Berken, Hotel

Gastronomie-Institution nach 100 Jahren durch Abriss verschwunden

Hotel Berken als Flüchtlingsunterkunft

Anfang 2019 wurde das ehemalige Traditions-Gasthaus Berken an der Straße „An der Molkerei“ dem Erdboden gleichgemacht. Das Wohngebäude nebenan war bereits verschwunden, der Anbau aus den 1980er-Jahren auch. „Restaurant Erwig“ hieß es einst, auch mal „Germania“, Namen der ersten Pächter lauteten Schetter oder Wächter. Das war in den 1920-er Jahren. 1933 kaufte mit den Eltern von Egon Berken die Familie das Gasthaus auf, das eine erfolgreiche und von vielen Gästen geschätzte Gastronomie-Institution in der Lippestadt werden sollte. Doch Anfang 2015 kam das Ende. Der damals 75-jährige Egon Berken gab Gaststätte und Hotel schweren Herzens auf. Trotz langer Suche hatte er keinen Nachfolger gefunden. 1963 hatte Egon Berken den Betrieb von seinen Eltern übernommen und ihn ausgebaut. Irgendwann gab es 28 Hotelbetten, viele Stammgäste kamen zum Essen und für etliche Vereine war das Hotel Berken das Stammlokal.

Vor dem Abriss als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien renoviert

Nachdem keiner das Hotel und die Gaststätte übernehmen wollte, verkaufte Egon Berken das Grundstück im Frühjahr 2015 an das Bauunternehmen Temmink in Velen. Dessen Pläne, die Gebäude abzureißen und auf dem Grundstück eine moderne Wohnbebauung zu verwirklichen, verzögerten sich zunächst. Da die Stadt mit weiteren Zuweisungen von Flüchtlingen rechnen musste, pachtete sie das Hotel vom neuen Besitzer im April 2015 auf drei Jahre an, renovierte es und schuf dort Platz für 35 Flüchtlinge. Danach wurde die Flüchtlingsunterkunft wieder aufgegeben und der neue Investor konnte seine Pläne umsetzen. Es sollen dort zwei Acht-Familien-Häuser mit Eigentumswohnungen in Massivbauweise entstehen.

Nur Erinnerungen und das restaurierte Glockenspiel überlebten

Überleben werden nur die Erinnerungen an die vergangenen Jahre des Hotels Berken. Erinnerungen an den Streichelzoo für die kleinen Gäste mit seinen sprechenden Papageien, an Leibgerichte wie „Rumpsteak Mirabeau“ mit anschließendem „Cafe Cointreau“, an längst verstorbene Mutter des letzten Inhabers, genannt „Etta“, die noch im hohen Alter hinter dem Tresen stand und die Leute bewirtete. Ein Andenken hat sich der Heimatverein Dorf Hervest gesichert: die außen am Hotel-Gebäude angebrachte Uhr mit dem Glockenspiel, seinerzeit von der Dorstener Firma „Diegner & Schade“ hergestellt. Heimatvereinsmitglieder haben das gute Stück inzwischen restauriert, die Melodie erklingt wieder. Derzeit wird im Umfeld des neuen Heimathauses nach einem Platz gesucht.

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