Brüning, Sr. Maria

Als langjährige Ursulinen-Oberin schnitt sie alte Zöpfe ab

1914 in Osterwick/Coesfeld bis 2010 in Dorsten; Ursuline. – Eine der bemerkenswertesten Frauen in Dorsten war die Ursuline Sr. Maria Brüning, bürgerlich Elisabeth, die von 1956 bis 1980 als Oberin dem Dorstener Kloster vorstand und als Präsidentin der Höheren Ordensoberinnen der Föderation aller deutschen Ursulinenklöster 1963 am Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom teilnahm. b-bruening-osu-sr-mariaDie auf einen Bauernhof geborene Nonne war die Nichte der vormaligen Oberin M. Petra Brüning, die das Dorstener Ursulinenkloster mit Mut und Widerstand durch die Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges brachte. Ihre Nichte Maria Brüning trat in jungen Lebensjahren in das Dorstener Kloster ein, wurde 1936 eingekleidet und legte die feierliche Profess 1941 ab. Sie studierte Germanistik und Theologie und überraschte beim Zweiten Vatikanischen Konzil so manchen Kardinal, als sie sich in perfektem Latein an den Gesprächen der Kirchengrößen beteiligte. Bei ihren Schülern und Ordensschwestern war sie eine beliebte Beraterin und beispielsweise für den Theologen Karl Rahner eine geschätzte Gesprächspartnerin. Über die Reformen hatte Sr. Maria Brüning einen eindeutigen Standpunkt:

„Die Kirche versteht sich nicht mehr so sehr als Institution mit dem Klerus an der Spitze und Laien, sondern als wanderndes Gottesvolk, dessen Glieder sich gemeinsam auf dem gleichen Weg befinden. […] Das bedeute Abbau der Schranken, die zur Isolierung geführt hätten. Es gelte, keine klösterliche Eigenwelt aufzubauen, sondern einen Austausch mit allen Gruppen in der Welt zu erreichen.“

Dafür müssten allerdings patriarchalische Strukturen mit dem Ziel abgebaut werden, Partnerschaft, Mitverantwortung und Solidarität zu ermöglichen. In ihrer 24 Jahre langen Zeit als Oberin setzte sie bedeutende Akzente und schnitt alte Zöpfe ab. In ihre Ägide fielen der Bau der Klosterkirche und der Ursulinen-Realschule am Nonnenkamp sowie 1968 die Freistellung der Schwestern vom Tragen des engen Habit. Auch öffnete sie gemäß ihrer Überzeugung für ihre Mitschwestern die früher dicht verschlossenen Klostermauern.

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