zu den modernsten in der Branche. Diese Erfindung hat den Kirchentechnik-Spezialisten Diegner & Schade in der Branche berühmt gemacht. Im Jahr 1962 konstruierte der Ingenieur und Firmeninhaber Walter Schade die erste so genannte Kompensations-Pendelanlage. Grund dafür war ein spezielles Problem in einem Kirchturm in Köln. Neue Glocken waren dort Jahre zuvor eingebaut worden. Doch beim Läuten begann der Turm jedes Mal so heftig zu schaukeln, dass Einsturzgefahr bestand. Also war die Anlage jahrelang außer Betrieb. Erst durch die Erfindung jenes Gegenpendels wurde eine Lösung gefunden. Die Erfindung sprach sich in den Pfarreien schnell herum, so dass weitere Maschinen gebaut, die ersten Lehrlinge und Gesellen eingestellt und die Angebotspalette der Produkte ausgeweitet werden konnten.

Jährlich bis zu drei Millionen Euro Umsatz

Bis 2010 zählten bundesweit rund 1.200 Kirchen zu den Kunden des Unternehmens, davon allein 700 in Nordrhein-Westfalen. Für diese Kirchen übernimmt die Diegner & Schade GmbH nach dem Einbau von Anlagen auch deren Wartung und Reparatur. Das Unternehmen hatte 2011 noch 46 Arbeitsplätze. Nach eigenen Angaben kam das Mittelstandsunternehmen pro Jahr auf einen Umsatz von 3 bis 3,5 Millionen Euro.

Läutemaschinen wurden von Dorsten aus auch ins Ausland geliefert. In den japanischen Städten Tokio und Osaka ist das Glockengeläut von Diegner & Schade im Einsatz, außerdem im Dom der philippinischen Hauptstadt Manila. Weitere Lieferungen gingen in die Vereinigten Staaten, nach Kanada und nach Südafrika. In Dorsten ist das bekannteste Produkt der Firma Diegner & Schade das Glockenspiel am Marktplatz, das 1983 eingerichtet wurde. Weitere Diegner & Schade-Glockenspiele erklingen u. a. in Schermbeck und Haltern  Im März 2006 richtete ein Großfeuer Schaden in Millionenhöhe an. Dabei stürzte der Dachstuhl des Fabrikationsgebäudes ein. Mitarbeiter konnten sich unverletzt in Sicherheit bringen. Es entstand ein Sachschaden von 1,5 Millionen Euro.

2014 Insolvenz angemeldet

Das traditionsreiche Unternehmen beantragte Mitte 2014 INsovenz. Davin sind zu diesem Zeitpunkt 38 Mitarbeiter betroffen. Das Amtsgericht Essen bestellte als vorläufigen Insolvenzverwalter RA Rolf Weidmann. Das Unternehmen war in Scxhwieigkei8ten geraten, weil die unter Mitgliederschwund leidenden Kirchen aus pekuniären Gründen weniger Aufträge vergeben. In der wirtschaftlichen Blütezeit des Unternehmens waren 1964 an der Gelsenkirchener Straße 555 Mitarbeiter beschäftigt. Im Januar 2015 wurde gemeldet, dass die Dorstener Drahtwerke einen Teilbereich des insolventen Betriebs übernommen haben. Das Sanierungskonzept sieht die Fortführung der Aktivitäten im Bereich der industriellen Wartung, des Sondermaschinenbaus und der Kirchentechnik vor. Von den 38 Mitarbeitern wurden 19 übernommen.


Quellen:
Website des Unternehmens. „Glockenspiele für die Welt“ in „Die Welt“, März 2006. – DZ vom 8. Januar 2015.

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