April, April!

Lehrerin suchte mit ihren Kindern die alte „Germania“, um Heino zu hören

Woher kommt der Aprilscherz? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Je nach Region werden vier unterschiedliche Erklärungen in Erwägung gezogen: Schärfung der Sinne für Unglück, Rache des Volkes an Hochwohlgeborenen, eine Kalenderreform und ein römisches Narrenfest. Die Redewendung „in den April schicken“ ist in Bayern wohl schon seit 1618 sicher verbürgt. Aber eine der am häufigsten genannten Entstehungstheorien bezieht sich bereits auf eine 1564 durchgeführte Kalenderreform des französischen Königs Karl IX, der den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. Daraufhin verschickten humorige Mitmenschen zum Apriltag Einladungen zu Neujahrsfestivitäten, die es nicht mehr gab. Wer dennoch kam, hatte zum Schaden der Anreise auch noch den Spott. Von Frankreich aus sollen sich dann derartige Aprilscherze mit Soldaten über Europa verbreitet haben, wo sie umgeformt und ausgeweitet wurden. Der Begriff „Aprilscherz“ bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. In „Grimms Deutschem Wörterbuch“ von 1854 ist zwar der „Aprilsnarr“ verzeichnet, aber noch nicht der „Aprilscherz“.

RN: Wiederaufstellung der „Germania“ in Dorsten mit Heinos Schlager

Sie wieder aufgestellte „Germania“

Immer wieder beteiligen sich internationale Presseagenturen an 1. April-Scherzen. Aber auch die lokalen Zeitungen schicken ihre Leser gerne in den April. Mitte der 1980er-Jahre musste in Dorsten die alte Eisen-„Germania“, der noch jüngere Sänger Heino sowie der Tennisverein in der Feldmark für einen Aprilscherz herhalten. Wolf Stegemann, damals für Kultur und Geschichte zuständiges Redaktionsmitglied der RN (heute DZ), hatte zusammen mit Stadtdirektor Dr. Zahn an den Rat den Antrag gestellt, die 1896 vom Dorstener Kriegerverein aufgestellte „Germania“ in mittlerweile ramponiertem Zustand als Mahnmal wieder aufzustellen. Als Mahnmal, wohin Krieg mit seinen Darstellungen führen kann. Das wurde mit einer Stimme Mehrheit im Rat abgelehnt, doch ein CDU-Ratsherr meldete sich zu Wort und wollte nun das Kriegs-Relikt auf eigene Kosten renovieren und am Tennisplatz in der Feldmark wieder als stolze „Germania“ aufstellen, was natürlich verweigert wurde. Darüber berichtete die Zeitung. Und am 1. April war in der Zeitung zu lesen, dass es nun soweit sei, die alte Germania werde in neuer Frische am Tennisplatz in der Feldmark wieder aufgestellt. Zur Einweihung käme der dunkelstimmige Barde Heino und sänge seinen Schlager von der „schwarzen Barbara“ – nur umgesungen auf die „schwarze Germania“. Bürgermeister Ritter und andere würden zu seinem Timbre das die Germania verhüllende Tuch lüften.
Und dann trat das für alle Unerwartete ein. An dem Tag, an dem diese Enthüllung, die nur ein Aprilscherz war, stattfinden sollte, klingelte in der Redaktion das Telefon. Eine hektische und an der Grenze zum Hysterischen klingende Frauenstimme fragte, wo denn nun das Denkmal stehe. Sie könne es nicht finden. Sie rief von einer Telefonzelle aus an und im Hintergrund waren Kinderrufe zu hören. Das klärte sich auf, den die Frau war Grundschullehrerin und war mit der Schulklasse zum angegeben Platz in der Feldmark gegangen, um mit ihren Kindern Heino live zu erleben. Als sie hörte, das sei ein Aprilscherz, war sie still und sagte nur noch „O, mein Gott!“ und legte auf. Später rief sie noch einmal an und bat darum, nicht darüber zu schreiben, was die Redaktion akzeptierte. Jetzt, rund 30 Jahre später, ist anzunehmen, dass darüber geschmunzelt werden kann.

WAZ: Aprilscherz geriet in Dorsten zum größten Patzer des Redakteurs

Gerhard Schute, Redakteur bei der Dorstener WAZ, berichtete von einem Aprilscherz Mitte der 1970er-Jahre in Dorsten. Es sei der größte Patzer seiner beruflichen Laufbahn gewesen. Schute hatte als Aprilscherz einen Bericht verfasst, in dem Dorsten der Standort des größten Bordells der Region werden sollte. Am 31. März war es ihm doch zu heikel, diesen Text am 1. April zu veröffentlichen. Deshalb kam ein anderer Artikel in die Zeitung. Eine Woche später jedoch wurde der Bordell-Bericht durch eine Panne in der Zeitungstechnik doch noch gedruckt. Es war für den Journalisten sehr schwer, den Leuten zu erklären, dass es sich nur um einen verspäteten Aprilscherz handelte.

Wulfen-Wiki: Prinz William und seine Kate wurden in der Muna erwartet

Prinz William und Braut Kate in Wulfen

Und Christian Gruber meldete in seinem Online-Magazin „Wulfen-Wiki“ 2011, dass die Royals, Prinz William und seine Braut Kate, inkognito ihren Landsleuten in der der Muna in Wulfen einen Besuch abstatten würden. Das Gelände sei riesig und würde vom deutschen und britischen Militär perfekt abgeschirmt, so dass kein Paparazzo selbst mit dem längsten Teleobjektiv eine Chance auf ein Foto hätte. Außerdem habe die Braut Kate Middleton mit einer in England lebenden Tochter von Virginia Lehmann (Barkenberger Allee) zusammen den Ersten-Hilfe-Kurs für die Führerscheinprüfung in Great Yarmouth besucht. Der Kommandeur Oberstleutnant Rudolf Haller habe auf die Anfrage von Wulfen-Wicki geantwortet: „Ich sage dazu nichts. Und nichts wird man wohl noch sagen dürfen. Eine Antwort bekommen Sie gerne am 29. April.“

Zur Sache: Für Christen ein Unglückstag, für Römer ein Fest der Dummen

Das Christentum kennt ebenso eine Erklärungen für dieses spezielle Datum: An einem 1. April soll der gefallene Engel Luzifer in die Hölle eingezogen sein. Auch ist dies eventuell der Geburtstag von Judas Ischariot, dem Jünger, der Jesus verraten hatte. Den Christen verheißt dieser Tag also Unglück, vor dem man sich hüten sollte. Vermutet wird schließlich noch ein Zusammenhang mit dem römischen zu Ehren des Gottes Quirinus, der in späteren Zeiten des römischen Reiches mit Romulus gleichgesetzt wurde. Die so genannte Quirinalia wurde auch als Fest der Dummen und Narren bezeichnet. Es fiel allerdings im römischen Kalender bereits auf den 17. Februar, so dass nur spätere Kalenderreformen eine Verschiebung dieses Tags auf den 1. April bewirkt haben konnten.

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