Cannabisverein Recklinghausen

Die Mitglieder bereitet sich auf Legalisierung vor – darunter auch Dorstener

Ab dem 1. April ist Cannabis in Deutschland legal, so hat es der Bundestag am 29. Februar beschlossen. Jedoch erst mal nur aus privater Anbauquelle. Ab dem 1. Juli dürfen dann auch die sogenannten Cannabis Social Clubs, also Anbauvereine mit bis zu 500 Mitgliedern, starten. Wer in Zukunft Cannabis konsumieren will, aber keine eigenen Pflanzen besitzt, muss einem Cannabis-Club beitreten. Deren Mitglieder dürfen kein Cannabis an Nicht-Mitglieder weitergeben oder verkaufen. Der Verein über sich selbst: „Unsere Mission geht über die Förderung des verantwortungsbewussten Cannabiskonsums hinaus und legt einen starken Fokus auf biologischen Anbau und Nachhaltigkeit. Zudem engagieren wir uns aktiv im Jugendschutz und unterstützen Präventionsangebote im Zusammenhang mit Cannabis. Trete jetzt unserer exklusiven Gemeinschaft bei und erkunde die Welt des bewussten Cannabiskonsums in all ihren Facetten.“

Seit August 2023 trifft sich der Verein jedes Wochenende

Der Cannabisverein Recklinghausen ist so ein Cannabis Social Club. Ihm gehören auch Mitglieder aus Dorsten und Halten an. Achim Krüger, 1. Vorsitzender des Vereins, freut sich über die Legalisierung: „Endlich wird etwas gegen das mit Heroin, Kokain oder Crack verunreinigte Zeug vom Schwarzmarkt getan, weil konsumiert wird sowieso“, so zitiert die Dorstener Zeitung den 54-Jährigen. Krüger bevorzuge Cannabis, weil es risikoärmer als Alkohol sei: „Durch Alkohol sterben täglich traurigerweise sehr viele Menschen, aber ich kenne keinen, der an seinem Cannabisgenuss gestorben ist.“
Bevor es mit dem Anbau im Juli 2024 losgehen kann, benötigt der Verein noch eine Lizenz: „Die kriegen wir voraussichtlich Mitte Mai“, so Krüger. Unklar sei noch, wer bei der Kommune genau zuständig ist: „Das konnte uns leider bisher niemand sagen.“ Er hoffe in den nächsten Wochen auf mehr Gewissheit. Seit August 2023 trifft sich der Verein um Achim Krüger jedes Wochenende, um alles vorzubereiten. Dabei hat ihnen vor allem Johannes Nelkenstock geholfen – ein Rechtsanwalt aus Frankfurt, der bereits 45 Cannabis Social Clubs in Deutschland betreut.

Jugendschutz und Suchtprävention. Keine Mitglieder unter 21 Jahren

So habe der Verein in den Februar-/März-Wochen zum Beispiel festgelegt, dass neue Mitglieder zunächst ein Gespräch mit dem Vorsitzenden führen, um sich gegenseitig kennenzulernen. Drei Leute habe er danach bereits abgelehnt: „Die waren noch sehr jung und haben direkt nach Gras gefragt. Generell nimmt der Cannabisverein Recklinghausen keine Mitglieder unter 21 Jahren auf, obwohl auch der Konsum für 18 bis 21 Jahre gesetzlich geregelt wird.
Mittlerweile sind rund 50 Mitglieder im Cannabisverein Recklinghausen aktiv, darunter auch Dorstener. Achim Krüger hofft, dass durch die Legalisierung auch die verbreiteten Klischees über Cannabis-Konsumenten in der Gesellschaft abnehmen. „Unser ältestes Mitglied ist 77 Jahre alt und unser Altersdurchschnitt liegt bei 45 Jahren – da bin ich schon stolz drauf.“ Die Mitglieder dürfen künftig 25 Gramm Cannabis am Tag oder 50 Gramm pro Monat erhalten. Jedoch nur gegen Vorlage eines Personal- und Mitgliedsausweises. Im Cannabisverein Recklinghausen werde der jedes Mal vorm Betreten der Räumlichkeiten gescannt. An die Software dahinter sei auch ein Labor, mit dem der Verein zusammenarbeitet, angebunden. Das Labor prüft das Cannabis auf Verunreinigungen, ermittelt den THC- und CBD-Gehalt und stellt das Haltbarkeitsdatum fest. Bis zum 1. Juli will der Verein Überseecontainer für den Anbau und die Lagerung umbauen: „Dort soll ein Reinraum entstehen, mit Hygienefolie und einem speziellen Lichtkonzept aus Österreich“, so Krüger. Solarpaneele auf den Dächern, und Batterie- und Regenwasserspeicher sollen unter anderem dafür sorgen, dass die Container autark sind.

In NRW 3000 Cannabis-Clubs möglich – Für Anträge Personal eingestellt

Das Land NRW will nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Juni 2024 bis zu 3000 Cannabis-Anbauvereinigungen zulassen und das Genehmigungsverfahren den Bezirksregierungen übergeben. Dort sollen zusätzliche Stellen geschaffen werden. Bezahlt werden soll das Personal aus Gebühren der Vereine. Wann die erste Anbauvereinigung tatsächlich an den Start geht, sei unklar: Ab dem 1. Juli könne man erst mal einen Antrag stellen. Der werde dann von der zuständigen Bezirksregierung geprüft. Künftig werden wohl maximal 3000 Anbauvereinigungen in Nordrhein-Westfalen existieren. Die Grundlage für diese Berechnung von Staatssekretär Matthias Heidmeier ist die Vorgabe, dass pro 6000 Einwohner grundsätzlich eine Anbauvereinigung möglich ist. Ob es überhaupt zu so vielen Anträgen komme, sei ungewiss (dpa).

Siehe auch; Cannabis-Gesetz
Siehe auch: Cannabis-Konsum
Siehe auch: Canabis in NRW
Siehe auch: Cannabis-Verbotszonen
Siehe auch: Café Kick


Quelle: Antonia Stratmann in DZ vom 12. März 2024

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