Kriminalität / Clans

Vin der Clan-Kriminalität ist in NRW der Kreis Recklinghausen stark betroffen

Razzia in einer Sisha-Bar; Foto dpa

Der Begriff Clan-Kriminalität umfasst laut Landeskriminalamt „die vom Gewinn- oder Machtstreben bestimmte Begehung von Straftaten unter Beteiligung Mehrerer, wobei in die Tatbegehung bewusst die abgeschottete gemeinsame familiäre oder ethnische Herkunft als verbindende, die Tatbegehung fördernde oder die Aufklärung der Tat hindernde Komponente einbezogen wird“. Die Tatbegehung im Rahmen organisierter Kriminalität ist „von einer fehlenden Akzeptanz der deutschen Rechts- oder Werteordnung geprägt und die Straftaten einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung“. Im Fokus des LKA sind derzeit 111 Familienclans (Namen), deren Angehörige einen türkisch-arabisch-stämmigen Migrationshintergrund (Bevölkerungsgruppe der Mhallamiye) aufweisen und die über Bezüge zum Libanon verfügen.
Die Clan-Kriminalität im Bereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen (Kreis RE und Bottrop) ist mit der Anzahl der im Jahr 2019 erfassten Straftaten türkisch-arabischer Clans hinter Essen auf dem zweiten Platz, gefolgt von Gelsenkirchen. Um dieser besonderen Form der Kriminalität entgegenzuwirken, sind im Kreis bereits zahlreiche Razzien erfolgt. Von den landesweit ermittelten 6104 Clan-Straftaten bedeuten die im Kreis Recklinghausen 486 erfassten Fälle einen Anteil von acht Prozent, bei der Zahl der 320 Tatverdächtigen, bezogen auf die landesweit ermittelten 3779 Personen, liegt er bei 8,5 Prozent. Verglichen mit 2018, so erläutert der Polizeisprecher gegenüber der Lokalzeitung, seien ein Anstieg der Straftaten um fast 13 Prozent und der der Tatverdächtigen um mehr als 13 Prozent zu verzeichnen. Diese Zahlen deckten sich in etwa mit dem Landesdurchschnitt. Die Anzahl aller registrierten Straftaten ist im Bereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen im Vorjahresvergleich hingegen um 1,59 Prozent gesunken.

Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert – dadurch mehr Straftaten entdeckt

Der Anstieg der erfassten Clan-Straftaten hat auch damit zu tun, dass die Öffentlichkeit hierzu sensibilisierter reagiere und mehr Verdachtsfälle meldet. Zudem ist die Schwerpunktarbeit der Polizei intensiviert worden. Durch die kreisweit 79 Razzien – vor allem in Shisha-Bars – und Kontrollen von mehr als 1100 Personen wurden im Vorjahr mehr Straftaten entdeckt. Die Bars seien kontrolliert worden, nicht weil es unbedingt einen konkreten Verdacht gegeben habe, sondern, weil solche Bars oder Wettbüros als Rückzugs- und Kommunikationsorte von Mitgliedern krimineller Clans genutzt werden können. Zu den Razzien gehöre auch, dass im Umfeld dieser Lokalitäten Fahrzeuge, insbesondere hochwertige, und ihre Fahrer überprüft würden.

Einschüchterung, Körperverletzung, Drogen, Fälschungsdelikte, Diebstahl

Von den kreisweit erfassten 486 Clan-Straftaten habe sich der überwiegende Teil mit 170 Delikten im Bereich der Körperverletzung und Einschüchterung abgespielt. Hinzu kämen rund 100 Eigentumsdelikte wie Diebstahl sowie 70 Betrugs- und Fälschungsdelikte und 50 Straftaten im Zusammenhang mit Drogen. Dies seien die bekannten Taten, wobei sich sicher viele weitere im Dunkelfeld ereignet hätten. Kontrollaktionen erfordern großen Personalaufwand. Im Kreis hat die Kreispolizei 15 Clanmitglieder ermittelt, die mit mehr als fünf zugeordneten Delikten als Mehrfachstraftäter gelten und deshalb unter besonderer Beobachtung der Polizei stehen. Kontrollaktionen erfordern einen deutlich großen Personalaufwand. Im Jahr 2019 sind dafür rund 10.300 Personalstunden aufgewendet und 750 Polizisten aus dem Präsidium Recklinghausen und weitere 1000 aus den Polizeihundertschaften des Landes eingesetzt worden.

Drei Bücher zur Clan-Kriminalität

Khalil O. mit Christine Kensche: „Auf der Straße gilt unser Gesetz. Arabische Clans – Ein Insider erzählt seine Geschichte“, Wilhelm Heyne Verlag München 2020, 304 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-453-21800-0.
Thomas Heise, Claas Meyer-Heuer: „Die Macht der Clans. Arabische Großfamilien und ihre kriminellen Imperien“, Deutsche Verlags-Anstalt 2020, 352 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-421-04870-7.
Mahmoud Al-Zein: „Der Pate von Berlin. Mein Weg, meine Familie, meine Regeln“, Droemer HC 2020, 256 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-426-27837-6.

Siehe auch: Kriminalität (Artikel-Übersicht)
Siehe auch: Ausländerkriminalität
Siehe auch: Polizei-Razzia in Rhade


Quelle: Nach Marcus Esser „Clan-Kriminalität: Kreis auf Platz zwei in NRW“ in DZ vom 18. Sept. 2020

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